US-Wahl 2024

Trump stolpert: Umfragen-Vorsprung in der US-Wahl schwindet

  • VonLisa Mahnke
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Kamala Harris belebt die US-Wahl 2024. Donald Trump verliert in Umfragen an Führung. Seine Kampagne kämpft darum, eine neue Strategie zu implementieren.

Washington, D. C. – Die dramatische Wendung bei der US-Wahl 2024 mit der Nominierung von Kamala Harris bringt die Republikaner zum Zittern. Ihr Vorsprung gegenüber US-Präsident Joe Biden ist weg. Demokratin Kamala Harris hingegen und Republikaner Donald Trump sind in Umfragen Konkurrierende auf Augenhöhe.

Trumps Kampagne ringt derweil um die richtige Strategie, besonders weil ihr Kandidat in letzter Zeit eher seinem eigenen Willen gefolgt ist. Dabei bräuchte es gerade jetzt einen klaren Plan, um gegen die entschlossene Harris-Kampagne anzukommen. Trump attackierte Harris zuletzt vor allem auf persönlicher Ebene und nicht auf politischer, obwohl eigentlich anderes geplant war.

Gerade seine Aussagen bei einem Interview mit der National Association of Black Journalists sorgten für Schlagzeilen. Laut Angaben von Trump-Beratern gegenüber NBC News habe Trump vor dem Interview keinen Plan mitgeteilt. Dazu kommen die vielen Überraschungen, die bezüglich des Vizekandidaten J.D. Vance publik geworden sind und nun das Image der Republikaner weiter nach unten ziehen. Das ärgerte laut einem Kampagnen-Berater auch Trump.

JD Vance ist der Vizepräsidentschaftskandidat, den Donald Trump ernannt hatte.

Umfragen zur US-Wahl 2024: Kamala Harris könnte Donald Trump überholen

„Die Dynamik liegt bei Vizepräsidentin Harris, und wir müssen bis zum Wahltag mit ganzem Herzen arbeiten,“ erklärt der demokratische Abgeordnete Ro Khanna. Harris‘ Eintritt in den Wahlkampf hat die Demokraten neu belebt. In einem Durchschnitt der nationalen Umfragen von der New York Times wurde deutlich, dass Harris Trump fast wieder eingeholt hat, nachdem die Differenz zu dem Republikaner unter Biden deutlich gestiegen war. Eine CBS-News-Umfrage zeigte, dass die beiden Kandidaten in den sieben Top-Swingstates (Michigan, Pennsylvania, Arizona, Wisconsin, Georgia, North Carolina und Nevada) aktuell gleichauf liegen würden.

„Ich sollte Ihnen sagen, dass das alles nur ein Zuckerhoch für Harris ist“, gestand ein republikanischer Stratege NBC News, „aber wir wissen es nicht. Es ist ein so einzigartiger Wahlzyklus.“ Das sogenannte Zuckerhoch beschreibt den häufigen Zugewinn in Umfragen, nachdem größere Entscheidungen in der US-Wahl gefallen sind.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Nun, mit nicht einmal 100 Tagen bis zur US-Wahl 2024, könnte das Zuckerhoch möglicherweise jedoch bis zum Ende anhalten und den Republikanern Schwierigkeiten bereiten. Auch ist möglich, dass Harris sich von selbst weiter profiliert – besonders im Vergleich mit Trump und Vance, bei denen bereits mit weiteren Fettnäpfchen gerechnet wird.

Republikaner suchen klare Strategie für US-Wahl – Trump verpasst durch persönliche Angriffe auf Harris Chancen

Die Republikaner planen weiterhin, Harris‘ frühere politische Positionen anzugreifen und gaben gegenüber NBC News an, dass das „unfreundliche Publikum“ Ursache der persönlichen Angriffe gewesen sei. Laut den Republikanern gebe es genug Spielraum für eine politische Strategie: „Harris war eine amtierende Senatorin mit stundenlangem öffentlichen Filmmaterial, in dem sie zu Thema um Thema extrem linke Positionen einnahm“, erklärt ein republikanischer Stratege.

Dass Trump die politische Strategie bereits ein paar Mal versäumt hatte, sorgte bei den Republikanern für Frust. „Letztlich geht es bei dieser Wahl im Kern um wirtschaftliche Fragen. Jedes Mal, wenn man darüber nicht spricht, verpasst man eine Gelegenheit, unabhängige Wähler zu gewinnen“, sagte der republikanische Meinungsforscher David Winston laut dem Wall Street Journal. „Die Unabhängigen entscheiden immer, wer die Wahlen gewinnt“.

Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht

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Donald Trump und Ivana Trump in den späten 1980er Jahren.
Donald Trump und Marla Maples bei ihrer Hochzeit im Dezember 1993
Donald Trump und Melania Trump gemeinsam in New York
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Das Harris-Team kontert währenddessen schon jetzt fleißig mit Vorwürfen zum Projekt 2025. Laut der Sprecherin Lauren Hitt wolle die Kampagne den Glauben der Vizepräsidentin Harris zeigen, „dass echte Führung bedeutet, alle Seiten zusammenzubringen, um Konsens zu erzielen“. Ein erfrischender Wind, nachdem Trump drei Wahlkämpfe lang gespalten hatte und sich auch Biden für die US-Wahl 2024 immer mehr auf die persönlichen Angriffe eingelassen hatte.

Umfragen aktuell ausgeglichen: Bis zur US-Wahl 2024 ist für Trump und Harris noch alles möglich

Dazu kommt, dass Trump das Thema Alter jetzt einholt. Der republikanische Kandidat wäre beim Amtseintritt nach dieser Wahl älter als es US-Präsident Biden nach der US-Wahl 2020 war. „Harris ist eine stärkere Kandidatin als Biden; sie nimmt das Alter als Thema vom Tisch und kann einen Teleprompter ablesen. Da ist Energie“, sagte ein GOP-Spendensammler NBC News.

Die US-Wahl 2024 könnte letztendlich von einer kleinen Gruppe von Wählern in wenigen Staaten entschieden werden. „Genau wie 2016 und 2020 wird es auf diese 100.000 oder so Stimmen in einer Handvoll Schlüsselstaaten ankommen“, prognostizierte der Spendensammler. „Das ist, was die finalen 100 Tage zeigen werden.“

Beide Kampagnen müssen nun ihre Strategien verfeinern und die entscheidenden Wählergruppen ansprechen, um am Wahltag die Oberhand zu gewinnen. Aktuell ist das Feld in den Umfragen nahezu ausgeglichen, Vorsprünge liegen meist in der Fehlermarge. (lismah)

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