Kreml droht

Ukraine feuert ATACMS-Raketen ab: Angriff auf russische Ziele – Befürchtungen einer Eskalation

Ein Militärflugplatz im südlichen Russland wurde von Kiew mit ATACMS-Raketen, die aus den USA stammen, angegriffen. Vergeltungsmaßnahmen seitens Moskau sind zu erwarten.

Kiew/Moskau – Der Konflikt um den mutmaßlichen ukrainischen Angriff mit von den USA gelieferten ATACMS-Raketen auf Russland spitzt sich weiter zu: „Eine Antwort wird folgen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag (12. Dezember) vor Journalisten. Zuvor hatte Wladimir Putin damit gedroht, seine neue ballistische Hyperschallrakete Oreschnik auf das Zentrum von Kiew abzufeuern, sollte die Ukraine ihre Angriffe auf russisches Territorium nicht einstellen.

Kreml wird „reagieren“: Ukraine greift Militärflugplatz in Russland mit ATACMS-Raketen an

Hintergrund: Russland hatte der Politik in der Ukraine am Mittwoch (11. Dezember) vorgeworfen, sechs ATACMS-Raketen aus US-Produktion bei einem Angriff auf einen Flugplatz in der Hafenstadt Taganrog in der Region Rostow eingesetzt zu haben. Mehrere Soldaten seien durch den Beschuss des Flughafens verletzt worden, die Schäden allerdings gering, teilte das russische Verteidigungsministerium mit.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Vertreter der US-Politik warnten indes, dass Russland mit einer Oreschnik-Rakete Vergeltung üben könnte. Ein solcher Angriff könne „in den kommenden Tagen“ bevorstehen. Fachleute gehen davon aus, dass die neue Oreschnik-Rakete mit zehnfacher Schallgeschwindigkeit fliegen und Ziele in einer Entfernung von bis zu 5500 Kilometern treffen könnte. Sie kann mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden. Nach Einschätzung in US-Regierungskreisen verfügt Russland „zweifellos nur über eine Handvoll dieser experimentellen Raketen“ und könne sie im Ukraine-Krieg nur bedingt einsetzen.

Zum Vergleich: die vom US-Konzern Lockheed Martin hergestellten ATACMS-Raketen haben eine Reichweite von 300 Kilometern. Washington hatte der Ukraine im vergangenen Monat die Erlaubnis erteilt, die ATACMS-Raketen auch im russischen Hinterland einzusetzen.

Daraufhin hatte Russland am 21. November erstmals die neuartige Hyperschallrakete vom Typ Oreschnik auf die Ukraine abgefeuert und die Stadt Dnipro damit angegriffen. Der Kreml bezeichnete dies als Antwort auf zuvor erstmals erfolgte Angriffe der Ukraine auf Ziele in Russland mit US-Raketen des Typs ATACMS wie auch mit britischen Storm-Shadow-Marschflugkörpern.

Lage an der Front: Zahl der Toten nach russischem Raketenangriff in Saporischschja auf neun gestiegen

Die Kämpfe zwischen Russland und der Ukraine gehen indes unvermindert an mehreren Fronten weiter. Nach einem russischen Raketenangriff auf eine Klinik in der südukrainischen Stadt Saporischschja am Dienstag (10. Dezember) ist die Zahl der Todesopfer ukrainischen Angaben zufolge auf neun gestiegen. Ein weiterer Verletzter sei im Krankenhaus gestorben, teilte der Gouverneur der Region, Iwan Fedorow, mit. „Es handelt sich um einen 74-jährigen Mann.“

Nach russischen Angaben wurde ein Flughafen im Süden des Landes mit ATACMS-Raketen beschossen, nun hat Moskau mit Vergeltung gedroht. (Archivbild)

Die Ukraine griff ihrerseits am Mittwochmorgen eigenen Angaben zufolge russische Grenzregionen mit Raketen und Drohnen an. Bei den Angriffen wurden ukrainischen Angaben zufolge eine Industrieanlage beschädigt und ein Feuer in einem Öldepot ausgelöst.

Die Ukraine hatte im August in der russischen Grenzregion Kursk eine überraschende Militäroffensive gestartet und rund tausend Quadratmeter Land besetzt. Die Offensive war jedoch bald ins Stocken geraten und Russland konnte mittlerweile etwa die Hälfte seines Gebietes wieder zurückerobern. Am Mittwoch gab das russische Verteidigungsministerium die Rückeroberung zwei weiterer Ortschaften bekannt. Russische Einheiten hätten „die Siedlungen Darino und Pljochowo befreit“, erklärte das Ministerium (afp/bg/dpa).

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