Video zeigt Einschlag

Waffen für die Ukraine: Putins Verluste steigen durch Lenkbombe

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
    schließen

Die russische Armee muss durch die ukrainische Gegenoffensive in Russland selbst empfindliche Verluste verkraften. Wohl auch durch AASM-Lenkbomben.

Kursk - Die Waffen-Lieferungen an Kiew laufen im Ukraine-Krieg offensichtlich ununterbrochen. Aus Deutschland gab es für die Ukrainer diesmal zwar „nur“ Bagger-Radlader.

Waffen für die Ukraine: Kommt AASM-Lenkbombe bei Kursk-Offensive zum Einsatz?

Doch: Frankreich hat den ukrainischen Streitkräften wohl die nächste Charge an AASM-Lenkbomben geliefert, die einem Social-Media-Video zufolge jetzt auch bei der Kursk-Offensive in Russland zum Einsatz kommen. Unter anderem der viel geteilte X-Account „Osinttechnical“ (mehr als 955.000 Follower) veröffentlichte die Bildsequenzen.

Diese sollen belegen, wie eine solche wuchtige und 340 Kilogramm schwere AASM-Bombe in einem Kommandostand der russischen Armee in der Oblast Kursk einschlägt. Ein Einschlag und anschließendes Feuer sind auf dem Video jedenfalls zu sehen, während sich die Angaben sowie der Ort und der Zeitpunkt der abgebildeten Detonation nicht unabhängig überprüfen lassen.

Kursk-Offensive der Ukraine: Genaue Gleitbomben gegen die russische Armee

Die vom französischen Rüstungshersteller Sagem Défense Sécurité produzierte und 2006 bei den französischen Luftstreitkräften erstmals in Dienst gestellte Bombe wird im Militärjargon umgangssprachlich auch als „Hammer“ bezeichnet. Der militärische Vorteil dieser Waffe ist die für Gleitbomben ungewöhnlich hohe Treffergenauigkeit.

Je nach Version hat die „Hammer“ eine Zielortung durch GPS, einen Suchkopf für mit einem Laser markierte Ziele als Ergänzung oder auch noch einen Infrarot-Suchkopf. Dieser vergleicht mithilfe von Bilderkennungs-Algorithmen ein gespeichertes Bild des Zieles mit der abgebildeten Landschaft oder Umgebung beim Zielanflug. Der Streukreisradius der Waffe soll zwischen zehn und einem Meter liegen.

Zwei AASM-Lenkbomben (links unten) unter dem Flügel einer französischen Dassault Rafale B. (Symbolfoto)

Waffen gegen Wladimir Putin: Video soll Bunker-Durchbruch in Kursk zeigen

Was am Video auffällt: Verschiedene ukrainische Militärblogger schreiben, dass die gezeigte AASM-Gleitbombe in der russischen Region Kursk einen Bunker der Russen durchbrochen habe. Dabei gehört die „Hammer“ eigentlich nicht zu den klassischen bunkerbrechenden Waffen wie dem deutschen Marschflugkörper Taurus oder dem britischen Storm Shadow und der französischen Scalp-EG. Dennoch bleiben die Militärblogger bei ihrer Darstellung. Unklar ist bei dem Video, was die Bombe genau durchschlagen hat. Heißt: Ob das Gefechtsgewicht dennoch für den Durchbruch der Oberfläche ausgereicht hat, weil es sich nicht um massiven Beton gehandelt hat.

Die gelenkte Gleitbombe AASM wird in der Theorie ansonsten gegen fahrende Ziele wie Panzerverbände oder gegen feindliche Stellungen in Gebäuden eingesetzt. Ein Beispiel: Wenige Tage nach dem Verlust von Awdijiwka ließen die Ukrainer eine französische Gleitbombe AASM-250 in der ehemaligen Kokerei der Donbass-Stadt einschlagen, in der sie damals - Ende Februar und Anfang März 2024 - einen russischen Unterstand vermuteten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Verluste Russlands im Ukraine-Krieg: Ukrainische Piloten müssen tief fliegen

Interessant ist an dem Video noch, dass der mutmaßliche Anflug eines ukrainischen Kampfjets MiG-29 gezeigt wird. Dieser nähert sich im genannten Beispiel seinem Ziel im Tiefflug, offenbar um dem russischen Radar zu entgehen, weil seine Konturen mit der Landschaft verschmelzen und so durch die elektromagnetischen Wellen des gegnerischen Radars nicht mehr erkennbar sind. Erst dann steigt das Flugzeug für das Entkoppeln der Gleitbombe im Steilflug auf.

Noch eine Erkenntnis: Da die AASM-Bomben in der Regel eine Reichweite von knapp über 50 Kilometer haben und aus hoher Höhe abgeworfen werden müssen, muss der jeweilige Kampfpilot tief in das Kampfgebiet hineinfliegen. Warum in diesem Fall die russische Flugabwehr den ukrainischen Piloten nicht daran hindern konnte, ist nicht bekannt. Überliefert ist dagegen: In den vergangenen Wochen schalteten die Streitkräfte Kiews mehrere Luftabwehrsysteme der russischen Armee in Grenznähe durch gezielte Luftschläge aus. (pm)

Rubriklistenbild: © Screenshot X@Osinttechnical