Russland unter Druck

Vor Ankunft der F-16-Kampfjets: Ukraine nimmt Putins Luftabwehr ins Visier

  • VonSimon Schröder
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Die Ukraine erwartet die Ankunft der F-16 Kampfjets. Um deren Einsatz zu sichern, nimmt Kiew Putins Luftabwehr ins Visier und zerstört Russlands Triumf-Systeme.

Kiew – Lang hat die Ukraine auf sie gewartet, nun kommen sie endlich. Es kann sich nur noch um Tage handeln, bis die F-16 Kampfjets in ukrainische Hände übergeben werden. Zur Verstärkung des Luftraums und Kiews Truppen an der Front im Ukraine-Krieg wären sie eine große Hilfe im Kampf gegen den russischen Aggressor.

Im Kampf gegen Russland: F-16-Kampfjets der Ukraine sollen Putins Luftabwehr nicht zum Ofper fallen

Einzige Bedenken: Wie kann der F-16 am Kampfgeschehen teilnehmen und gleichzeitig Wladimir Putins Luftverteidigung umgehen? Denn die neuen Kampfjets sind teuer und sollen nicht gleich zu Beginn Putins Luftabwehr zum Opfer fallen – und der Ukraine dennoch einen Vorteil im Krieg bringen. Um diese Frage zu beantworten, intensiviert die Ukraine ihre Angriffe auf die russische Luftverteidigung, damit die Jets bei ihrer Ankunft auch den nötigen Spielraum haben, um offensiv gegen Russlands Luftwaffe vorgehen zu können.

„Die ukrainischen Streitkräfte könnten versuchen, die russische Luftabwehr aktiv zu schwächen, bevor die Ukraine eine größere Anzahl von Flugzeugen erhält“, befand ein Bericht des „Institute for the Study of War“ (ISW).

Zwei F-16 Fighting Falcon auch genannt „Viper“ der polnischen Luftwaffe.

Ukraine zerstört Luftverteidigung Putins auf der Krim – F-16-Kampfjets im Fokus Russlands

Genau das versucht die ukrainische Armee offenbar auch umzusetzen. Laut Angaben des Kyiv Independent hatte das ukrainische Militär mehrere Luftverteidigungsstützpunkte der Russen auf der Krim angegriffen und zerstört – ein großer Erfolg für Kiew.

Die Luftverteidigung ist nämlich nicht billig. Das moderne Luftverteidigungssystem S-400 Triumf der Russen kostet in etwa 1,2 Milliarden Dollar pro Stück. Und eines dieser Systeme konnte die Ukraine auf der von Russland besetzten Halbinsel zerstören. Weiter sollen außerdem zwei S-300 Systeme getroffen worden sein, wie das ukrainische Militär mitteilte.

„Keine unserer abgefeuerten Raketen wurde von der ‚hochwirksamen‘ Luftabwehr des Feindes abgefangen“, hieß es von Seiten des ukrainischen Generalstabs. Das kommt gerade gelegen. Denn die neuen F-16 Maschinen werden sicherlich ein beliebtes Ziel Putins werden: Zum einen um die ukrainische Luftwaffe wieder zu dezimieren, zum anderen um die vermeintliche Überlegenheit russischer Militärtechnik gegenüber dem Westen zu demonstrieren.

F-16-Kampfflugzeuge für die Ukraine: Wendepunkt im Ukraine-Krieg oder Fußnote?

Und Russland bereit sich auf die F-16 Jets vor, adjustiert Radarsysteme und versucht unterdessen Lücken in der Luftverteidigung zu schließen. Ein Wettlauf gegen die Zeit – für beide Kriegsparteien. Frank Ledwidge, Professor an der Portsmouth Universität für Kriegsstudien teilte Newsweek mit: „(Die F-16 Jets, Anm. d. Red.) werden ein absoluter Magnet für die russische Luftabwehr und Kampfjets“ sein.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Wie groß der Vorteil der F-16 gegenüber Russland tatsächlich sein wird, ist umstritten. So sehen viele Militärexperten in dem Kampfflugzeug nur ein Puzzleteil von vielen, das im Gesamten der Ukraine einen Vorteil im Krieg gegen Russland verschaffen könnte. Nach Einschätzung westlicher Militärs würde die Verstärkung der ukrainischen Luftwaffe durch die F-16 nicht automatisch den Verlauf des Kriegs ändern, wie Reuters zuletzt berichtete.

Des Weiteren hatte sich die Auslieferung der Jets immer wieder nach hinten verzögert, da das Upgrade für die ukrainische Luftwaffe Kiew vor ein logistisches Problem stellt. So sollen einige der Jets unterdessen auf Nato-Stützpunkten gelagert werden. Außerdem mussten die ukrainischen Piloten umfassend in der Benutzung der Flugzeuge geschult werden. (sischr)

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