Heftige Explosion

Geheimnisvolle Ukraine-Drohne verwandelt Putin-Panzer in Feuerball

  • Patrick Mayer
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Bei X geht ein Video viral, das die Zerstörung eines russischen Panzers durch eine ukrainische Drohne zeigt. Die Explosion ist so gewaltig, dass sie Fragen aufwirft.

Donbass – Die Verluste, die Russland wegen des Imperialismus von Kreml-Autokrat Wladimir Putin im Ukraine-Krieg erleidet, steigen unaufhörlich. Nicht zuletzt die ukrainischen Kamikaze-Drohnen setzen der russischen Armee dermaßen zu, dass einzelne Soldaten sogar öffentlich nach Schrotflinten flehen, um die unvorhersehbaren Angreifer aus der Luft irgendwie bekämpfen zu können. Manche der Drohnen der Ukrainer sind sogar in der Lage, ganze Panzer Putins mit einem Mal auszuschalten.

Dies dokumentiert ein weiteres Video bei X (vormals Twitter), das ukrainische Militär-Blogger in den Sozialen Medien teilen (siehe Tweet unten). Es zeigt, wie eine Drohne einen vermeintlich mächtigen russischen Panzer in einem riesigen Feuerball explodieren lässt, obwohl es sich bei dem unbemannten Luftfahrzeug nur um einen wohl verhältnismäßig kleinen Quadrocopter handelt. Die Bilder geben in den Wirren der Gefechte zwischen Charkiw, Donbass und Saporischschja indes mehrere Aufschlüsse.

Verluste Russlands im Ukraine-Krieg: Moskaus Soldaten verlieren viele Panzer

Der Reihe nach: Das Video, das aus Drohnen-Aufnahmen resultiert, zeigt einen in einem zerstörten Dorf abgestellten (mutmaßlich) russischen Panzer. Es handelt sich offenbar um einen T-80- oder gar einen T-90-Kampfpanzer, also ein nicht ganz so altes Modell der Russen auf dem ukrainischen Schlachtfeld. Auch dieser Panzer des Moskau-Regimes hat zwar eine Art Metall-Käfig gegen die Drohnen-Gefahr auf dem Turm montiert.

Trotz dieser Konstruktion gelingt den Ukrainern dennoch der folgenschwere Treffer. Die Drohne kreist dafür in Abstand über dem Panzer und lauert, bis der Drohnen-Pilot am anderen Ende des Monitors offenbar den passenden Anflugwinkel entdeckt hat. Im Sturzflug steuert er oder sie den Quadrocopter in die Stelle zwischen Turm und Wanne des Panzers, wo der Turm gedreht wird.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Verluste durch ukrainische Drohnen: Russische Panzer haben große Schwachstelle

Warum? Weil der ukrainische Drohnen-Pilot oder die -Pilotin wohl exakt das tückisch platzierte Munitionsmagazin des Panzers im Kampfraum anvisiert hat, wodurch der Turm regelrecht von der Wanne gesprengt wird. Wie es schon x-Mal in den Kämpfen zwischen beiden Armeen zu beobachten war. Denn: Genau diese Stelle gilt als große Schwachstelle der russischen und ukrainischen Kampfpanzer aus einstmals sowjetischer Rüstungsproduktion.

So verursacht wohl nicht die abgebildete Drohne mit ihrer überschaubaren RGP-Sprengladung die immense Explosion, sondern die entzündeten Granaten der 125-mm-Glattrohrkanone im Inneren des Panzers. Auch in diesem Fall wird der Turm heftig von der Wanne bugsiert. Besagte russische Panzer haben für gewöhnlich Hohlladungsgranaten und/oder KE-Pfeilgeschosse, womit entweder andere Panzer oder gemauerte Gebäude angegriffen werden können. In diesem Beispiel werden sie aber vielmehr zum Verhängnis.

Verluste der russischen Armee: Panzer werden zu regelrechten Fallen für Soldaten

Es ist kein Einzelfall: Die hochgradig riskante und regelrecht heimtückische Lagerung der Munition samt des Ladekarussells in unmittelbarer Nähe von Panzerfahrer und -kommandant hat die Verluste im Ukraine-Krieg erheblich steigen lassen – auf beiden Seiten. Wie das britische Verteidigungsministerium, das den Kriegsverlauf genau beobachtet, Ende April erklärt hatte, sollen die Russen seit ihrem völkerrechtswidrigen Überfall auf das westliche Nachbarland bereits 3000 Kampfpanzer verloren haben.

Nicht nur sie, auch viele Besatzungsmitglieder blieben auf den blutigen Schlachtfeldern zurück. Laut der Open-Source-Intelligence-Website Oryx, die militärische Verluste anhand von Fotos und Kartenmaterial dokumentiert, hatten die ukrainischen Streitkräfte dagegen bis zum 20. April insgesamt 796 Panzer eingebüßt. Und auch sie mussten wohl den Verlust von etlichen getöteten Soldaten in den Panzern betrauern, während der Kampf um die Souveränität ihres angegriffenen Landes – zum Beispiel mit der Riesen-Artillerie-Kanone 2S7 Pion – unvermindert weitergeht. (pm)

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