Wirtschaftsforum in St. Petersburg
Putin beschimpft Selenskyj - „Schande für das jüdische Volk“
VonNail Akkoyunschließen
Auf dem Wirtschaftsforum in seiner Heimatstadt St. Petersburg beschimpft Putin Selenskyj. Vom Publikum erntet der russische Präsident dafür Applaus.
St. Petersburg – Mehrfach, insbesondere zu Beginn des Ukraine-Kriegs, hatte der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj dem russischen Präsidenten Wladimir Putin angeboten, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und zu verhandeln. Es sind Offerten, die heute undenkbar scheinen und schon damals von Putin abgelehnt wurden. Nun hat der Kreml-Chef seine Abneigung gegenüber Selenskyj öffentlich zum Ausdruck gebracht und ihn schwer beleidigt.
„Selenskyj ist kein Jude. Das ist eine Schande für das jüdische Volk“, sagte Putin beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Er bezog sich dabei auf seine „vielen jüdischen Freunde“, die er seit seiner Kindheit haben, die genauso denken würden. Aus dem Publikum, wo unter anderem viele kremltreue Politikerinnen und Politiker sowie die von Russland gestützten Führer mehrerer völkerrechtswidrig annektierter ukrainischer Gebiete saßen, erntete er für diese Aussage Beifall.
Moskau rechtfertigt seinen Krieg gegen das Nachbarland immer wieder mit der Propaganda-Behauptung, man müsse die Ukraine von angeblichen „Neonazis“ befreien. Solche Aussagen sorgen international auch deshalb für großes Entsetzen, weil Selenskyj jüdischer Abstammung ist. Außerdem sind unter den vielen Tausend Opfern russischer Angriffe in der Ukraine nachgewiesenermaßen auch mehrfach Holocaust-Überlebende gewesen.
Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands




Gräueltaten ukrainischer Nationalisten: Russland kramt die alte Propaganda wieder aus
Angesichts von schlimmsten Gräueltaten wie der Ermordung Hunderter Zivilpersonen in Butscha ist darüber hinaus immer wieder von einem russischen „Genozid“ am ukrainischen Volk die Rede. Weiter behauptet die russische Regierung unermüdlich, dass das „Kiewer Regime“ – wie die demokratisch gewählte Regierung der Ukraine in Moskau bezeichnet wird – in Tradition des ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera stehe.
Historikerinnen und Historiker werfen dem 1959 verstorbenen Ukrainer vor, mit den Nationalsozialisten kollaboriert zu haben und mitverantwortlich für die Ermordung von polnischen beziehungsweise jüdischen Menschen zu sein. Der frühere ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, gilt als glühender Verehrer Banderas und weigerte sich im vergangenen Jahr, sich von früheren Aussagen zu distanzieren.
Doch auch wenn das russische Narrativ, demzufolge man die Ukraine „entnazifizieren“ muss, zuletzt ein wenig eingeschlafen war, ließ Putin beim Wirtschaftsforum in seiner Heimatstadt einen mehrminütigen Propaganda-Film zeigen. Zu sehen waren darin ausschließlich Gräueltaten aus dem Zweiten Weltkrieg, die von Bandera-Anhängern verübt worden waren. (nak/dpa)
