Verluste der russischen Marine

Nur noch U-Boote: Ukraine setzt ein Drittel der russischen Schwarzmeerflotte außer Gefecht

  • VonSarah El Sheimy
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Russland zieht sich mit seinen Schiffen ins Asowsche Meer zurück. Der Grund: Ukrainische Drohnenangriffe dezimieren die Flotte im Schwarzen Meer.

Odessa – Das russische Militär hat nach Angaben der Ukraine beschlossen, seine Schiffe nicht mehr im Schwarzen Meer einzusetzen. Zu verlustreich sei die Konfrontation gewesen, bei der das ukrainische Militär ein Drittel der gegnerischen Schiffe funktionsuntüchtig gemacht haben soll. Damit hält die ukrainische Marine Russland vorerst im Schach und sichert den wichtigen Getreidekorridor.

„In den letzten sechs Monaten bestand ihre Haupttaktik darin, sich in ihren Stützpunkten in Noworossijsk und Sewastopol zu verstecken“, sagte Dmytro Pletenchuk, Sprecher der ukrainischen Marine, der Nachrichtenagentur RBC-Ukraine. Die Zerstörung des Raketenschiffs „Askold“ habe Russland schließlich dazu bewogen, sechs weitere Einheiten von Sewastopol auf der Krim abzuziehen. Seit Beginn der russischen Invasion hat das ukrainische Militär im Ukraine-Krieg laut RBC mehr als 25.000 Quadratkilometer Seegebiet zurückerobert.

Eine Corvette der Schwarzmeerflotte Russlands im Jahr 2021 im Hafen von Sewastopol (Symbolbild).

Nur noch Schiffe im Asowschen Meer – Russland flieht im Ukraine-Krieg vor Drohnen und Raketen

Ihren Stützpunkt habe die russische Marine mittlerweile nach Noworossijsk verlegt, das östlich etwas unterhalb der Straße von Kertsch liegt, die vom Schwarzen ins Asowsche Meer führt. Dort befänden sich acht russische Militärschiffe, so Pletenchuk, mutmaßlich zu Trainingszwecken. Im Schwarzen Meer seien derweil nur noch vier U-Boote, drei davon Marschflugkörper-Träger.

„Vielleicht glauben sie, dass ihre Schiffe dort sicherer sind, da die Straße von Kertsch ein Hindernis für Drohnen darstellt und durch Lastkähne mit Barrieren versperrt ist“, mutmaßte Pletenchuk. Die russische Marine verstecke sich zudem hinter zivilen Schiffen und nutze die Häfen im Asowschen Meer dafür, Waren wie Metall oder Getreide aus den besetzten Gebieten zu transportieren, hauptsächlich über Mariupol.

Getreidekorridor im Schwarzen Meer: Russland greift ukrainische Gewässer im Ukraine-Krieg weiterhin an

Das Abkommen über den Export von Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer hat Russland vergangenes Jahr aufgekündigt. Seitdem führt der sogenannte Getreidekorridor laut RBC nicht mehr von Odessa aus über das offene Meer bis zum Bosporus, sondern größtenteils über die Hoheitsgewässer der Nato-Staaten Rumänien, Bulgarien und Türkei. Diese Gegenden seien für Russland ein Tabu, so Pletenchuk. „Sie können im Fernsehen Drohungen aussprechen, aber sie verstehen sehr gut, dass sie es sich nicht leisten können, in eine direkte Konfrontation mit der Nato zu geraten.“

Zumindest in den ukrainischen Gewässern störe Russland den Betrieb des Korridors aber weiterhin, sagte der Marinesprecher. Das russische Militär habe die Hafeninfrastruktur sowie Schiffe beschossen und versucht, das Gebiet zu verminen. „Die russische Luftfahrt beherrscht den Himmel, aber wir wehren ihre Luftangriffe größtenteils ab.“ Das ukrainische Militär bemühe sich darum, seine Hoheitsgewässer zu sichern.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Ukraine hat ein Drittel von Russlands Flotte lahmgelegt

Die ukrainische Marine gibt an, mittlerweile ein Drittel der russischen Schwarzmeerflotte außer Kraft gesetzt zu haben. Laut RBC hat das Militär mittlerweile insgesamt 28 Schiffe zerstört, darunter etwa das Flaggschiff „Moskwa“, drei von elf „Kalibr“-Raketenträgern und neun von 14 großen Ladungsschiffen. Allerdings hätten auch zahlreiche Schiffe Schäden erlitten, die sich gerade im Einsatz befinden, so Pletenchuk. „Viele der feindlichen Schiffe waren sowohl Drohnen als auch Raketen ausgesetzt. Einige wurden repariert, andere werden noch repariert und einige werden aufgrund schwerer Schäden für längere Zeit außer Betrieb sein.“

Außer den Militärübungen, die Russlands Marine mutmaßlich im Asowschen Meer durchführt, hat die russische Marine auch unmittelbar vor dem Staatsbesuch von Kreml-Chef Wladimir Putin in Nordkorea Übungen im Pazifik gestartet. An dem Manöver seien rund 40 Schiffe und Boote sowie etwa 20 Flugzeuge und Hubschrauber beteiligt, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Dienstag mit. Die Übungen finden demnach bis zum 28. Juni „in den Gewässern des Pazifiks, des Japanischen und des Ochotskischen Meeres“ statt. (ses/AFP)

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