Kolumne von Meteorologe Dominik Jung
Extremwetterlage in Deutschland droht: Wetterdienst warnt vor Hitzekuppel
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Der Mai bringt keine Entlastung – Hochdruck dominiert, der Jetstream schwächelt, extreme Hitze droht. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Das Wetter ist zum Stillstand gekommen – und das mitten im Frühling. Während früher Schauer und wechselhafte Lagen für Ausgleich sorgten, wird Deutschland im Mai 2025 von einer selten hartnäckigen Trockenphase heimgesucht. Wie der Wetterdienst wetter.net meldet, reihen sich aktuell Hochdruckgebiete lückenlos aneinander: Riccarda, Simone, Tabea – ein blockierendes Hoch jagt das nächste. Nur im Schwarzwald schaffen es einzelne Gewitterzellen durchzubrechen, der Rest des Landes bleibt niederschlagsfrei. Die großen Wettermodelle, darunter das europäische ECMWF, GFS und ICON, zeigen bis weit in die zweite Monatshälfte keinerlei strukturelle Änderung. Die atmosphärische Blockade ist stabil, die großräumige Wetterzirkulation kollabiert regelrecht – das kann der Auftakt zu einem Dürresommer historischen Ausmaßes sein.
Der Jetstream verliert Kontrolle – und das Wetter friert ein
Der Grund für diese Extremwetterlage liegt tief in der Dynamik unserer Atmosphäre. Verantwortlich ist unter anderem ein geschwächter Jetstream – jenes Starkwindband in rund zehn Kilometern Höhe, das normalerweise Tiefdruckgebiete in schneller Folge über Europa lenkt. Durch die Erwärmung der Arktis schwinden die Temperaturkontraste zwischen Nord und Süd, was den Jetstream langsamer und „mäandernder“ macht. Diese Schlingerkurse führen zur Ausbildung sogenannter Omega-Lagen und Blocking-Patterns, bei denen sich stabile Hochdruckgebiete wie ein Korken über Mitteleuropa legen.
In deren Zentrum entsteht oft eine sogenannte Hitzekuppel – eine sich selbst verstärkende Wärmeglocke, die Niederschläge unterdrückt und sich mit jedem Sonnentag weiter aufheizt. Der Klimawandel wirkt dabei wie ein Brandbeschleuniger: Wärmere Meere, geringere Schneeflächen in Eurasien und veränderte Luftmassenverteilungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit solcher Lagen drastisch.
Dürre, Hitzerekorde, Wasserknappheit – kommt der Kippsommer?
Besonders alarmierend sind die Langfristtrends. Das ECMWF-Modell rechnet für den Sommer 2025 mit einem signifikanten Temperaturanomalie-Cluster über Mitteleuropa – also langfristig zu hohen Temperaturen und zu wenig Niederschlag. Der Mai könnte nur der Prolog zu einem Sommer mit Dürre, Waldbrandgefahr und dramatischer Wasserknappheit sein.
Erste Böden zeigen bereits negatives Bodenfeuchtebilanzverhalten, regionale Wasserversorger melden sinkende Grundwasserstände, Landwirte registrieren Wachstumsstörungen. Die Signale sind da, wir dürfen sie nicht ignorieren. Wenn sich diese Muster weiter stabilisieren, erleben wir einen Kippsommer – einen, der unser Verständnis von Normalität im Klima endgültig ins Wanken bringt.
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