Atomares Säbelrasseln

Putin verlegt nukleares Raketen-System an die Grenze zu Nato-Staat

  • VonSimon Schröder
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Moskau hat mehrere Iskander-M Raketensysteme an die finnische Grenze verlegt. Die Abschussvorrichtung könnte auch mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden.

Moskau – Das russische Militär hat das Raketenabschusssystem Iskander-M an die finnische Grenze verlegt. Wladimir Putin will so wohl den neu gegründeten Leningrader Militärdistrikt verstärken. Und das Iskander-System hat es in sich. So ist die Abschussvorrichtung in der Theorie auch in der Lage taktische nuklear Waffen abzufeuern.

In Karelien, einer russischen Grenzregion zu Finnland, soll das ballistische Raketensystem stationiert werden. Mit einer Reichweite von 500 Kilometern können die Raketen zwar nicht tief in ukrainisches oder europäisches Territorium vordringen, dafür ist das System sehr präzise. Bis auf 30 Meter und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 7500 Kilometern pro Stunde kann die ballistische Rakete ihr Ziel anvisieren. Das gefährliche: Das Iskander-M System kann auch mit einem sogenannten taktisch-nuklearen Sprengkopf bestückt werden.

Russlands Präsident Wladimir Putin droht immer wieder mit Atomwaffen.

Duda verurteilt Putins nukleares Säbelrasseln – und will US-Atomraketen für Polen

Der polnische Präsident verurteilte unterdessen die Drohgebärden des Kremls scharf und schlug vor, Polen im Gegenzug auch mit amerikanischen Atomwaffen auszustatten. In einem Interview mit der polnischen Zeitung Fakt sagte Andrej Duda, Polen sei in Gesprächen mit der US-Regierung über die „Atom Teilhabe“. „Sollten unsere Verbündeten beschließen, Atomwaffen im Rahmen der nuklearen Teilhabe auch auf unserem Territorium zu stationieren, um die Sicherheit der Ostflanke der Nato zu stärken, sind wir dazu bereit“, bekräftigte Duda.

Polen kritisiere die zunehmenden Drohungen Russlands bezüglich des Einsatzes von Atomwaffen schon lange, wie Eurasian Times berichtet. Außerdem sieht sich Polen als Grenzland zur Ukraine und dem russischen Verbündeten Belarus zunehmend in Gefahr durch eine russische Eskalation des Kriegsgeschehens in der Ukraine. Erst Ende März ist ein russischer Marschflugkörper in polnischen Luftraum eingedrungen – und das nicht zum ersten Mal. Auch die Stationierung von russischen Atomwaffen in Belarus sei Anlass zur Sorge.

Lukashenko als Verbündeter Putins im Ukraine-Krieg

Bereits im Dezember trafen Russland und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko die Übereinkunft, Weißrussland mit atomaren Waffen auszustatten, um die „verrückten Nachbarn“ abzuschrecken. Vor allem die direkte Bedrohung der nuklearen Waffen in Belarus bekräftige den Entschluss der polnischen Regierung, das eigene Land durch US-Atomwaffen zu schützen, wie Eurasian Times weiter anmerkt.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Das 9K720 Iskander-M System wurde von Russland zum ersten Mal 2008 gegen Georgien eingesetzt und kommt nun vermehrt auch im Ukraine-Krieg zum Zuge. Admiral Wladimir Walujew, ehemaliger Kommandeur der Ostseeflotte, kommentierte die Entscheidung, das System an die finnische Grenze zu verlegen: „Die Aufstellung einer Raketenbrigade ist eine sehr zeitgemäße Entscheidung. Sie ist eine angemessene Reaktion auf den Beitritt Finnlands zur Nato.“ (SiSchr)

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