Aus dem Stegreif

TV-Duell vor US-Wahl: Trump trainiert nicht für Harris

  • Paul Luka Schneider
    VonPaul Luka Schneider
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Das bevorstehende TV-Duell vor der US-Wahl 2024 zwischen Kamala Harris und Donald Trump steht bevor. Trump sieht keinen Anlass, sich darauf einzustellen.

Falls Church – Donald Trump verlässt sich vor der US-Wahl 2024 augenscheinlich voll und ganz auf seine rhetorischen Fähigkeiten und spontanen Eingebungen. Am vergangenen Montag (26. August) erklärte er im Rahmen eines Wahlkampf-Besuches im Eden Center in Falls Church vor einer Schar von Reporterinnen und Reportern, dass er sich nicht sonderlich für das erste TV-Duell mit seiner demokratischen Gegnerin um das Präsidentschaftsamt, Kamala Harris, vorbereiten werde.

„Ich kenne es besser als jeder andere“: Donald Trump gibt sich vor TV-Duell zur US-Wahl 2024 optimistisch

Das TV-Duell zwischen Donald Trump und Kamala Harris steigt nach langer Hängepartie am 10. September beim Fernsehsender ABC News. Trump hatte nach der Nominierung von Harris als Ersatz-Kandidatin für den sich aus dem Wahlkampf-Rennen um das Weiße Haus zurückgezogenen Amtsinhaber Joe Biden erst einmal nicht auf ein TV-Duell mit Harris gepocht. Auch äußerte er dann, dass ein TV-Duell mit ihm, wenn dann nur bei Sendern wie Fox News, welcher der republikanischen Partei nahesteht, über die Bühne gehen könne.

Nun gab Trump sich im größten vietnamesischen Handelszentrum an der US-Ostküste im Bundesstaat Virginia gelassen und siegesgewiss vor der TV-Debatte mit Harris. Auf die Frage, wie er sich konkret auf das TV-Duell vorbereite, antwortete der Republikaner: „Das tue ich nicht, wirklich nicht. Ich verbringe nicht viel Zeit damit. Ich glaube, ich habe mich mein ganzes Leben lang auf eine Debatte vorbereitet.“

Donald Trump geht wohl selbstsicher in das erste TV-Duell vor der US-Wahl 2024 mit Kamala Harris. Der Republikaner hat angekündigt, sich nicht wirklich auf die Debatte vorzubereiten. (Foto-Montage)

Sein ganzes Leben und sein Wissen durch seine alltägliche Arbeit eines Politikers sei Vorbereitung genug, befand Trump: „Man kann sich nicht in einer Woche das Wissen von 30 Jahren einprägen. Es gibt ein bisschen Vorbereitung auf die Debatte, aber ich habe es mehr oder weniger immer auf die gleiche Weise gemacht. Man muss sein Thema kennen. Und ich glaube, ich kenne es besser als jeder andere.“

Mahnendes Beispiel vor US-Wahl 2024: Deshalb verzichtet Donald Trump auf Vorbereitung für TV-Duell

Diese Haltung unterstützt derweil auch Trumps Sprecher Steven Cheung und schießt im gleichen Atemzug gegenüber Newsweek gegen Harris: „Wie Präsident Trump sagte, hat er sich sein ganzes Leben lang vorbereitet und interagiert regelmäßig mit der Presse, was eine Form der Vorbereitung ist, etwas, was Genossin Kamala sich weigert zu tun.“

Ein Seitenhieb, der sich auf den Vorwurf der Republikanerinnen und Republikaner stützt, dass Harris nach ihrer Nominierung nur medienwirksame „Wohlfühlauftritte“ im Rahmen von demokratischen Parteiveranstaltungen wahrnehme, anstatt Interviews zu geben.

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Donald Trump und Ivana Trump in den späten 1980er Jahren.
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Donald Trump und Melania Trump gemeinsam in New York
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Trump führte als Beispiel, warum er eine konkrete, intensive Vorbereitung auf das TV-Duell mit Harris vor der US-Wahl 2024 ablehnt, das Jahr 2012 an. Damals bereitete sich der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney akribisch auf die drei TV-Duelle mit dem Demokraten Barack Obama vor. Nachdem er das erste TV-Duell in der Gunst des Publikums noch für sich entscheiden konnte, gingen die anderen zwei eher für Obama aus. Dieser verteidigte schließlich bei der Wahl auch sein US-Präsidentenamt.

„Man kann alle Arten von Sitzungen abhalten. Ich habe Mitt Romney dabei beobachtet, wie er so hart gearbeitet hat. Er hat sich vier Wochen lang in einer Blockhütte eingeschlossen und hatte eine Kiefersperre. Er konnte nicht sprechen“, sagte Trump am Montag (26. August).

Debatte über Mikrofone bei TV-Duell vor US-Wahl 2024: Harris und Trump sind sich wohl einig

Um die Frage, wer, wann und wie beim TV-Duell vor der US-Wahl 2024 sprechen darf, ging es zwischen den Lagern von Kamala Harris und Donald Trump zuletzt auch. Die Frage war, ob beim bevorstehenden TV-Duell die Mikrofone – wie bei der Debatte von Biden und Trump auf CNN – der Zuhörerin beziehungsweise des Zuhörers stumm geschaltet werden sollen, während die jeweils andere Person spricht.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
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Das Wahlkampf-Team von Harris möchte das ändern, wie der leitende Berater Brian Fallon gegenüber Newsweek aufzeigte: „Wir haben ABC und anderen Sendern, die eine mögliche Debatte im Oktober ausrichten möchten, mitgeteilt, dass unserer Meinung nach die Mikrofone beider Kandidaten während der gesamten Übertragung eingeschaltet sein sollten.“

Die Begründung: „Unseres Wissens ziehen Trumps Berater das stumme Mikrofon vor, weil sie nicht glauben, dass ihr Kandidat 90 Minuten lang allein präsidial auftreten kann.“ Trump selbst frohlockte am Montag (26. August) aber: „Wahrscheinlich hätte ich es lieber eingeschaltet.“ Dennoch sei auch ein stumm geschaltetes Mikrofon für ihn in Ordnung.

„Das letzte Mal hat es mir nicht gefallen, aber es hat gut geklappt. Fragen Sie Biden, wie es geklappt hat“, stichelte er. Biden legte Ende Juni einen fahrigen Auftritt im TV-Duell gegen Trump hin. Wohl auch ein Grund, warum er sich von der Kandidatur bei der US-Wahl 2024 zurückzog.

Trump hatte zuletzt noch behauptet, dass Harris das TV-Duell vor der US-Wahl 2024 abgesagt hat. (pls)

Rubriklistenbild: © Montage Imago/ABACAPRESS/UPI Photo