Ist das die Wende zum Guten?
Heilbronner Falken wie Phönix aus der Asche
VonMarc Thorwartlschließen
Wundersame Auferstehung im letzten Drittel gegen die Lausitzer Füchse.
Sie waren komplett am Boden. Drei Gegentore in 150 Sekunden, ein fast aussichtsloser Rückstand von 2:5 nach zwei Dritteln. Doch was dann in der DEL2-Partie der Heilbronner Falken gegen die Lausitzer Füchse am Sonntag in den letzten 20 Minuten passierte, ist mit Worten einfach nicht zu erklären.
40 Minuten lang war die Truppe von Trainer Alexander Mellitzer immer einen Schritt zu langsam, kam mit dem Forechecking der Gäste überhaupt nicht zurecht und fand kaum ein Mittel gegen die kompakte Füchse-Abwehr. Den Pässen fehlte die Genauigkeit, hinzu kamen unverständliche Entscheidungen der Referees.
Heilbronner Falken plötzlich dominant
"Ich habe immer an das Team geglaubt und die richtigen Worte an es in der Pause gerichtet", erklärte Mellitzer auf der folgenden Pressekonferenz. Was genau er seinen Jungs sagte, wollte er nicht preisgeben. Es ist aber anzunehmen, dass es im Kabinentrakt ziemlich laut wurde.
Auf jeden Fall war die Truppe im letzten Drittel nicht wiederzuerkennen. Aggressiv am Mann, zielstrebig nach vorne und immer den schnellen Abschluss suchend zwangen sie den Füchsen ihr Spiel auf. Die Sachsen wurden förmlich in der eigenen Abwehrzone eingeschnürt. 17:5 lautete die Schuss-Statistik im letzten Drittel.
Falken-Stürmer Brad Ross trifft
Die wundersame Wandlung ist wohl am besten an Stürmer Kevin Lavallée festzumachen. Zwei Drittel lang klappte bei dem Deutsch-Kanadier so gut wie gar nichts. Das Tor zum 2:5 legte er den Gästen quasi auf die Kelle. Im letzten Abschnitt war er dann omnipräsent - und in der Verlängerung der Schütze des Siegtores, indem er einen Alleingang eiskalt verwandelte.
Aber auch andere Falken feierten in den 20 Minuten ihre Auferstehung. Lange Zeit laborierte Brad Ross an einer Fußverletzung. Seine Offensivqualitäten? Eher bescheiden. Doch dann schnappte er sich in der 57. Minute - die Lausitzer hatten soeben zum 4:6 getroffen - die Scheibe, zog einen Sololauf an und vernaschte den gegnerischen Keeper zum Anschlusstreffer.
Die Leidenszeit für Richi Gelke ist vorbei
Gleiches gelang auch Richi Gelke. Der Stürmer, der vergangene Saison bis zu seiner schweren Gehirnerschütterung wohl seine beste Spielzeit im Heilbronner Dress absolvierte, kam bisher nur schwer in Tritt. Teilweise musste er auf ungewohnter Verteidigerposition aushelfen, im Sturm hatte er ständig wechselnde Nebenleute. Doch gegen Weißwasser kam der "alte" Gelke zum Vorschein. Er führte seine Reihe als Center und sorgte mit seinem klasse Solo für das 2:1.
Eine richtige Leistungs-Explosion zeigte Verteidiger Brock Maschmeyer. Auch er machte nach überstandener Verletzung seinen ersten Treffer im Falken-Trikot. Zudem bereitete er zwei weitere Tore vor - wobei er mit einem langen Pass auf Lavallée das Siegtor in die Wege leitete.
Wochenende der Wahrheit für die Heilbronner Falken
"Endlich haben auch Stürmer getroffen, die bisher nicht so in Erscheinung traten", sagte Mellitzer. Das war bisher das größte Problem bei den Unterländern. Die gegnerischen Reihen mussten sich eigentlich nur auf Roope Ranta und Justin Kirsch konzentrieren. Wurden zu diesen beiden Akteuren die Passwege zugemacht, kam kaum Torgefahr auf.
Wenn jetzt auch die anderen Stürmer wieder Torgefahr ausstrahlen, dann sind die Falken nur schwer auszurechnen. Ob die Wende zum Guten - nach zuvor vier Niederlagen in Folge - jetzt wirklich gekommen ist, wird sich am kommenden Wochenende zeigen. Denn dann treten sie in Bad Nauheim an und treffen daheim auf Freiburg. Wenn sie im Kampf um die Playoffs mitwirken wollen, dann sind das direkte Konkurrenten, die es zu schlagen gilt.
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