Sonntagsfrage

Neue Umfrage: AfD verliert – Wagenknecht-Partei nimmt weiter zu

  • Laura May
    VonLaura May
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Wären am Sonntag Wahlen in Deutschland, würde Sahra Wagenknecht mit ihrer neuen Partei in den Bundestag einziehen. Die AfD verliert hingegen an Zuspruch.

Berlin – Die deutsche Parteienlandschaft befindet sich in einer Phase der Veränderung. Das neu gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) schafft es in Umfragen aus dem Stand in den Bundestag, die Ampel-Parteien ringen um einen Umgang mit den Bauernprotesten, die sogenannte Alternative für Deutschland (AfD) muss mit Debatten um ein Partei-Verbotsverfahren und landesweiten Massenprotesten leben.

Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) veröffentlichte jetzt ein aktuelles Stimmungsbild. Zwischen 3. und 15. Februar befragte das Meinungsforschungsinstitut 1053 Menschen, wen sie wählen würden, wären am kommenden Sonntag Bundestagswahlen. Das Ergebnis bestätigt den aktuellen Abwärtstrend der AfD.

Alice Weidel, AfD-Parteichefin, spricht auf dem Neujahrsempfang der AfD Duisburg.

AfD verliert in Umfrage im Vergleich zu Januar 1,5 Prozent der Wähler

Während die AfD noch Anfang Januar auf Umfragewerte von 19,5 Prozent kamen, liegen sie im aktuellen Trend noch bei 18 Prozent. Die Rechtspopulisten bleiben aber trotzdem zweitstärkste Kraft hinter der Union (32 Prozent). Die regierenden Ampelparteien schneiden alle drei schlechter ab: SPD 15 Prozent, Grüne 14 Prozent, FDP 6 Prozent, wobei die Grünen im Vergleich zum Vormonat 0,5 Prozent dazugewinnen.

Wenn am Sonntag Bundestagswahlen wären...

CDU/CSU32 %
SPD15 %
FDP6 %
Grüne14 %
Linke3 %
AfD 18 %
Bündnis Sahra Wagenknecht7 %

Wagenknecht und Werteunion: Zwei neue Parteien mischen Deutschland auf

Das im Januar gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht schafft es in den Umfragen auf Anhieb in den Bundestag und käme aktuell auf 7 Prozent – mehr als die FDP. Die Partei will linke Gesellschaftstheorien mit konservativer Migrationspolitik verbinden. Eine erste Zerreißprobe sollen diesen Herbst die Landtagswahlen in Ostdeutschland für das BSW werden.

Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen

Die Partei von Sahra Wagenknecht heißt wie sie. Das ist nur folgerichtig, denn der Name ist erst mal auch das Programm. Nach dem Eintritt in die DDR-Staatspartei SED 1989 war Wagenknecht über Jahrzehnte eines der bekanntesten Gesichter der Folgeparteien PDS und Die Linke. Die studierte Philosophin mit Doktortitel im Fach Wirtschaft ist ein gern gesehener Gast in den diversen Talkshows der TV-Sender. Nach jahrelangem Streit mit der Linken trat die Bestsellerautorin im Oktober 2023  aus und kündigte die Gründung einer eigenen Partei an.
Amira Mohamed Ali hat zusammen mit Sahra Wagenknecht den BSW-Vorsitz inne. Die Rechtsanwältin, die 1980 in Hamburg geboren wurde, ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war sie von November 2019 bis Oktober 2023 zusammen mit Dietmar Bartsch Fraktionsvorsitzende der Linken. 2019 sprach sich die Tochter eines Ägypters und einer Deutschen in einem Interview für offene Grenzen aus und lehnte Abschiebungen grundsätzlich ab. Im Jahr 2023 plädierte sie dafür, die (Wirtschafts-)Migration nach Deutschland zu begrenzen. Zudem sprach sie sich dafür aus, Asylverfahren zu beschleunigen und diese an der Außengrenze oder sogar in Drittstaaten durchzuführen.
Ein Coup ist die Einbindung von Thomas Geisel in das „Bündnis Sahra Wagenknecht“. Am BSW-Gründungstag trat der frühere Oberbürgermeister von Düsseldorf aus der SPD aus. Von seiner Ex-Partei verabschiedete er sich mit den Worten, seine „sozialdemokratischen Grundsätze“ seien im BSW eher vertreten als in der SPD. Sein Wechsel sorgt bei seiner alten Partei für Kopfschütteln. Die NRW-SPD übte jedenfalls massive Kritik am Wechsel zur Wagenknecht-Partei. Geisel habe sich nach seiner Amtszeit verannt, sagte Generalsekretär Frederick Cordes dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Mit seiner Kandidatur stelle er sich selbst ins Abseits und lasse zu, dass auf seine erfolgreiche Amtszeit als Düsseldorfer Oberbürgermeister fortan ein Schatten liegen werde.
Neben Thomas Geisel ist Fabio De Masi einer der beiden BSW-Spitzenkandidat für die Europawahl 2024. De Masi, 1980 in Groß-Gerau geboren, ist das Kind eines italienischen Gewerkschaftsmitglieds und einer deutschen Sprachdozentin. Sein Großvater väterlicherseits war ein Partisan im Piemont, der für die Befreiung Italiens vom Faschismus kämpfte. Von 2005 bis 2014 war der Finanzpolitiker als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag tätig, unter anderem für Sahra Wagenknecht.
Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen

Mit der ebenfalls neu gegründeten Partei „Werteunion“ des umstrittenen Ex-Verfassungsschutzchefs Hans-Georg Maaßen kommt nun noch eine Partei rechts der Union auf die politische Parteibühne Deutschland. Bisher taucht sie in den Umfragen nicht auf, aber das rechtskonservative Bündnis könnte der AfD weitere Stimmen kosten. (Laura May)

Rubriklistenbild: © Christoph Reichwein / dpa

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