„Keine besonderen Schutzvorkehrungen“

Kursk-Vorstoß der Ukraine: Atombehörden-Chef warnt vor Gefahr für russisches AKW – „Lage ist ernst“

  • Victoria Krumbeck
    VonVictoria Krumbeck
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Die Gefechte im Ukraine-Krieg finden derzeit auch unweit des Atomkraftwerks in Kursk statt. Der Atombehörden-Chef Grossi warnt vor möglichen Konsequenzen.

Kursk – Die Kämpfe in der russischen Region Kursk gehen weiter. Anfang August drangen ukrainische Streitkräfte in das russische Gebiet ein und kämpften auch in der Nähe des dortigen Atomkraftwerks. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, ist beunruhigt. Bei einem Besuch mitten im Ukraine-Krieg machte er sich am Dienstag (27. August) ein Bild von der Lage. Das Atomkraftwerk sei besonders gefährdet, ein atomarer Zwischenfall könnte drohen.

Ukraine-Offensive in Kursk – IAEA-Chef warnt am AKW: „Lage ist ernst“

Die Kämpfe zwischen der russischen und ukrainischen Armee in so geringem Abstand zu einem AKW dieser Art seien eine „extrem ernste“ Angelegenheit, sagte Grossi am Dienstag nach dem Besuch der Anlage in Kurtschatow. Die Kämpfe zwischen der russischen und ukrainischen Armee finden derzeit nur 50 Kilometer von dem AKW entfernt statt. „Die Lage ist ernst“, schrieb er zudem auf X, nachdem er das AKW besucht hatte.

Der IAEA-Chef Rafael Grossi besuchte am Dienstag (27. August) das AKW in Kurtschatow in der Region Kursk.

Das Atomkraftwerk von Kursk in Kurtschatow liegt rund 60 Kilometer von der russisch-ukrainischen Grenze entfernt am Fluss Sejm. Es verfügt über vier Reaktoranlagen, von denen zwei stillgelegt sind. Alle vier Reaktoren gehören zum gleichen Typ wie im 1986 havarierten ukrainischen AKW Tschernobyl und haben keine Schutz-Kuppel. Dies mache das AKW besonders anfällig für Schäden, sollte es mit Drohnen oder Artillerie angegriffen werden.

IAEA-Chef besichtigt Kursk-AKW im Ukraine-Krieg: „Keine besonderen Schutzvorkehrungen“

Bislang laufe der Betrieb aber beinahe normal, sagte Grossi. Er habe die wichtigsten Objekte besichtigt, darunter die Reaktoren- und Maschinenhallen, die Steuerungseinheit und das Lager für verbrauchte Brennelemente. Nach Angaben der russischen Atomenergie-Holding Rosatom machte sich Grossi auch ein Bild von den Spuren an der Anlage nach mutmaßlichen ukrainischen Angriffen.

Es wäre „übertrieben“, Tschernobyl und Kursk gleichzusetzen, sagte Grossi. „Aber es ist der gleiche Reaktortyp, und es gibt keine besonderen Schutzvorkehrungen“, warnte der IAEA-Chef: „Es ist nicht wie bei anderen Reaktoren in der Welt, wo man die typische Kuppel hat. Das hier ist vollkommen anders, es ist wie jedes x-beliebige Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite – aber mit all dem atomaren Material.“

Atombehörden-Chef warnt vor Gefechten vor AKW in Kursk – Treffen mit Selenskyj

Bereits nach dem Beginn des ukrainischen Vorstoßes in die russische Grenzregion am 6. August hatte Grossi vor den möglichen Auswirkungen der Kämpfe auf das dortige AKW gewarnt und „alle Parteien zu maximaler Zurückhaltung“ aufgerufen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte der ukrainischen Armee in der vergangenen Woche einen versuchten Angriff auf das AKW vorgeworfen. Zudem berichtete Russland, dass zu Beginn der Offensive Trümmer einer abgeschossenen Rakete auf das AKW-Gelände gestürzt seien.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Der IAEA-Chef teilte mit, dass Putin ihn selbst eingeladen habe, das AKW zu besuchen. Es sei wichtig, die Kommunikationskanäle offenzuhalten und die Zusammenarbeit fortzusetzen. Grossi will nach eigenen Angaben auch nach Kiew reisen, um mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu sprechen. Dabei gehe es um das AKW Saporischschja, das russische Truppen besetzt halten, und weitere Nuklearanlagen im Land. Grossi sagte, dass Kiew um eine Ausweitung der IAEA-Präsenz in der Ukraine gebeten habe. Im AKW Saporischschja sind Experten der IAEA im Einsatz. (vk/dpa/afp)

Rubriklistenbild: © RUSSIAN STATE NUCLEAR AGENCY ROSATOM/AFP

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