Nato-Beitritt von Schweden

Nato-Gipfel erschüttert das Bündnis zwischen Türkei und Russland

  • Erkan Pehlivan
    VonErkan Pehlivan
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Die Zustimmung der Türkei zum Nato-Beitritt Schwedens verstört Russland. Doch Ankara und Moskau bleiben in Kontakt.

Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat beim Auftakt des Nato-Gipfels in Vilnius seine Zustimmung für den Beitritt Schwedens in das westliche Verteidigungsbündnis gegeben. Dadurch scheint sich das Verhältnis zwischen Russland und der Türkei allerdings nicht verschlechtert zu haben. Das hat verschiedene Gründe.

„Russland war bereits vorbereitet, dass Schweden am Ende doch noch in die Nato aufgenommen wird. Und Russland weiß, dass die Türkei das alleine nicht hätte verhindern können“, erzählt der Moskauer Politikwissenschaftler Dr. Kerim Has im Gespräch mit unserer Redaktion. Man könne nicht den gesamten Block gegen sich bringen. Erdogan habe den Prozess lediglich hinausgezögert.

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Russland von Türkei wirtschaftlich abhängig

Auch aus wirtschaftlicher Sicht gäbe es Abhängigkeiten, die schwer wiegen. „Russland braucht die Türkei. Westliche Waren bekommen die Russen jetzt über die Türkei. Zu groß ist die wirtschaftliche Abhängigkeit“, so Has. Der Wissenschaftler glaubt nicht daran, dass dies zu einer Krise zwischen beiden Staaten führen wird. Gerade in den vergangenen anderthalb Jahre sei die wirtschaftliche Abhängigkeit zur Türkei stark angestiegen.

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, und Wladimir Putin, Präsident von Russland, unterhalten sich bei einem Treffen im Bundeskanzleramt vor Beginn der Libyen-Konferenz 2020.

Azow-Regiment nicht mehr für Russland relevant

Auch die Zustimmung, dass mehrere Offiziere des Asow-Regiments wieder in die Ukraine zurückkehren dürfen, werde laut dem Experten nichts daran ändern: „Hatte Russland vorher immer wieder über Kämpfe mit dem Asow-Batallion gesprochen, so ist das seit dem Beginn des Ukraine-Krieges anders. Jetzt kämpft Russland gegen das gesamte ukrainische Militär.“ Für Russland gäbe es seither keinen Unterschied mehr zwischen dem regulären ukrainischen Militär und dem Asow-Bataillion, erzählt der Russland-Experte. Das Asow-Regiment musste sich im Mai 2022 in Mariupol den russischen Belagerern ergeben.

Anders sieht es dagegen Arif Asalioglu, Direktor des „Mirnas International Institute“ in Moskau, im Gespräch mit FR.de von IPPEN.MEDIA: „In Bezug auf die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine überraschte Erdoğans Erklärung, dass das Land Mitglied der NATO sein sollte, Moskau. Denn der Kreml hatte eine solche Aussage nicht erwartet.“

Auch die Entsendung der Asow-Kommandeure im Flugzeug des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sei ein Schock gewesen. „Beide Angelegenheiten lösten sowohl in der russischen Presse als auch in offiziellen Erklärungen scharfe Reaktionen aus“, so Asalioglu. Vor allem aber sei die Ostsee durch die jüngste Entscheidung von Erdogan zu einem Nato-Meer geworden. Nur Russland sei als einziger Anrainer kein Mitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses. (erpe)

Rubriklistenbild: © Alexei Nikolsky/dpa