„Wir sind Kriegsziel Russlands“

Nach vereiteltem Rheinmetall-Attentat: Union hält Scholz für Putin-Abwehr für zu schwach

  • Jens Kiffmeier
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Rheinmetall-Chef im Visier von Russland: Der Attentats-Plan auf Papperger sorgt für Entsetzen. Doch die Union sieht Scholz für die Gegenwehr schlecht gerüstet.

Berlin – Ein Konzern-Boss als Zielscheibe von Russlands Schergen: Das vereitelte Attentat auf Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat in Deutschland große Besorgnis ausgelöst. Dennoch mahnten Vertreter mehrerer Parteien an, sich von dem Vorgehen des Kreml nicht einschüchtern zu lassen und nicht von der aktiven Ukraine-Hilfe abzurücken. Allen voran die Union forderte eine entschiedene Gegenwehr gegen die Machenschaften von Russlands Präsidenten Wladimir Putin ein. Jedoch mischten sich darin auch leise Zweifel an der Entschiedenheit der Bundesregierung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

„Es muss klar werden, dass Russland gezielt unsere deutsche Gesellschaft angreift, wir also Kriegsziel Russlands sind“, sagte CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter auf Anfrage von fr.de von IPPEN.MEDIA und forderte von Scholz mehr Engagement bei der Stärkung der Bundeswehr. „Leider tut der Kanzler das nicht“, fügte Kiesewetter hinzu. Statt tatkräftig für eine effektive Abschreckung zu sorgen, lasse der Regierungschef mit seiner Ampel-Regierung zu viel „Raum für Desinformation und Propaganda“ und schaue der Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger weiter zu.

Geplantes Attentat auf Rheinmetall-Chef Papperger: CNN-Bericht sorgt für Entsetzen in Deutschland

Seit Donnerstag (11. Juli) sorgt das vereitelte Attentat auf Armin Papperger weltweit für Aufsehen. Offenbar aufgrund seines Engagements für die Ukraine scheint der Chef des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall ins Fadenkreuz von Russland geraten zu sein. Das enthüllte ein Bericht des US-Nachrichtensenders CNN. Demnach haben US-Geheimdienste Anfang des Jahres Pläne der russischen Regierung entdeckt, den deutschen Geschäftsführer zu töten.

Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, kommt, begleitet von Personenschützern, zum Tag der deutschen Industrie 2024 des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Die Pläne waren dabei weit fortgeschritten. Informationen des Spiegels zufolge waren insgesamt bis zu fünf Personen identifiziert worden, die sich bereits im Schengen-Raum der Europäischen Union aufgehalten haben und die teilweise auch schon in Düsseldorf in der Nähe der Rheinmetall-Zentrale unterwegs waren. Papperger soll deswegen bereits seit Monaten „massiven Personenschutz“ haben – in ähnlicher Form wie der Bundeskanzler.

Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine: Rüstungsindustrie um Rheinmetall im Visier des Kreml

Papperger gilt als eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Rüstungsindustrie. Einerseits ist sein Unternehmen Rheinmetall mit weitem Abstand die führende nationale Waffenmanufaktur, andererseits unterscheidet er sich deutlich von anderen Rüstungsmanagern: Während seine Branchenkollegen die Medienöffentlichkeit eher scheuen oder nur sporadisch nutzen, sucht der 61-Jährige bewusst immer wieder das Rampenlicht und gibt Interviews – vor allem auch zur Ukraine.

Er betont dabei immer wieder geduldig, wie essenziell Rüstungsgüter zur Verteidigung westlicher Werte sind und dass sein Unternehmen dazu beitragen möchte. Auf die Frage nach seinem größten Erfolg im letzten Geschäftsjahr antwortete Papperger: „Das größte Erfolgserlebnis für mich war, wie stark wir der Ukraine helfen konnten“. Er fügte hinzu: „Diese Menschen kämpfen mit ihrem Blut für die Freiheit Europas.“ Rheinmetall habe der Ukraine „extrem viel“ liefern können, zitiert ihn die Nachrichtenagentur dpa.

Anschlagspläne zu Rheinmetall: Liste mit Waffenlieferungen brachte Papperger ins Fadenkreuz

Die Liste der Rüstungsgüter, die von der Bundesregierung erworben und dann in die Ukraine versandt wurden, ist umfangreich. Sie umfasst Panzer, Flugabwehrkanonen und vor allem die enorm wichtige Artilleriemunition. Im Juni eröffnete Rheinmetall eine Reparaturwerkstatt für Schützenpanzer in der Westukraine. Es ist auch eine lokale Panzerproduktion in dem von Russland angegriffenen Land geplant.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Rheinmetall hat seine Produktionskapazitäten in der Munitionssparte erheblich erweitert und ist der größte Hersteller von Artilleriemunition in der westlichen Welt. Vor dem Ukraine-Krieg wurden jährlich nur 70.000 Schuss im 155-Millimeter-Kaliber produziert, bis 2027 sollen es jedoch 1,1 Millionen sein. Ein großer Teil der aktuellen Produktion wird in die Ukraine geliefert.

Russland weist Attentatspläne an Rheinmetall-Chef Papperger empört zurück

Vor diesem Hintergrund halten viele Beobachter es für wahrscheinlich, dass Rheinmetall für Russland durchaus ein Ärgernis sein könnte. Der Kreml hat die angeblichen Mordpläne an Konzernchef Papperger jedoch abgestritten und als Propaganda zurückgewiesen. Unabhängig überprüfen lässt sich das nicht. Jedoch gab es kaum eine Reaktion in Deutschland, die Russland nicht als Drahtzieher vermutete.

Nach dem Attentatsplan an Rheinmetall wächst die Kritik. Laut union hat Kanzler Olaf Scholz dem russischen Präsidenten Wladimir Putin wenig entgegenzusetzen.

Hilfe im Ukraine-Krieg: Hofreiter und Kiesewetter wollen Rheinmetall-Lieferung aufrechterhalten

„Russland trägt seinen Terror nach Deutschland“, sagte Kiesewetter. Das Ziel dahinter sei klar: Mit einem Attentat auf einen Konzernboss solle die Bevölkerung verunsichert und die Unterstützung für die Ukraine minimiert werden. „Die Signalwirkung von erfolgreichen Attentatsplänen ist klar: Hört auf, die Ukraine zu unterstützen, sonst töten wir Euch. Das ist eine brutale psychologische Wirkung“, sagte der Unionspolitiker.

Ähnliche Töne kamen auch vonseiten der Regierungsfraktionen. „Wir müssen endlich verstehen, dass Russland uns hybrid angreift“, warnte Grünen-Außenpolitiker Anton Hofreiter auf Anfrage von fr.de von IPPEN.MEDIA – und fügte hinzu: „Das Regime Putin will uns einschüchtern. Dass der russische Geheimdienst offenbar versucht hat, den Rheinmetall-Chef zu ermorden, ist eine Machtdemonstration.“ Doch davon dürfe man sich nicht einschüchtern lassen. Hofreiter: „Es kommt jetzt darauf an, das klare Signal an den Kreml zu senden, dass wir dauerhaft an der Seite der Ukraine stehen und die bereits zugesagten Waffenlieferungen schnell in der Ukraine ankommen.“ (jkf/mit dpa)

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