Studie der ETH Zürich
Noch viel heißere Sommer drohen: Klimamodelle beachten wichtigen Parameter nicht
VonAdrian Kilbschließen
Sinkende Luftverschmutzung könnte laut einer Studie in Deutschland zu heißeren Sommern führen. Wetterdienste hätten diesen Parameter bisher fatal vernachlässigt.
Mitte Juni gibt es in weiten Teilen Deutschland noch kein konstantes Badewetter. Zum Auftakt der Fußball-EM 2024 am Freitag tut sich in Baden-Württemberg „die Sonne noch sehr schwer“ – das Public Viewing im Raum Heilbronn droht sogar ins Wasser zu fallen. Kommende Woche zeichnet sich dann ein komplett gegenteiliges Bild ab: Warme Luftmassen steuern auf den Südwesten zu. Vor allem an einem Tag müssen sich die Menschen im Ländle auf „drückende Schwüle“ einstellen.
Das könnte allerdings erst der Vorbote für das sein, was uns über die Sommermonate in Deutschland erwartet. Der Grund dafür ist, dass die sinkende Luftverschmutzung regional zu einer stärkeren Sonneneinstrahlung führen könnte. Die Folge wäre mehr Hitze im Sommer durch saubere Luft.
Sinkende Luftverschmutzung – Sommer in Baden-Württemberg könnten heißer werden
„Wenn Wettermodelle die Veränderungen der Luftverschmutzung nicht berücksichtigen, werden sie die Intensität künftiger Hitzewellen noch stärker unterschätzen als die mittlere Sommererwärmung“, wird Dominik Schumacher von der Eidgenössische Technischen Hochschule (ETH) Zürich von der britischen Fachzeitschrift „New Scientist“ zitiert. Das könnte zum Problem werden – viele europäische Länder richten ihre Zukunftsplanung stark nach diesen Simulationen aus. Ein neuer Parameter könnte alles gehörig durcheinander bringen.
Laut den Forschern der ZTH Zürich haben regionale Klimamodelle die tatsächliche Erwärmung im Durchschnitt um mehr als ein Grad Celsius unterschätzt. Veränderungen in den Luftzirkulationsmustern, die mehr Wärme in bestimmte Regionen brachten, seien nicht berücksichtigt worden.
Forscher aus den USA: Sauberer werdende Luft führt zu verstärkter Erwärmung
„Der Hauptgrund dafür, dass diese regionalen Klimamodelle diese vom Menschen verursachte Erwärmung nicht reproduzieren konnten, liegt darin, dass die meisten von einer konstanten Luftverschmutzung ausgehen“, sagt Schumacher. Zusammen mit seinem Forscherteam hat er analysiert, dass die Sommer in Europa um das Jahr 2100 herum im Durchschnitt zwei Grad wärmer sein könnten als dieser Tage.
Auch Forscher aus Baltimore kamen zum Ergebnis, dass sauberer werdende Luft zu einer verstärkten Erderwärmung führen könnte.
Mit einer neuen Verordnung für den Schiffsverkehr seien bestimmte Schwefeldioxid-Emissionen deutlich gesunken und die Wolkentröpfchendichte erheblich zurückgegangen. In der Folge hätten sich die Meereswolken verdunkelt, die dadurch weniger Sonnenstrahlung ins All zurück reflektierten. Durch diese Reaktionskette habe sich die Erderwärmung vorübergehend beschleunigt.
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