Discounter reduziert Fleisch-Angebot

Gängige Lebensmittel aus dem Sortiment: Aldi verbannt Produkte

  • Juliane Reyle
    VonJuliane Reyle
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Umstellung für Aldi-Kunden: Unter Umständen müssen sie sich von ihren Lieblings-Wurst- und Fleischprodukten verabschieden. Doch die Änderung hat auch etwas Gutes.

Nach immer wiederkehrenden Diskussionen und Debatten zur Haltungsform von Nutztieren, ändert Aldi jetzt das Verkaufs-Konzept. Sämtliche Produkte werden aus dem Sortiment genommen werden. Davon werden vor allem Fleisch- und Wurstwaren-Liebhaber etwas merken. Denn einige dieser Produkte werden bald aus den Regalen des Discounters verschwinden.

Aldi will nun auch bei seinen gekühlten Fleisch- und Wurstwaren bis 2030 komplett auf die Haltungsformen 3 und 4 umstellen. Das gibt der Discounter in einer Pressemitteilung bekannt. Fast die Hälfte des jährlichen Fleischkonsums entfalle bereits auf diese Fleisch- und Wurstwaren, erklärt Aldi zur Begründung.

Änderungs-Prozess des Fleisch- und Wurstsortiments bis 2030

Das Sortiment wird jedoch nicht schlagartig, sondern nach und nach geändert werden. Das Unternehmen hat einen Stufenplan angelegt und möchte bis 2025 nach und nach vollständig auf Ware der Haltungsform eins verzichten. Haltungsstufe eins bedeutet nämlich „Stallhaltung“ und entspricht gerade mal den Mindeststandards in der Tierhaltung.

HaltungsformPlatzHaltungBeschäftigung
10,75 m2 pro TierStallhaltungKette mit Holzstück
20,824 m2 pro TierStallhaltungStroh
31,05 m2 pro Tiermind. OffenfrontstallStroh
41,5 m2 pro TierStallhaltung mit Auslauf oder FreilandhaltungStroh oder andere Substrate

Bis 2026 sollen bei Aldi dann ein Drittel aller Fleisch- und Wurstwaren aus der Haltungsform drei und vier stammen. Bis 2030 möchte das Unternehmen sogar ausschließlich Fleischware, die aus den Haltungsformen drei und vier stammt, im Verkauf anbieten.

Umstellung von Frischfleischprodukten seit 2021

Bei Frischfleisch-Produkten hat Aldi die Umstellung bereits 2021 begonnen. Auch bei diesen Produkten soll die stufenweise Umstellung auf die höheren Haltungsformen bis 2030 abgeschlossen sein.

Für Discounter, bei denen ein günstiger Preis eine große Rolle spielt, ist die Umstellung auf Haltungsformen drei und vier ein großer Fortschritt. Die Haltungsformen bedeuten „Außenklima“ und „Premium“, sie bieten den Tieren mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie Zugang zu frischer Luft. Auch besseres Futter ist für diese Haltungsformen vorgesehen.

Haltungsformen drei und vier gaukeln besseres Leben der Tiere vor

Dennoch erntet Aldi Kritik: Die Verbraucherorganisation kritisierte bereits 2021 in einer Stellungnahme den Discounter und sieht in den vier Haltungsformen Augenwischerei: „Aldi gaukelt den Menschen vor, mit dem Kauf von Produkten der Haltungsstufen 3 und 4 das Leben der Tiere nachhaltig verbessern zu können.“

Dem sei jedoch nicht so, die Haltungsformen drei und vier ändert nichts am „Elend der Tiere“, wie auch Foodwatch kritisiert. „Millionen Nutztiere leiden massiv unter Krankheiten, Verletzungen und Schmerzen“, erklärte die Verbraucherorganisation und sieht grundlegenden Handlungsbedarf in der Massentierhaltung.

Insgesamt scheinen sich Supermärkte sowie Discounter zunehmend mit Themen wie Nachhaltigkeit und Tierschutz zu beschäftigen. Kaufland unterstützte Kunden beispielsweise im Veganuary und ändert seine Lieferkette, um die Umwelt noch besser zu schützen. Dennoch stehen einige Discounter immer wieder in den Schlagzeilen: Zum Beispiel durch Tierquälerei bei ihren Lieferanten.

Rubriklistenbild: © Collage echo24.de; Fotos: dpa/ Daniel Kubirski und echo24.de/ Olaf Kubasik