Kritik an Zögern bei Taurus-Lieferung

Kein „Taurus“ für die Ukraine? Hofreiter sieht „verheerendes Signal“

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Kanzler Scholz kann sich nicht zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine durchringen. Die Kritik am Zögern der Regierung wird zusehends lauter.

Berlin - Seit Monaten hofft die Ukraine auf Taurus-Marschflugkörper aus Deutschland. Doch noch immer zögert Kanzler Olaf Scholz (SPD), grünes Licht für die Lieferung zu geben. Die abwartende Haltung stößt zusehends auf herbe Kritik. So forderte der Grünen-Politiker Anton Hofreiter den Kanzler im Deutschlandfunk auf, „dass er endlich den Weg freimacht für eine vernünftige Unterstützung der Ukraine“. Hier gehe es „nicht um ein einzelnes Waffensystem, da geht es um die Grundhaltung“, so Hofreiter.

Der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag, der seit langem eine Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine befürwortet, nannte es „ein großes Problem“, von Seiten der Regierung ständig „monatelang über ein Waffensystem zu diskutieren, um es dann zu spät zu liefern“. Mangelnde Entschlossenheit bestärkten den russischen Präsidenten Wladimir Putin nur in der Ansicht, den Krieg auf lange Sicht gewinnen zu können, sagte Hofreiter, der in dem Zögern ein „verheerendes Signal“ sieht.

Taurus-Lieferung sorgt für Streit: Grünen-Politiker Anton Hofreiter übt scharfe Kritik an Bundeskanzler Olaf Scholz (links, SPD).

Hofreiter kritisiert Zögern von Scholz bei Taurus-Lieferung

Der Krieg werde erst zu Ende gehen, wenn Putin verstehe, dass es sich für ihn nicht lohnt, den Ukraine-Krieg weiter fortzusetzen. Deutschland und der Westen müssten die Ukraine „so unterstützen, dass sie den Krieg gewinnen wird“.

Aus der Bundesregierung genannte technische Bedenken gegen eine Taurus-Lieferung, weil für den Einsatz der Waffe aus Deutschland möglicherweise Geodaten geliefert werden oder sogar deutsche Soldaten vor Ort sein müssten, nannte Hofreiter eine „Ablenkungsdebatte“. Die Ukraine sei „in der Lage, mit den Waffen selbst umzugehen“, hob er hervor.

Die von der Bundeswehr herausgegebene Aufnahme zeigt einen Kampfjet Tornado IDS ASSTA 3.0, bestückt mit dem Lenkflugkörper Taurus.

Auch die Union bekräftigte ihre Forderung nach der Taurus-Lieferung: „Mit der Absage der Taurus-Lieferung bestätigt Scholz den Totalausfall Deutschlands als selbst ernannte Führungsnation für europäische Sicherheit und stößt unsere Partner wie Großbritannien und Frankreich vor den Kopf, die bereits Marschflugkörper liefern“, sagte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter der Bild-Zeitung, die zuerst über das weitere Zögern des Kanzlers berichtet hatte.

Scholz will weiter keine Taurus-Raketen an die Ukraine liefern

Scholz lehnt eine Lieferung der von der Ukraine erbetenen Marschflugkörper vom Typ Taurus an die Ukraine weiterhin ab. Entsprechende Medienberichte wurden der Deutschen Presse-Agentur in Koalitionskreisen bestätigt. Eine formelle Entscheidung gibt es dazu aber weiterhin nicht. Damit bleibt die Option einer Lieferung von Taurus-Raketen zu einem späteren Zeitpunkt offen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Scholz stand einer Lieferung der Taurus von Beginn an skeptisch gegenüber. Dahinter steckt die Befürchtung, dass wegen der großen Reichweite von 500 Kilometern mit den Raketen auch russisches Territorium angegriffen werden kann. Zudem sollen deutsche Regierungsvertreter die Sorge geäußert haben, dass mit Taurus-Marschflugkörpern die Kertsch-Brücke zur Halbinsel Krim getroffen werden könnte. (cs/dpa/afp)

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