Drohnen im Ukraine-Krieg

Ukraine intensiviert Angriffe und Verteidigung gegen russische Drohnen

Ein ukrainischer Soldat hält an der Front in der Region Donezk Ausschau nach möglichen russischen Drohnen. (Symbolfoto)
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Ein ukrainischer Soldat hält an der Front in der Region Donezk Ausschau nach möglichen russischen Drohnen. (Symbolfoto)
  • Jekaterina Jalunina
    VonJekaterina Jalunina
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Russland und die Ukraine nutzen gezielt Drohnen, um ihre militärischen Ziele zu verfolgen. Die Ukraine hat nun ihre Drohnen-Taktik verstärkt.

Moskau, Kiew – Im Juli 2024 hat die Ukraine nach Angaben von Forbes einen strategischen Fortschritt erzielt. Und zwar, indem sie mehr Langstrecken-Drohnenangriffe durchführte als Russland. Nach veröffentlichten Daten setzte Russland im vergangenen Monat im Ukraine-Krieg 426 Drohnen des Typs Shahed ein, die Ukraine brachte über 520 Drohnen zum Einsatz.

Diese Entwicklung lässt darauf schließen, dass die ukrainischen Drohnenangriffe zunehmend effektiver werden. Berichten zufolge haben diese Angriffe bereits beträchtliche Schäden an wirtschaftlichen Zielen wie Ölraffinerien angerichtet. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angekündigt, dass die Ukraine ihre Anstrengungen zur Entwicklung und Beschaffung fortschrittlicher Drohnen weiter intensivieren wird.

Shahed-Drohnen von Russland ersetzen Raketen im Ukraine-Krieg

Russland hat in den ersten Monaten des Krieges einen Großteil seiner ballistischen und Marschflugkörper verbraucht.  Der Fokus Russlands liegt zunehmend auf Drohnen, insbesondere auf der im Iran entwickelten Shahed-Serie, die in Russland als Geran bekannt ist. Diese Drohnen sind kostengünstig und einfach herzustellen, mit einem Preis von etwa 20.000 Dollar pro Stück im Vergleich zu über einer Million Dollar für Raketen. Die Shahed-Drohnen werden inzwischen in Russland selbst produziert.

Trotz ihrer geringen Kosten bietet die Shahed-Drohne mit einer Reichweite von bis zu 3000 Kilometer und einem Sprengkopf von etwa 45 Kilogramm beträchtliche Vorteile. Russland feuert häufig Wellen von bis zu 30 Shaheds gleichzeitig ab.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukraine intensiviert Drohnenangriffe: Präzise Angriffe auf Südrussland

Die Ukraine hat ihre Drohnenstrategie ebenfalls verstärkt und eine Vielzahl von Langstrecken-Drohnen entwickelt. Fachleute haben bis zu 22 verschiedene Modelle identifiziert, die von modifizierten Leichtflugzeugen bis hin zu speziell konzipierten Angriffsdrohnen reichen. Die meisten dieser Drohnen sind kostengünstig und funktional gestaltet, um möglichst effektiv zu sein.

Zuletzt führte die ukrainische Armee mehrere präzise Angriffe auf wichtige Ziele in Südrussland durch. Nach Angaben aus Verteidigungskreisen in Kiew wurden ein Militärflugfeld, eine Ölraffinerie und ein Umspannwerk mittels Drohnen angegriffen. Laut Berichten lösten diese Drohnenangriffe Explosionen auf dem Flugfeld Achtjubinsk in der Region Astrachan, an einem Umspannwerk in der Region Rostow sowie in einem Öldepot in der Region Wolgograd aus. Zuvor hatte Russland nächtliche Angriffe gemeldet.

Die ukrainische Quelle gab an, dass der Drohneneinsatz in enger Zusammenarbeit zwischen dem Inlandsgeheimdienst und dem Militärgeheimdienst koordiniert wurde. Weiterhin erklärten die ukrainischen Streitkräfte, dass sie ihre Angriffe auf „russische Militäreinrichtungen, die den Krieg gegen die Ukraine unterstützen“, fortsetzen werden.

Ukrainische Luftwaffe wehrt größten Drohnenangriff seit Monaten ab

In dieser Woche gelang es der ukrainischen Luftwaffe, einen bedeutenden Abwehrerfolg zu erzielen. In der Nacht zu Mittwoch berichteten die ukrainischen Streitkräfte, dass sie einen russischen Angriff abgewehrt haben, bei dem 89 Drohnen und ein Marschflugkörper eingesetzt wurden. Präsident Selenskyj bezeichnete die erfolgreiche Abwehr als ein „wichtiges Ergebnis“. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, ihre Luftabwehr habe „einem massiven Angriff feindlicher Drohnen standgehalten“. Es habe sich um den heftigsten Angriff der vergangenen Monate gehandelt.

Selenskyj lobte den Einsatz der Luftabwehr. „Die Ukrainer können ihren Himmel vollständig vor russischen Angriffen schützen, wenn sie über ausreichend Nachschub verfügen“, erklärte er im Onlinedienst Telegram. Zugleich betonte er, dass die Luftverteidigungsinfrastruktur seines Landes alles andere als unbesiegbar sei. Das gleiche Verteidigungsniveau sei auch „gegen russische Raketen und die Kampfflugzeuge erforderlich“, erklärte Selenskyj. (jal mit dpa)