Piloten-Ausbildung bemängelt
Mysteriöser Tod eines Generals: Putin-Kritiker in Russland umgekommen
- VonTadhg Nagelschließen
Ein russischer General kommt auf ungeklärte Weise ums Leben. Er hatte mehrfach die schlechten Ausbildungsbedingungen russischer Piloten kritisiert.
Moskau - Ein ranghoher russischer Generalleutnant ist zusammen mit seiner Frau leblos in seinem Haus entdeckt worden. Die Todesursache ist noch unklar. Berichten zufolge waren Wladimir Swiridow, 68, und seine Frau Tatjana, 72, bereits seit etwa einer Woche tot, bevor ihre Leichen gefunden wurden.
Swiridow wurde am Mittwoch (15. November) im Schlafzimmer seines Hauses in der Region Stawropol gefunden, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Seine Frau lag neben ihm leblos im Bett. Das berichtet die russische Tageszeitung Kommersant.
Keine Anzeichen von Gewalt - Starb Putins General durch eine Kohlenmonoxidvergiftung?
Die Ermittler erklärten, es habe keine Anzeichen von Gewaltanwendung gegeben und die beiden seien offenbar schon seit etwa einer Woche tot, da sie zur gleichen Zeit gestorben seien. Zunächst sei eine Kohlenmonoxidvergiftung als mögliche Todesursache in Betracht gezogen worden, in der Wohnung seien allerdings keine erhöhten Werte des Gases feststellbar gewesen, so die Zeitung. In anderen, widersprüchlichen Berichten hieß es, dass ein Stromausfall vor einigen Tagen in Verbindung mit ausgefallenen Generatoren zu einer Ansammlung von Gas in der Wohnung geführt habe.
Der russische Telegram-Kanal Baza berichtete ebenfalls, dass bei den vorläufigen toxikologischen Tests keine schädlichen Substanzen im Blut der beiden Opfer gefunden wurden. „Mitarbeiter des Gasversorgungsunternehmens haben bereits Messungen vorgenommen und keine Überschreitung der zulässigen Schadstoffkonzentration festgestellt“, schrieb Baza. Auch Anzeichen einer Gewalteinwirkung habe es nicht gegeben. „Die Ursache für den Tod von Wladimir und Tatjana Swiridow ist noch unbekannt“, so der Telegram-Kanal.
Zu Lebzeiten hatte Swiridow militärische Auszeichnungen erhalten - Nun „ein absurder Tod“
Die örtliche Zweigstelle des FSB untersucht nun die seltsamen Todesfälle. Nachbarn sagten, das Paar sei zuletzt am 5. November lebend gesehen worden. „Als ich von seinem Tod erfuhr, tat es mir im Herzen weh. Es ist eine Schande, dass Menschen von solchem Rang, die Aufmerksamkeit und Respekt verdienen, auf diese Weise zu Tode kommen. Ich habe den Eindruck, dass dies ein absurder Tod war“, wurde Generalmajor Wladimir Popow, ein Freund des Verstorbenen, von der russischen Nachrichtenseite News.ru zitiert.
Der getötete General befehligte von 2005 bis 2009, und somit während der russischen Invasion in Georgien im Jahr 2008, die 6. Armee der Luftwaffe und der Luftverteidigung Russlands. Im Laufe seiner Karriere wurde er vom russischen Präsidenten Wladimir Putin mit den Orden „Für militärische Verdienste“ und „Verdienter Militärpilot Russlands“ ausgezeichnet, so das US-Nachrichtenportal Daily Beast.
Kritik an der mangelhaften Ausbildung russischer Piloten - Und ein weiterer mysteriöser Todesfall
Während seiner Amtszeit hatte er immer wieder Kritik an den Zuständen in der russischen Luftwaffe geäußert. In einem Interview mit einem russischen Luftfahrtmagazin aus dem Jahr 2007 hatte er sich offen über die mangelhafte Ausbildung russischer Piloten beklagt und diese „drittklassig“ genannt. „Ein Pilot muss etwa 100 Flugstunden pro Jahr absolvieren, um voll einsatzfähig zu sein“. Dies sei jedoch noch nicht der Fall, die „durchschnittliche Flugzeit in der Armee liegt derzeit bei 25-30 Stunden“. In einem anderen Beitrag sagte er, man sei gezwungen „nicht voll ausgebildete Offiziere einzusetzen, weil es keine besseren gibt.“ Aus demselben Grund schicke man „auch drittklassige Piloten an die Militärakademien. Das hat es in der Vergangenheit nicht gegeben“.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten




Der Kreml hat sich zu dieser Nachricht noch nicht geäußert. Es ist allerdings nicht der erste mysteriöse Todesfall von hohem Rang, seit Russland mit seiner groß angelegte Invasion den Ukraine-Krieg begonnen hat. Unter anderem wurde im Februar der FSB-Generalmajor Wladimir Makarow in seinem Haus in der Nähe von Moskau erschossen aufgefunden - offenbar ein Selbstmord, nachdem er von Putin entlassen worden war. (tpn)
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