Munitionsmangel

Pistorius warnt im Ukraine-Krieg: EU verfehlt Munitionsziel deutlich

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Laut Boris Pistorius werden die EU-Pläne für die Lieferung von einer Million Artilleriegeschossen an die Ukraine scheitern – nicht aber die Hilfen der Ampel.

Berlin – Nach Einschätzung von Boris Pistorius (SPD) wird die Europäische Union ihr Ziel verfehlen, Kiew im Ukraine-Krieg bis März 2024 eine Million Artillerie-Geschosse zu liefern. „Die eine Million werden nicht erreicht, davon muss man ausgehen“, sagte der Bundesverteidigungsminister am Dienstag (14. November) bei einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel. Pistorius rief die Rüstungsindustrie auf, ihre Produktion hochzufahren.

Vorsichtiger äußerte sich der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Die Mitgliedsländer hätten aus ihren Armeebeständen „mehr als 300.000“ Geschosse an die Ukraine abgegeben. Weitere Lieferungen könnten nur über eine erhöhte Rüstungsproduktion erfolgen, die wiederum von der finanziellen Lage der EU-Länder und konkreten Verträgen mit der Industrie abhingen. Er rief die Mitgliedstaaten auf, dazu Zahlen auf den Tisch zu legen.

Ein ukrainischer Soldat hält eine Artilleriegranate an der Front: Dem Westen geht aufgrund des Ukraine-Kriegs allmählich die Munition aus. (Symbolfoto)

EU-Rüstungsunternehmen wollen Kapazitäten erhöhen – vor allem Artillerie-Geschosse gefragt

Der EU-Industriekommissar Thierry Breton betonte, die europäische Rüstungsindustrie habe ihre Kapazitäten um 20 bis 30 Prozent erhöht, sodass bis zum Frühjahr eine Million Geschosse produziert werden könnten. „Dieses Ziel wird erreicht“, sagte er. „Nun hängt es von den Mitgliedsländern ab, die Verträge zu schließen.“ Er rief die Staaten nachdrücklich auf, ihrer Verpflichtung gegenüber der Ukraine gerecht zu werden.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die EU hatte im März beschlossen, der Ukraine binnen eines Jahres eine Million Artillerie-Geschosse zur Verfügung zu stellen. Dabei ging es vor allem um das Kaliber 155 Millimeter, den Nato-Standard für die Artillerie. In die mehr als 300.000 gelieferten Geschosse sind nach EU-Angaben allerdings auch andere Kaliber und Raketen eingerechnet.

Ampel will Militärhilfe für Ukraine verdoppeln – „wichtiges Signal“ laut Pistorius

Zuletzt hatte die Nato gewarnt, dass dem Westen die Munition für den Ukraine-Krieg ausgehe – was sich wohl auch an der Front bemerkbar macht.

Dafür hat sich die Ampel-Koalition in Deutschland laut Medienberichten darauf geeinigt, die für 2024 geplante Militärhilfe für die Ukraine zu verdoppeln – und zwar von vier auf acht Milliarden Euro. Pistorius sprach von einem „wichtigen Signal“ an die Ukraine, dass sie „nicht im Stich gelassen“ werde. Er bestätigte die Ampel-Pläne: „Ja, die acht Milliarden können kommen. Ich hoffe, sie kommen.“ (lrg/afp)

Rubriklistenbild: © Anatolii Stepanov/AFP

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