Hitze und Ernteausfälle

Lebensmittel immer teurer? Wie Landwirte mit Hitze und Dürre kämpfen

  • VonSophia Lavcanski
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Durch die anhaltende Hitze stehen Landwirte vor großen Herausforderungen wie Dürre und Ernteausfällen. Könnten Lebensmittel nun teurer werden? Der Deutsche Bauernverband gibt eine Prognose.

Die Sommer in Deutschland werden immer heißer, ständig erreichen Regionen Temperaturen jenseits der 30 Grad. Für Landwirte bedeutet der Klimawandel extreme Herausforderungen für den Anbau und Wachstum von Nutzpflanzen. Im Interview mit echo24.de erzählt Joachim Rukwied, Präsident des „Deutschen Bauernvereins“, wie die aktuelle Lage bei den Landwirten aussieht, ob es Ernteausfälle gibt, und ob die Lebensmittel in Supermärkten wie Lidl und Kaufland dadurch jetzt teurer werden.

Wie sieht es bei den Bauern aktuell aus? Was wächst, was nicht?

Joachim Rukwied, Präsident des „Deutschen Bauernverein“ berichtet, dass es derzeit noch zu früh für ein eindeutiges Bild der Ernte 2023 sei. Dennoch wird eine „unterdurchschnittliche Ernte bei erneut großen regionalen Unterschieden“ erwartet. In vielen Landesteilen habe die lange Trockenheit im Mai und Juni deutliche Schäden in den Beständen verursacht. Des Weiteren kommt es durch die Hitze derzeit auch immer wieder zu Feldbränden, so wie zuletzt auch in Heilbronn.

Da viele Felder extrem trocken sind, kann es schnell zu Großbränden kommen. Auf dem Bild ist das Ausmaß eines Großflächenbrandes in Heilbronn zwischen Böckingen und Leingarten zu sehen.

In Baden-Württemberg läuft die Ernte momentan wohl auf Hochtouren. Die Erträge seien jedoch je nach Region und Bodenarten sehr unterschiedlich. In Nordwürttemberg und -baden würde in den meisten Regionen eine unterdurchschnittliche Menge Getreide geerntet werden, die Ergebnisse aus Südwürttemberg und Hohenzollern seien noch nicht eindeutig. Die Kulturen, die erst im Herbst geerntet werden, wie Mais, Zuckerrüben und Soja, würden dringendst Niederschläge benötigen. Da selbst das Grünland sehr unter der Trockenheit und Hitze gelitten hat, müssten einige Rinderhalter sogar schon ihre Winterreserven verfüttern.

Hitze in Deutschland: Diesen Herausforderungen müssen sich Landwirte stellen

Joachim Rukwied berichtet weiter, dass die jährliche Niederschlagsmenge nach dem derzeitigen Kenntnisstand nicht wesentlich sinken würde. Dennoch würde die Verteilung über die Vegetationsperiode hinweg ungünstiger werden. Diese Veränderung habe je nach Standort starke Auswirkungen auf fast alle landwirtschaftlichen Kulturen.

Um dem Ganzen entgegenzuwirken, müsse künftig das Wassermanagement noch mehr in den Blick genommen werden. „Wir setzen auf wassersparende Bodenbearbeitungsverfahren, weitere Fruchtfolgen und widerstandsfähigere Pflanzen und Kulturen“, sagt Rukwied.

Des Weiteren könnten neue Züchtungstechniken wie beispielsweise „CRISPR/Cas“ (Gen-Schere) den Landwirten dabei helfen „schneller widerstandsfähige Pflanzen zu erhalten.“ Um dies zu erreichen, bräuchte es jedoch erst „einen neuen Rechtsrahmen auf EU-Ebene.“

Kostspielige Maßnahmen: Die Dürre fordert mehr Bewässerung

Ob es wegen der Dürre mehr Bewässerung benötigen würde, sei laut Rukwied „regional und deutschlandweit sehr unterschiedlich.“ Besonders im Gemüsebau müsse in diesem Jahr mehr bewässert werden, um die Produktion aufrechtzuerhalten und einen „Totalausfall der Ernte“ zu verhindern. Wichtig sei es nun, „die Bewässerungsinfrastruktur auszubauen“, wo es nötig ist, auch wenn der heimische Anbau bereits sehr wassersparend und effizient sei. Beispielsweise läge laut Ökotest der Frischwasserverbrauch bei einem Kilogramm Erdbeeren „in Deutschland nur bei 16 Liter im Vergleich zur spanischen Ware mit 79 Litern.“

Des Weiteren sind die Bauern wohl mit den Kosten nicht nur auf sich selbst gestellt, die Finanzierung der Bewässerung würde jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein. „In Baden-Württemberg beantragen die Landwirte für eigene Brunnen oder für die Entnahme von Wasser aus Flüssen und Seen ein sogenanntes Wasserrecht“, berichtet Rukwied. Dabei gelte es, strenge Auflagen zu beachten und beantragte Wassermengen nicht zu überschreiten. Für die Erteilung des Wasserrechts sei eine Gebühr zu entrichten.

Ganze Felder voller vertrockneter Pflanzen sind Folge der extremen Hitze.

Vereinzelt würden Landwirte ihr Wasser auch vom Wasserversorger beziehen, beispielsweise die Filderbauern. Hierfür sei jedoch ein Entgelt zu bezahlen.

Ernteausfälle durch Dürre: Werden Lebensmittel für Verbraucher jetzt teurer oder sogar Mangelware?

Doch was merkt der Endverbraucher, wenn die Hitze große Auswirkungen auf die Ernte hat? Wie bereits bekannt ist, bildet sich der Preis durch Angebot und Nachfrage. „Verknappt sich das Angebot durch Hitze und Trockenheit, kann der Preis bei Obst und Gemüse steigen“, warnt Rukwied. Dennoch hätten andere Faktoren wie beispielsweise Energiepreise, Lohnkosten oder Logistik- und Verpackungskosten ebenfalls Einfluss auf den Endpreis.

Engpässe in den Supermärkten wie Kaufland und Lidl werden laut Rukwied nicht erwartet und er hofft, „dass der Lebensmitteleinzelhandel verstärkt hochwertige heimische Ware“ anbieten kann. Außerdem betont er: „Lebensmittel und unsere Produkte brauchen einen höheren Preis, damit die Familienbetriebe weiter Qualitätsware aus heimischer Erzeugung anbieten können.“

Rubriklistenbild: © Nicole Mücke

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