Westliche Waffen gegen Russland

Ukraine schneidet Russlands Nachschub mit US-Raketen ab – doch größte Hürde steht noch bevor

  • Paula Völkner
    VonPaula Völkner
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Mit Angriffen auf die russische Versorgungslinie zur Krim konnte die Ukraine Erfolge verzeichnen. Jüngst mit US-Waffen. Doch der Kreml hat einen Alternativplan.

Kertsch – Die russische Versorgungslinie zur besetzten Halbinsel Krim steht unter Druck. Bereits im Jahr 2023 haben die ukrainischen Streitkräfte ihre Angriffe im Ukraine-Krieg auf die Versorgungslinie Moskaus intensiviert. Durch die Angriffe sind die Waffenlieferungen auf die Halbinsel für Russland zu einem Risiko geworden.

Zuletzt soll die Ukraine in der Nacht zum Donnerstag (30. Mai) den Fährhafen Kertsch auf der Krim beschossen haben, berichtete Kyiv Independent unter Berufung auf den ukrainischen Generalstab der Streitkräfte. Russland soll die Fährüberfahrt demzufolge „aktiv genutzt“ haben, um im Krieg in der Ukraine russische Truppen auf der besetzten Halbinsel mit Waffen und Luftverteidigungssystemen zu versorgen. Zwei Fähren seien bei dem Angriff „erheblich beschädigt“ worden.

Angriff auf Krim im Ukraine-Krieg: Kiew beschießt russische Versorgungslinie mit ATACMS-Raketen

Bei dem Angriff im Ukraine-Krieg sollen aus den USA gelieferte ATACMS-Raketen zum Einsatz gekommen sein. Das bestätigte der ukrainische Generalstab laut Kyiv Independent. Auch die zurückgelegte Distanz lege den Schluss nah, dass die US-Kurzstreckenrakete vom Typ ATACMS zum Einsatz gekommen ist, schreibt das Forbes Magazin. Die Anlegestelle der Fähre ist etwa 240 Kilometer von der Front entfernt. Dies deute darauf hin, dass die ukrainische Armee M48- oder M57-ATACMS mit einer Reichweite von 270 bzw. 300 Kilometer abgefeuert hat.

Artillerie-Kurzstreckenrakete vom Typ ATACMS (Archivbild)

Kiew greift im Ukraine-Krieg mit ATACMS an: Russlands Transportschiffe und Krim-Brücke unter Beschuss

Der Fährweg über die Meerenge im Schwarzen Meer ist bei weitem nicht die erste Versorgungslinie, die ukrainische Truppen im Ukraine-Krieg ins Visier genommen haben. Bereits zu Beginn der Kämpfe hat die Ukraine mit Raketen, SCALP-Marschflugkörpern sowie explosiven Drohnenbooten die Frachttransportschiffe der russischen Schwarzmeerflotte angegriffen.

Auch die Kertsch-Brücke, die das russische Festland mit der Halbinsel verbindet, wurde Ziel der ukrainischen Angriffe. Russland solle seit dem Angriff auf die Brücke im Sommer 2023 vermehrt den Landweg für Lieferungen nutzen, berichtete die ukrainische OSINT-Agentur (Open Source Intelligence) Molfar.

Kreml baut neuen Eisenbahnabschnitt wegen Ukraine-Krieg: Wichtig für die Versorgung der Krim

Monatelang konnte die Kertsch-Brücke nicht von Russland zur Belieferung ihrer Streitkräfte genutzt werden. Im Sommer 2023 soll Putin mit einem Ausweichplan begonnen haben. Der Kreml soll seither den Bau eines neuen Eisenbahnabschnitts vorantreiben, der bestehende Eisenbahnstrecken in der russisch besetzten Ost- und Südukraine verbinden soll.

Die ukrainische Analysegruppe Frontelligence Insight erklärte gegenüber Forbes, das Team gehe davon aus, „dass diese neue Eisenbahn auch bei einer Zerstörung der Krimbrücke ausreichen würde, um die Region zu versorgen“.

Angriffe im Ukraine-Krieg: Kiew zielt auf Krim – Eisenbahnstrecke könnte zur Herausforderung werden

Bislang sollen ukrainische Angriffe auf die Eisenbahnbrücke, welche die Krim mit dem Rest der Ukraine verbindet, nur geringe Schäden verursacht haben, berichtete Forbes zufolge die ukrainische Analysegruppe. Die ukrainischen Truppen sollen dabei Raketen wie SCALP und Storm Shadow eingesetzt haben.

Die Züge zu treffen, sei ein ebenso schwieriges Unterfangen für die Ukraine. Ob die Truppen mit Angriffen Erfolg haben könnten, hänge unter anderem von der Anzahl der Luftverteidigungssysteme ab, „die Russland bereitzustellen bereit ist, um gefährdete Stellen, insbesondere Brücken, zu schützen“, erklärte Frontelligence Insight.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Krim steht unter russischer Kontrolle, seit Russlands Präsident Wladimir Putin 2014 in die Region einmarschiert ist und die Halbinsel annektiert hat. Die Halbinsel zurückzuerobern, erklärte der ukrainische Präsident Selenskyj bereits mehrfach zu einem der Hauptziele im Ukraine-Krieg. (pav)

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