Panzer, Marschflugkörper, Drohnen

Deutsche „Salami-Taktik“: Welche Waffen Selenskyj vom Nato-Gipfel mit in die Ukraine bringt

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Die Nato bekräftigt auf ihrem Gipfel in Vilnius den dauerhaften Schutz der Ukraine. Wolodymyr Selenskyj bekommt die Zusage für weitere schwere Waffen. Ein Überblick.

München/Vilnius/Kiew – Russland stellt seinen Soldaten im Ukraine-Krieg mittlerweile veraltetes Gerät wie den schweren Mörser „2S4 Tjulpan“ bereit, weil schon viele Panzer, Raketenwerfer und Lastwagen geopfert wurden. Von Menschenleben ganz zu schweigen.

Ukraine-Gegenoffensive: Wolodymyr Selenskyj bringt von Nato-Gipfel „neue“ Waffen mit

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bekam dagegen auf dem Nato-Gipfel im litauischen Vilnius vom transatlantischen Verteidigungsbündnis weitere schwere Waffen und Langstreckenraketen zugesichert, während die Streitkräfte der Ukraine mit der Errichtung eines Brückenkopfes am Ostufer des Dnipro offenbar den nächsten militärischen Erfolg ihrer Gegenoffensive feiern.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) überreichte Selenskyj symbolisch das nächste große Militärpaket Deutschlands im Wert von bis zu 700 Millionen Euro. Darunter sind neue, alte Kampfpanzer. Wer gab was beim Nato-Gipfel? Merkur.de verschafft einen Überblick.

Präsident der Ukraine: Wolodymyr Selenskyj beim Nato-Gipfel im litauischen Vilnius.

Waffen für die Ukraine: 40 weitere Marder sowie 25 Leopard 1A5 aus Deutschland

  • Deutschland: Den Großteil der Militärhilfen stemmt diesmal die Bundesrepublik, die laut Selenskyj hinter den USA längst der zweitgrößte Lieferant von Waffen und anderem militärischen Equipment ist. Konkret bekommt Kiew von Berlin 40 weitere Schützenpanzer vom Typ Marder, 25 einst ausgemusterte Kampfpanzer vom Typ Leopard 1A5 sowie fünf Bergepanzer und zwei weitere Startgeräte für Patriot-Flugabwehrraketen. Hinzukommen 20.000 Schuss Artillerie-Munition und 5.000 Schuss Nebelmunition sowie nicht näher präzisierte Aufklärungsdrohnen.
  • Bei der Lieferung der „Leos“ dürfte es sich um eine Art „Salami-Taktik“ der Bundesregierung handeln. Schon im Februar hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) den Ukrainern bis zu 178 alte Leopard-1A5 aus deutschen Industriebeständen in Aussicht gestellt. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiew, kündigte dann in einem Tweet vom 24. Mai an, dass sein Land 110 Exemplare erhalten werde. Dass bis Sommer davon 25 Stück geliefert werden sollen, hatte Pistorius schon vor Monaten als Zielgröße genannt. Deutschland hatte bereits 18 moderne Kampfpanzer Leopard 2A6 sowie 40 Marder überstellt.

Waffen für die Ukraine: Frankreich liefert Marschflugkörper mit großer Reichweite

  • Frankreich: Rund um den Nato-Gipfel in Vilnius kündigte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron an, dass Paris Marschflugkörper mit einer Reichweite von bis zu 250 Kilometern liefern werde – konkret handelt es sich dabei im Scalp-Raketen. Angesichts der Gegenoffensive wolle man die „Lieferung von Waffen und Ausrüstung“ erhöhen, damit die Ukrainer auch Angriffe auf weitere Distanz durchführen könnten, erklärte Macron in Litauen: „Wir haben entschieden, neue Raketen zu liefern, die der Ukraine Schläge in der Tiefe erlauben.“
  • Großbritannien: Das Vereinigte Königreich wird mehr als 70 zusätzliche Militärfahrzeuge schicken, schreibt das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek. Um welche Fahrzeuge es sich handelt, geht aus dem Bericht nicht hervor. Hinzu kämen Tausende Schuss Munition für die bereits gelieferten 14 Challenger-2-Kampfpanzer. Laut dem Bericht stellt London zudem fast 65 Millionen US-Dollar für die Reparatur von Geräten bereit.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Waffen für die Ukraine: 1000 kleine Aufklärungsdrohnen aus Norwegen

  • Norwegen: Laut Newsweek, hat ferner Oslo der Ukraine 1000 kleine Aufklärungsdrohnen zugesagt, wie demnach der norwegische Verteidigungsminister Bjørn Arild Gram bestätigte. Die kleinen Drohnen vom Typ Black Hornet seien „einfach zu bedienen, je nach Bedingungen robust, schwer zu erkennen und besonders gut für den Kampf in städtischen Gebieten geeignet“, erklärte das norwegische Verteidigungsministerium.

Alle weiteren Entwicklungen zum Ukraine-Krieg verfolgen Sie in diesem News-Ticker. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Beata Zawrzel