Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Hurrikan Erin rast mit 210 km/h über den Atlantik – Mit möglicherweise drastischen Folgen für Wetter in Europa

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Hurrikan Erin explodiert über dem Atlantik und könnte später sogar Europa extremes Wetter bringen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Der tropische Wirbelsturm Erin hat sich in der Nacht zu einem mächtigen Hurrikan der Kategorie 4 verstärkt. Mit anhaltenden Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 Kilometern pro Stunde fegt er aktuell nordöstlich von Anguilla über den Atlantik. Die äußeren Regenbänder haben bereits die nördlichen Leeward-Inseln erreicht, St. Martin, St. Barthelemy und Sint Maarten stehen unter einer Tropensturmwarnung.

Diese Regionen wird Hurrikan Erin in den nächsten Stunden und Tagen treffen.

Dort drohen in den kommenden Stunden heftige Regenschauer, Überschwemmungen sowie gefährliche Sturmböen. Der Druck im Zentrum des Hurrikans liegt bei nur 955 Hektopascal – ein deutliches Zeichen für die enorme Kraft des Sturms. Meteorologen erwarten sogar, dass sich Erin bald zu einem Kategorie-5-Monster entwickelt.

Erin erreicht Kategorie 4 – bald noch stärker: Regenfluten, Sturmwellen und Lebensgefahr

Besonders gefährlich sind die Wassermassen, die Erin mit sich bringt. Innerhalb kurzer Zeit können zwei bis vier Zoll (rund fünf bis zehn Zentimeter) Regen fallen, lokal sogar bis zu 15 Zentimeter. Das reicht, um in der bergigen Karibik Erdrutsche, Schlammlawinen und Sturzfluten auszulösen. Die Küstenregionen müssen sich auf gewaltige Wellen und lebensgefährliche Strömungen einstellen.

Schon jetzt schlagen meterhohe Wellen an den Stränden der nördlichen Inseln, in den nächsten Tagen werden sie auch Puerto Rico, die Virgin Islands, Hispaniola sowie die Bahamas erfassen. Sogar die Ostküste der USA wird ab Wochenbeginn gefährliche Brandung und Rip Currents zu spüren bekommen. Für Surfer und Urlauber gilt: Lebensgefahr!

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Bedrohung für die USA – und Folgen für Europa

Nach aktuellem Stand wird Erin im Laufe des Wochenendes knapp nördlich an den Karibikinseln vorbeiziehen und dann Kurs auf die US-Ostküste nehmen. Zwar erwarten Experten, dass der Sturm rechtzeitig nach Norden abdreht, doch seine Regen- und Windfelder können trotzdem gewaltige Schäden anrichten. Besonders brisant: Der Hurrikan wird auch das Wetter in Europa beeinflussen.

Durch seine gewaltige Energie schiebt er warme Luftmassen aus Afrika nach Norden. In rund einer Woche könnten dadurch auch in Deutschland noch einmal hochsommerliche Temperaturen auftreten – mit einzelnen heißen Tagen über 30 Grad. Erin zeigt eindrucksvoll, wie ein tropischer Wirbelsturm weit über den Atlantik hinaus Auswirkungen haben kann – von zerstörerischen Regenmassen in der Karibik bis hin zu einer möglichen Spätsommer-Hitzewelle bei uns.

Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA / Miami Hurrikan-Center

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