US-Wahl

Neue Umfrage spricht deutliche Sprache: Junge Leute wollen Biden statt Trump

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Ein - noch nicht wahlberechtigter - Junge hält in einem Park im New Yorker Stadtteil Bronx am 23. Mai 2024 ein „No Trump“-Schild nach oben.
  • VonBettina Menzel
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Junge Menschen finden beide US-Präsidentschaftskandidaten zu alt – die Mehrheit entscheidet sich dennoch für Biden. Bei Themen wie Klimawandel und Diversität kann der Amtsinhaber punkten.

Washington, D.C. – Junge Menschen tendieren bei der US-Wahl 2024 zum Amtsinhaber Joe Biden – doch es ist kompliziert. Der Krieg in Gaza stellt den US-Präsidenten innenpolitisch vor Herausforderungen. Viele junge Menschen demonstrierten zuletzt an Universitäten in den USA gegen die Israel-Politik der Regierung. Dennoch ist die überwiegende Mehrheit der Jugend weiterhin für Biden, wie eine aktuelle Umfrage von CBS News in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov ergab.

Biden vs. Trump: Alter beider Kandidaten sorgt für Skepsis bei jungen Wählern und Wählerinnen

Ein Großteil der Wahlberechtigten unter 30 Jahren ist der Meinung, die älteren Generationen hätten ihnen eine gefährlichere Welt, weniger Möglichkeiten sowie die Umwelt in einem schlechten Zustand überlassen. Für die Menschen heute ist es aus Sicht der Jugend schwieriger als früher ein Haus zu kaufen, wie 82 Prozent der Befragten angaben. Mit Blick auf den aktuellen Präsidentschaftswahlkampf in den USA haben die jungen Wähler und Wählerinnen das Gefühl, dass beide Kandidaten aufgrund ihres hohen Alters den Bezug zur Realität verloren hätten.

Biden ist mit 81 Jahren der älteste Präsident in der Geschichte der USA. Sein Herausforderer, der frühere US-Präsident Donald Trump, ist mit 78 Jahren nur wenig jünger. Zwar sehen die jungen Menschen laut Umfrage das Alter von Biden kritischer, dennoch sind 26 Prozent der Befragten in der jungen Altersgruppe der Meinung, dass der Demokrat die Bedürfnisse und Sorgen der Jugend besser verstünde. Nur 20 Prozent glauben das von Trump. 48 Prozent der Befragten geben an, keiner der beiden Kandidaten würde junge Menschen verstehen. Unterm Strich entscheiden sich aber laut Befragung 61 Prozent der Wähler und Wählerinnen unter 30 für Joe Biden und nur 38 Prozent für Trump.

Soziale Themen punkten: Biden bei jungen Menschen klar im Vorteil

Warum so viele junge Menschen für Biden stimmen würden, liegt offenbar an den Themen, die ihnen am Herzen liegen. 78 Prozent der befragten Menschen unter 30 gaben an, dass das Thema Wirtschaft für ihre Wahlentscheidung eine Rolle spielt. Inflation nannten 69 Prozent bei der US-Wahl als entscheidend, den Zustand der Demokratie 67 Prozent, Abtreibungsrechte 57 Prozent, den Klimawandel 54 Prozent und Rasse & Diversität 52 Prozent. Bei den Themen Klimawandel, Diversität und Abtreibung kann Biden laut der Umfrage im Vergleich zu Trump bei jungen Menschen besonders punkten.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Der Krieg zwischen Israel und der Hamas fließt indes nur bei 41 Prozent der Befragten in die Wahlentscheidung ein. Angesichts der jüngsten Proteste im Land sind das für Biden wohl gute Nachrichten. Entscheidend wird sein, wie viele der jungen Menschen tatsächlich an die Urnen gehen: Denn nur 59 Prozent der jungen Wähler und Wählerinnen gaben an, auf jeden Fall wählen zu gehen. Zum Vergleich: Bei den über 65-jährigen Befragten sind es 87 Prozent. Entsprechend wichtig ist es für Biden, wenn etwa Top-Stars wie Taylor Swift junge Menschen zum Wählen aufrufen – selbst ohne konkrete Wahlempfehlung für den Demokraten.

Die Jugend hat laut CBS-Umfrage auch eine Vorstellung, wie die Probleme im Land zu lösen wären: Demnach wäre die US-Politik besser, wenn mehr junge Menschen gewählt würden, sagten 67 Prozent der Befragten unter 30 Jahren. Bei den Menschen über 65 Jahren waren nur 51 Prozent dieser Meinung. Zudem glaubt rund die Hälfte aller Befragten, es gäbe in den USA eine bessere Politik, wenn mehr Minderheiten und Frauen gewählt würden. Die Meinungsumfragen zur US-Wahl sind nur Momentaufnahmen, bis zum Tag der Wahl können sich die Einstellungen noch ändern. Auch Meinungsumfragen zuvor, etwa die Harvard Youth Poll, hatten aber ergeben, dass Biden bei der jungen Wählerschaft die Nase vorne hat. (Bettina Menzel)

YouGov befragte im Auftrag von CBS im Zeitraum vom 17. bis 21. Juni 2024 insgesamt 2.460 Menschen in den USA. In der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren wurden 743 Menschen befragt. Die durchschnittliche Fehlerquote für diese Altersgruppe liegt bei +/- 5,2 Punkten. Um diesen Wert können die angegebenen Prozentwerte demnach nach oben oder unten schwanken. Laut Meinungsforschern kann bei Befragungen teils auch soziale Erwünschtheit eine Rolle spielen.