Motorraum als beliebter Rückzugsort
Marder richten bei E-Autos enormen Schaden an: Kosten zehnmal höher als bei Verbrennern
VonJulia Cuprakowaschließen
Im Herbst lohnt sich ein regelmäßiger Blick unter die Motorhaube: Es könnte ein Marderschaden vorliegen. Die Tiere knabbern gerne Schläuche und Kabel an – immer häufiger auch bei Elektroautos. Das kann richtig teuer werden.
Mit dem Herbst beginnt die nasse und kalte Jahreszeit. Darauf sollten Autofahrer gut vorbereitet sein. Die Winterreifen müssen rechtzeitig gewechselt werden, sonst droht ein saftiges Bußgeld, wie echo24.de bereits berichtete. Außerdem sollten Autofahrer auf eine funktionierende und ausreichende Beleuchtung achten, um zum Beispiel Wildunfälle zu vermeiden. Denn: Im oft regnerischen und trüben Herbst steigt die Gefahr von Wildunfällen wieder an.
Aber nicht nur Wildtiere sind ein Problem für Autofahrer. Auch Marder können erhebliche Schäden verursachen, da sie gerne in den noch warmen Motorraum kriechen und Schläuche und Kabel durchbeißen. Immer häufiger werden auch Elektroautos von Mardern heimgesucht. Die Reparaturkosten für ein Elektroauto können bei einem Marderschaden bis zu zehnmal höher sein als bei einem Verbrenner.
Marder verursachen erhebliche Kosten – Schäden an Elektroautos können besonders hoch sein
Wenn plötzlich eine Warnlampe leuchtet – besondere Vorsicht ist geboten, wenn die „Öllampe“ brennt – oder der Motor nicht mehr anspringt, kann das die Folge eines Marderbisses sein. Zwar werden laut „ADAC“ die meisten Marderschäden in den Monaten April bis Juli gemeldet, doch Marder sind das ganze Jahr über aktiv und gerade im Herbst sind warme Motorräume ein beliebter Unterschlupf für die Tiere.
Laut „ADAC“ verursachten Marder im Jahr 2020 rund 217.000 Schäden an kaskoversicherten Autos und damit erhebliche Kosten in Höhe von 90 Millionen Euro – Tendenz steigend. Besonders hoch können die Schäden an Elektroautos sein, wie auch „tagesschau.de“ berichtet.
Marderschäden an Elektroautos – Kosten zehnmal höher als bei Verbrennern
Bei Elektrofahrzeugen sei häufig der „aufwendig isolierte Hauptkabelstrang angefressen“, erklärt ein Kfz-Meister in der Tagesschau. Das Problem: Hochvolttechnik darf nicht repariert werden. Das heißt: Der komplette Kabelstrang, Ladestecker zur E-Maschine, Gleichrichter bis zur Batterie, die im Unterboden sitzt, muss ausgetauscht werden. Auch wenn der Kabelstrang nur an einer kleinen Stelle angeknabbert ist.
Der Austausch ist teuer. Für den Kabelstrang sind laut Kfz-Meister rund 2500 Euro fällig. Der Einbau kostet noch einmal rund 1000 Euro, weil „diverse Diagnose- und Prüfschritte“ durchgeführt werden müssen. Damit sind die Gesamtkosten des Marderschadens etwa zehnmal so hoch wie der durchschnittliche Schaden bei Marderbissen an Verbrennungsmotoren.
Hohe Kosten nach Marderschaden am Elektroauto – steigen bald die Versicherungsprämien?
Autofahrer mit einer Voll- oder Teilkaskoversicherung haben Glück, denn in den meisten Fällen wird der Schaden von der Versicherung übernommen. Doch wie lange hält dieses Glück noch an? Denn mittelfristig rechnet der Geschäftsführer des saarländischen Kfz-Verbandes und der Kfz-Innung damit, dass es für die Versicherten teurer wird.
Der Grund: Derzeit machen sich die Schäden an E-Autos noch nicht in der Gesamtmasse bemerkbar, weil die E-Autos den Markt noch nicht durchdrungen haben. Das könnte sich aber in den nächsten Jahren ändern. „Dann werden natürlich die Schadenssummen für die Kfz-Versicherer steigen und in der Folge ganz sicher auch die Versicherungsprämien.“
Das ist weder im Interesse der Versicherten noch der Versicherer, deshalb geht der Geschäftsführer des saarländischen Kfz-Verbandes davon aus, dass es langfristig technische Lösungen geben wird. Zum Beispiel noch stabilere Kabel. Die Versicherungsbranche werde die Hersteller drängen, eine Lösung zu finden.
Rubriklistenbild: © F. Hecker/Imago

