Vorfälle häufen sich

Ekel-Szenen in Heilbronn: Das unternimmt die Stadt gegen Fäkalsünder

Der vermüllte Platz an der Stuttgarter Straße in Heilbronn und ein Wildpinkler.
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Der Platz an der Stuttgarter Straße in Heilbronn lädt die Trinkerszene nicht nur zum Vermüllen, sondern auch zum Wildpinkeln ein.
  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
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Die Hemmschwellen sinken und illegale Müllentsorger sowie Fäkalsünder aus der Trinkerszene machen der Stadt Heilbronn vermehrt zu schaffen.

Es ist eine kleine, Schatten spendende Oase direkt an einer der Hauptverkehrsachsen der Stadt Heilbronn. Die von Nadelbäumen „überdachte“ Ecke mit zwei Sitzbänken hinter der Bushaltestelle „Stuttgarter Brücke“ ist durch das dichte Grün von der Stuttgarter Straße kaum einsehbar. Ihren Charme entfaltet sie nur auf Trollingerstraßen-Seite. Doch der Ort der kurzen Rast verkommt – wie auch andere öffentliche Plätze – immer mehr zur Müllhalde. Und zu einem Klo. Seitdem sie ihn für sich entdeckt haben.

Sie, das sind Personen, die der Trinker- und Bettlerszene zugerechnet werden. Weil sie dort abends zechen und unbeeindruckt von Passanten auch ganz offen ihre kleinen und großen Geschäfte verrichten, gleicht der einst so gemütliche Platz in den Morgenstunden oft einer Halde aus Müll und Fäkalien. Aber das ist längst nicht alles in Heilbronn. Die Szene schläft ihren Rausch in Bankvorräumen aus, in denen es dann frühmorgens nach einer Mischung aus Schweiß, Urin, Alkohol und Erbrochenem müffelt.

StadtHeilbronn
StadtteileBiberach, Böckingen, Frankenbach, Horkheim, Kirchhausen, Klingenberg, Neckargartach, Sontheim
Fläche99,88 Quadratkilometer
Einwohner130.870 (31. Dezember 2022)
OberbürgermeisterHarry Mergel

Stadt Heilbronn kämpft gegen zunehmende Zahl von Müll- und Fäkalsündern

Erst kürzlich hat sich ein Mann aus dieser Szene am helllichten Tag im Innenhof eines Unternehmens erleichtert, ein anderer morgens seinen Stuhlgang direkt an der Scheibe eines Geschäftshauses in der Innenstadt von Heilbronn hinterlassen. Es scheint, als sinke die Hemmschwelle immer tiefer. Und zwar bei sämtlicher Art von Verschmutzung, wie ein aktueller Müllentsorgungseklat mitten in der City von Heilbronn bestätigt. Deshalb setzt die Stadt jetzt sogar Überwachungskameras gegen Müllsünder ein.

Obwohl die Stadt Heilbronn für die Trinkerszene schon vor Jahren einen Container am Eisstadion aufgestellt hat und der laut Michael Schwihel, Leiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) „von Teilen gut angenommen“ wird, dienen weiterhin auch andere Orte als Treffpunkte. Beispielsweise der Stadtgarten, der Friedensplatz, der Alte Friedhof, der Bereich an der Rosenbergbrücke oder aber der Platz an der Stuttgarter Straße. Allen Orten ist eins gemein: die schnelle Möglichkeit, Alkohol besorgen zu können.

KOD der Stadt Heilbronn: Wildpinkeln kostet Fäkalsünder 70 Euro Bußgeld

Was passiert, wenn der KOD eine Person beim Wildpinkeln oder Verrichten des großen Geschäfts im öffentlichen Raum auf frischer Tat ertappt? Michael Schwihel erklärt: „Es werden unverzüglich die Personalien der betroffenen Person erhoben, und es wird Anzeige erstattet.“ Der KOD-Leiter weist darauf hin, dass die Regelgeldbuße für Urinieren 70 Euro beträgt – und: „In diesem Jahr hat die städtische Bußgeldstelle bislang 14 entsprechende Bußgeldverfahren eingeleitet.“ Wenn Anwohner Fäkalsünder bemerken, haben sie folgende Möglichkeiten:

  • Zu den städtischen Kontaktzeiten den Ekel-Verstoß dem KOD melden
  • Außerhalb dieser Zeiten das zuständige Polizeirevier informieren

KOD-Leiter Michael Schwihel betont, dass die Ordnungskräfte – im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten – „schnellstmöglich einschreiten werden“, ergänzt aber sogleich: „Verstöße wie das Wildpinkeln lassen sich auf diesem Weg jedoch regelmäßig nicht ahnden, da die Störung beim Eintreffen der Streife bereits beendet ist.“ Bei der Verrichtung der Notdurft könnte ein Einsatz (je nach Stuhlgang) erfolgversprechender sein.

Hilft gegen Fäkalsünder ein Grünrückschnitt an bestimmten Plätzen?

Ziel der Freiflächenplanung des Heilbronner Grünflächenamts ist es, „Räume offen und flexibel für vielerlei Aneignungen zu gestalten“. Diese Offenheit soll das subjektive Sicherheitsgefühl und die Sozialkontrolle im öffentlichen Raum ermöglichen. Grünflächenamtsleiter Oliver Toellner sagt zwar, dass „die Pflege unserer Vegetationsbestände dauernde Aufgabe“ sei, der Rückschnitt von zugewachsenen Bereichen jedoch vorwiegend im Winterhalbjahr erfolge.