Nach Verlusten in der Ukraine

Aus den 1940er Jahren: Putin schickt Russland-Soldaten Uralt-Panzer voller Gefahren

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
    schließen

Das Moskau-Regime soll den russischen Soldaten in der Ukraine vermehrt uralte Kampfpanzer senden, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden.

Moskau – Sie sind erheblich: die russischen Panzer-Verluste im Ukraine-Krieg. Täglich zerstören oder erbeuten die ukrainischen Streitkräfte Militär-Gefährte in großer Zahl, die das Moskau-Regime samt Besatzungen in das völkerrechtswidrig überfallene Nachbarland geschickt hat.

Russland hat im Ukraine-Krieg sehr viele Panzer verloren

Ob T-72-Panzer, T-80-Panzer oder T-90-Panzer – wie die Open-Source-Intelligence-Website Oryx schreibt, hat Russland mittlerweile (Stand 17. Juli) im Ukraine-Krieg schon mehr als 3235 Kampfpanzer verloren. Die Verluste unter den Panzersoldaten müssen entsprechend hoch sein.

Und auch wenn die Rüstungsproduktion gerade der T-80 und T-90 auf Hochtouren laufen soll: Manchen Truppenteilen gehen offenbar schlicht die gepanzerten militärischen Fahrzeuge aus. Weswegen Kreml-Autokrat Wladimir Putin seiner Invasionsarmee in der Ukraine jetzt wohl die nächsten Uralt-Panzer aus Sowjet-Beständen geschickt hat.

Hohe Verluste zwingen Putin, Uralt-Panzer in die Ukraine zu schicken

Das soll ein Video belegen, das derzeit unter ukrainischen Militär-Bloggern beim Sozialen Netzwerk X die Runde macht. Die Aufnahmen sollen vom Bahnhof Uzunovo in der Oblast Moskau stammen, der sich rund 120 Kilometer südöstlich der russischen Millionenmetropole (Bevölkerungszahl: rund zwölf Millionen) befindet. Wenn man die Video-Sequenz mit Fotos bei Google vergleicht, sieht es so aus, als ob es sich tatsächlich um genannten Bahnhof handelt. Der Zeitpunkt der Aufnahmen lässt sich dagegen nicht unabhängig verifizieren.

Passend dazu: Wie die Ukrainska Prawda am Mittwoch (17. Juli) schrieb, hat die russische Armee westlichen Beobachten zufolge mittlerweile angeblich rund 30 Prozent ihrer alten fahrtüchtigen Sowjet-Waffen für den Ukraine-Krieg aufbereitet. Die ukrainische Online-Medienseite beruft sich unter anderem auf das britische Magazin The Economist, das seitens der Ministerien in London oft tiefe Einblicke in das Kriegsgeschehen zwischen Charkiw, Donezk und Saporischschja erhält.

Kampfpanzer T-54
Indienststellung:1947
Besatzung:4 (Kommandant, Fahrer, Richtschütze, Ladeschütze)
Hauptbewaffnung:1 × 100-mm-Kanone vom Typ D-10T oder D-10TG
Sekundärbewaffnung:2 × Maschinengewehre 7,62-mm-MG SGMT, 1 × Maschinengewehr 12,7-mm-MG DSchK
Geschwindigkeit:50 km/h
Gewicht:36 Tonnen
Länge / Breite:6,04 m (ohne Kanone) / 3,27 m

Kiew lässt Panzer im Ukraine-Krieg nachrüsten, Moskau sendet altes Gerät

Demnach wird Russland angeblich bei seinem verfügbaren Militärgerät im Jahr 2025 einen „kritischen Punkt der Erschöpfung“ erreicht haben – wegen der immensen Verluste und trotz der Rüstungsproduktion. Unter anderem Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte unlängst von internationalen Beobachtungen erzählt, wonach das imperialistische Moskau-Regime neu gefertigte Waffensysteme und Panzer auf Vorrat einlagern lässt.

Zum Beispiel die T-90-Kampfpanzer, die ursprünglich in den 1990er Jahren konstruiert wurden. Während die Ukrainer etwa ihre Abrams-Panzer nachrüsten, tauchen russische Truppen deshalb immer wieder mit regelrechten Schrottlauben auf dem Schlachtfeld auf – und sind mit diesen oft chancenlos im Gefecht. Auch deswegen steigen die Verluste unter den russischen Soldaten seit Kriegsbeginn (24. Februar 2022) ungebremst.

Putins T-54-Panzer sind regelrechte Fallen für russische Soldaten

Besagter T-54 ist indes eine regelrechte Falle für seine Besatzung, die in der Regel aus einem Kommandanten, einem Fahrer, einem Richtschützen und einem Ladeschützen besteht. Denn: Die T-54-Panzer auf dem Video haben keine zusätzliche reaktive Panzerung an Turm und Wanne, die vor Panzerabwehrgranaten wie der RPG-7 schützen könnte. Zur Erklärung: Bei einer Reaktivpanzerung sollen mit Sprengstoff beschichtete Kacheln Geschosse mittels einen Gegenexplosion ausschalten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Russland setzt Soldaten im Ukraine-Krieg großen Gefahren aus

Air-Burst-Munition mit Schrotthagel oder eingebaute Störsender gegen Kamikaze-Drohnen sind bei solchen uralten Panzern ferner ein reines Wunschszenario. Zudem besteht die Panzerung in der Wanne aus homogenem gewalzten Panzerstahl, was eine völlig überholte Bauweise ist. Die Panzerung ist an der Wannenfront auch nur zehn Zentimeter und an den Turmseiten nur 15 Zentimeter dick. Dass der Kampfraum extrem eng ist, komplettiert die außerordentlich suboptimalen Bedingungen, unter denen Soldaten in solchen Panzern kämpfen müssen.

Ob die abgebildeten T-54-Panzer auf dem direkten Weg an die Front waren, oder als Reserve in dahinter liegende Lager, ist nicht überliefert. Dafür, dass das Putin-Regime sehr wenig für den Schutz seiner Panzersoldaten tut, gibt es mittlerweile schier unzählige Beispiele. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Depositphotos