Waffenhilfe

„Es ist nie zu spät“: Ukraine rechnet weiter mit Taurus-Zusage aus Deutschland

  • Nils Thomas Hinsberger
    VonNils Thomas Hinsberger
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Die Ampel hat die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine abgelehnt. Der ukrainische Vize-Verteidigungsminister hofft trotzdem auf Lieferungen aus Deutschland.

Kiew – Der Vize-Verteidigungsminister der Ukraine, Iwan Hawryliuk, glaubt weiter an eine Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern aus Deutschland. Und das, obwohl sich der Bundestag am Mittwoch (18. Januar) gegen eine solche Lieferung im Ukraine-Krieg ausgesprochen hatte. Im Interview mit dem Tagesspiegel sagte Hawryliuk: „Trotz der negativen Bundestagsabstimmung erwarte ich, dass wir alle nötige Unterstützung erhalten werden – auch den Taurus.“

Die Ampel-Koalition habe sich bei der Abstimmung fast geschlossen gegen eine Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine ausgesprochen. Der Antrag zur Lieferung kam von der CDU/CSU-Fraktion, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. Eigentlich wolle die Ampel-Regierung der Ukraine die Taurus-Systeme liefern – der Unionsantrag sei aber „unanständig“.

Taurus aus Deutschland würde Truppen in der Ukraine unterstützen

„Es ist nie zu spät, Hilfe zu leisten“, sagt Hawryliuk im Interview. Das Waffensystem Taurus würde einen Vorteil auf dem Schlachtfeld bieten, als auch die Luftwaffe „bei der Verteidigung ziviler Infrastruktur“ unterstützen. Dass von einer Wende im Krieg gesprochen werden kann, sei aber noch zu früh.

Ein Marschflugkörper vom Typ Taurus. Die Bundesregierung hatte eine Lieferung an die Ukraine abgelehnt.

Während der Debatte um die Lieferungen aus Deutschland hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine „große Krise für ganz Europa“ angemahnt, sollten sich Militärlieferungen weiter verzögern. Das teilte Selenskyj auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit. Sollte die Ukraine gegen Russland verlieren, würde „ein Krieg zwischen Nato und Russland“ ausbrechen, so Selenskyj.

„Geradezu unanständig“: Antrag auf Taurus-Lieferung an die Ukraine abgelehnt

Eigentlich würden Grüne und FDP darauf drängen, die Taurus-Systeme an die Ukraine zu liefern, berichtet die dpa. Sara Nanni, verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, sprach sich im Interview mit der Deutschen Welle (DW) sogar dafür aus, dass deutsche Waffen für ukrainische Angriffe auf russisches Territorium genutzt werden sollten. Wieso wurde der Antrag nun aber abgelehnt?

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Der Antrag der Union sei mit einer Plenardebatte über den Jahresbericht der Wehrbeauftragten verknüpft worden. FDP-Wehrexpertin Agnes Strack-Zimmermann habe in einer schriftlichen Erklärung, die der dpa vorliegt, angeprangert: „Es ist geradezu unanständig, einen heute zu beratenden Bericht der Wehrbeauftragten, der sich ausschließlich auf die Belange der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr bezieht, mit der Debatte über die zukünftige Unterstützung der Ukraine zu vermischen.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte sich zunächst gegen eine Auslieferung der Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine ausgesprochen. Er habe die Befürchtung, dass aufgrund der hohen Reichweite auch Ziele auf russischen Territorium angegriffen würden. Die Koalitionspartner würden die Haltung des Bundeskanzlers kritisieren. (nhi)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sven Eckelkamp