Schwächelnder Jetstream
Gewitter und Starkregen bis Ende Juli: Turbulenter Sommer bleibt uns erhalten
VonMichaela Ebertschließen
Trotz einiger Hitzetage bleibt der Sommer in Deutschland unbeständig. Gewitter und Regen könnten bis zum Juli-Ende dominieren. Woran liegt das?
Zu nass, zu kalt, zu unbeständig – in den vergangenen Monaten kam in Deutschland und Baden-Württemberg eher selten echtes Sommerfeeling auf. Zwar brachte der Juli-Anfang bereits einige Hitzetage, doch der Mini-Sommer endet nach wenigen Tagen auch schnell wieder mit einem großen Knall und fallenden Temperaturen.
Immer wieder wurden in den vergangenen Wochen und Monaten zum Teil heftige Unwetterwarnungen ausgesprochen. Statt Freibad-Spaß und Grill-Party sorgten Gewitterwolken für abgesagte Public Viewings oder Festivals im Matsch. Hoffnung auf einen Wetterwechsel, der den „richtigen“ Sommer bringt, gibt es vorerst wohl kaum.
Unwetter über Heilbronn: Überflutete Straßen und Einsätze in der Region




Regnerischer Sommer 2024: Schwächelnder Jetstream teils für anhaltende Unwetterlage verantwortlich
Denn die labile, unbeständige Großwetterlage könnte sich durch den gesamten Juli ziehen, meint Martin Puchegger, Meteorologe für das Wetterportal „wetter.com“. Bis zur Monatsmitte bleibt Tiefdruckgebiet „Frieder“ weiterhin am Drücker. Gerade im Süden Deutschlands muss laut Puchegger daher mit zahlreichen Schauern und Gewittern gerechnet werden.
Ausschlaggebend für die Wetterentwicklung in den kommenden Wochen ist aber auch die Entwicklung des Jetstreams. Ersten Erkenntnissen von Meteorologen zufolge schwächelt dieser aufgrund des Klimawandels immer häufiger. Die Hoch- und Tiefdruckgebiet ziehen deshalb nicht mehr so schnell ab.
ARD-Meteorologe Andreas Wagner erklärt dazu: „Früher sind die Tiefs schnell von West nach Ost gezogen. Da gab es kurze regnerische Wetterphasen. Wegen der gestörten Westwindzirkulation haben wir jetzt aber entweder längere feuchte Regenphasen oder länger anhaltende Dürre und Hitzeperioden.“
Tief- und Hochdruckgebiete sorgen für gefährliche Wettermischung: Warum es bis zum Juli-Ende öfter kracht
Die derzeitige Wetterlage wird jedoch noch bis zum August-Beginn von feucht-kühler Atlantikluft bestimmt. Zwei Tiefdruckgebiete, die sich zwischen dem 13. und dem 20. Juli über die Nordsee-Küste Frankreichs sowie die Nordküste Portugals schieben, sorgen für die hohe Luftfeuchtigkeit mit Starkregen-Potential.
- Starkregen: Regensummen von 15 bis 25 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde
- Heftiger Starrkregen: von 25 bis 40 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde
- Extrem heftiger Starkregen: über 40 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde
Zusammen mit der Wechselwirkung der aufgeheizten Luft, die durch das Hochdruckgebiet über Südosteuropa nach Deutschland geschoben werden, sorgt dies für die anhaltende, instabile Wetterlage. Sowohl das europäische Wettermodell als auch das amerikanische sagen laut Puchegger daher wenig Veränderung in der gewittrigen Wetterlage bis zum Augustbeginn voraus.
Unwetter, Starkregen und Gewitter bis zum Monatsende: So sieht die Prognose bis August aus
Der Juli könnte demzufolge durchwachsen bleiben. Den ersten Hochrechnungen des Wetterportals „wetter.com“ könnte der Sommermonat somit folgendermaßen aussehen:
| Juli-Woche | Wetterlage |
| 8. bis 14. | Unwetter- und Starkregen-Gefahr |
| 15. bis 21. | Gewitter möglich, Westströmung schiebt kühle Atlantikluft nach Deutschland und Baden-Württemberg |
| 22. bis 28. | weiterhin schauerhaft mit Gewitter-Potential |
| ab dem 29. | wohl keine Wetterberuhigung in Sicht |
Dass sich das Wetter durch den Klimawandel in Deutschland stark verändern könnte, hatte auch Meteorologe Jörg Kachelmann bereits im vergangenen Jahr vorausgesagt: „Eine wärmere Welt wird in der Summe eine nassere Welt sein. Wir werden öfter mit zu viel als mit zu wenig Wasser zu tun haben. Eine Jahrhundertflut wie das Hochwasser an der Ahr wird häufiger vorkommen.“
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