Abwehr russischer Angriffe

Gamechanger an Ukraine-Front? Einsatz von F-16-Kampfjets steht unmittelbar bevor

  • Paula Völkner
    VonPaula Völkner
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Die Lieferung der F-16 Jets ist laut Selenskyj für die Ukraine „lebenswichtig“. Nach der Zusage vor einem Jahr sollen die Jets bald zum Einsatz kommen.

Kiew – Nachdem westliche Staaten der Lieferung von F-16 Kampfjets in die Ukraine vor rund einem Jahr zugestimmt haben, sollen die Jets im Ukraine-Krieg nun bald zum Einsatz kommen. Der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Illia Yevlash, kündigte laut Bericht des Nachrichtenmagazins Newsweek an, dass die Jets nach dem orthodoxen Osterfest am 5. Mai in der Ukraine eingesetzt werden sollen.

Seit die Staaten der „Kampfjet-Koalition“ die Lieferung der Jets an die Ukraine bestätigt hatten, war lange nicht klar, wann die Ukraine mit den Kampfjets rechnen kann. Zuletzt drückten sich Vertreter der USA, Dänemark und Belgien vage aus, wenn es um den Lieferzeitpunkt ging. Fest stand demnach lediglich, dass die Jets noch 2024 die Ukraine erreichen sollten. Noch vor kurzem sagte der Sprecher der Luftwaffe gegenüber dem Sender Ranok, es stehe noch nicht fest, wann die Jets in der Ukraine eintreffen werden. Als nächstmöglichen Termin nannte er Juni 2024.

Ein Kampfflugzeug vom Typ Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon der polnischen Luftwaffe beim Abfeuern von Flares (Archivbild)

Lange Wartezeit auf F-16 Kampfjets: Ukraine, aber auch Russland konnten sich vorbereiten

Im Jahr 2023 hatte sich eine internationale Koalition aus mittlerweile 14 Staaten zusammengeschlossen, die die Jets an die Ukraine liefern wollen und ukrainische Piloten für die F-16 Nutzung schulen. Angeführt wird die „Kampfjet-Koalition“ von Dänemark, den USA und den Niederlanden.

Kritiker warnten, Russland könne die lange Zeit zwischen Ankündigung und Lieferung nutzen, sich auf die Kampfjets vorzubereiten. Aber auch die Ukraine hat Vorbereitungen getroffen. Zum einen stand der früheren Auslieferung die Ausbildung ukrainische Piloten im Weg, zum anderen berichtete ein Vertreter der ukrainischen Luftwaffe vor kurzem davon, dass die Ukraine bereits Vorkehrungen trifft, die Jets vor russischen Angriffen zu schützen. Zuvor hatte Putin bereits angekündigt, die Kampfjets zu zerstören.

Verzögerter Lieferung der F-16 Jets: Selenskyj appelliert an Verbündete und ukrainischer Offizier äußert Kritik

Immer wieder überzieht Russland die Ukraine mit Luftangriffen. Zuletzt stehen unter anderem die Städte Odessa und Charkiw unter Beschuss. Die Rufe nach weiteren Waffenlieferungen werden lauter. In einer Videobotschaft am Montag (29. Mai) appellierte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut an die westlichen Unterstützer. Um die täglichen Angriffe Russlands abzuwehren, „ist die ukrainische Armee auf ausreichende Unterstützung durch ihre Partner angewiesen“, sagte Selenskyj.

Ein hochrangiger ukrainischer Offizier kritisierte im April gegenüber Politico das Timing und die Verzögerungen bei den Waffenlieferungen an die Ukraine. „Oft bekommen wir die Waffensysteme einfach nicht dann, wenn wir sie brauchen – sie kommen, wenn sie nicht mehr relevant sind“, erklärte er demzufolge. Als Beispiel nannte er auch die F-16 Jets. Der „richtige Zeitpunkt“ für die Lieferung der Kampfflugzeuge wäre das Jahr 2023 gewesen, sagte der Offizier.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Zuletzt forderte Selenskyj dennoch die Beschleunigung der Lieferung der F-16 Kampfjets. Die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung und die Lieferung seien „lebenswichtige Aufgaben“, schrieb Selenskyj Berichten der Nachrichtenagentur AFP in Online-Diensten. (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Björn Trotzki