Meteorologe hält dagegen
Heftiger Wintereinbruch? Wettermodell kündigt Polarwirbel-Split an
VonMichaela Ebertschließen
Der Polarwirbel könnte am Ende des Winters kollabieren. Ein solcher „Polarwirbel-Split“ sorgt in der Regel für einen heftigen Kälteeinbruch in Deutschland. Doch wird es wirklich so weit kommen?
Die eisige Kälte im hohen Norden wird durch den Polarwirbel gebändigt. Das riesige Luftdrucksystem bildet sich in den Wintermonaten über den polaren Regionen der Erde. Doch gerade zum Ende der Jahreszeit wird es immer wahrscheinlicher, dass der Höhensturm kollabiert. Wetter-Experten sprechen dann von einem sogenannten „Polarwirbel-Split“, der drastische Folgen für Deutschland haben könnte. Oftmals sorgt ein solcher Zusammenbruch für einen späten, aber durchaus heftigen Wintereinbruch. Ein Wettermodell hatte dieses Szenario kürzlich angekündigt. Doch wird es so weit kommen?
Polarwirbel-Split bringt eisige Luftmassen nach Deutschland – aber kommt es so weit?
Wetter-Experte und Diplom-Meteorologe Dominik Jung glaubt jedenfalls nicht daran. „Mit einem echten Winter, wie wir ihn uns vorstellen, wird das nichts mehr. Längere Dauerfrostphasen oder Schneedecken bis in tiefe Lagen – daran glaube ich in diesem Winter nicht mehr“, sagt er in einem Bericht der HNA.
Das GFS-Modell des amerikanischen Wetterdienstes hatte den Polarwirbelspalt zuletzt mehrfach angedeutet. In der Theorie könnte der totale Zusammenbruch des Polarwirbels dazu führen, dass die polare Kaltluft bis in die südlicheren Regionen, wie Europa und Nordamerika abstürzt. Dabei handelt es sich jedoch um ein hochkomplexes und eher seltenes Phänomen, wie das Wetterportal wetter.de schreibt.
Kein Märzwinter in Sicht: Früher Sommer-Beginn erwartet
Dass es in diesem Winter nicht mehr so weit kommt, liest Jung auch aus den Berechnungen der anderen Wettermodelle. Gegen die Prognose des GFS-Modells halten nämlich die Vorhersagen vom europäischen ECMWF-Modell oder das kanadische GEM-Modell. Und Jung ist sich auch sicher: Würde der Polarwirbel wirklich schwächeln, heißt das noch lange nicht, dass die polaren Luftmassen auch Deutschland treffen. Sie könnten sich stattdessen auch auf dem nordamerikanischen Kontinent entladen.
Betrachtet man zudem die Langfrist-Prognosen für die kommenden Monate, müssen Winterfans stark bleiben. Denn von einem sogenannten Märzwinter, einem späten Wintereinbruch, ist nach derzeitigem Stand eher nicht auszugehen. Vielmehr könnte der erste Monat in der neuen Jahreszeit für echte Frühlingsgefühle sorgen. Generell können sich die Menschen in Baden-Württemberg auf einen frühen Sommer-Beginn einstellen.
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