Ohne Bargeld
Kommt der digitale Euro? Was Verbraucher über die Bezahlmethode wissen müssen
VonMelissa Sperberschließen
Mit einem digitalen Euro könnte es zukünftig eine weitere Möglichkeit geben, ohne Bargeld zu bezahlen. Doch was bedeutet das für Verbraucher?
Bezahlen ganz ohne Bargeld? Mit EC- oder Kreditkarten ist das bereits seit Jahren möglich und gehört für viele zum Alltag. Doch in Zukunft könnte es noch eine weitere Möglichkeit geben: den digitalen Euro. Seit Jahren tüfteln die Währungshüter im Euroraum daran.
Noch ist nicht entschieden, ob und wann eine digitale Variante der europäischen Gemeinschaftswährung eingeführt wird. Doch welche Auswirkungen hätte ein digitaler Euro auf Verbraucher? Und: Würde Bargeld damit abgeschafft werden? „Ein digitaler Euro würde das Bargeld ergänzen, es aber nicht ersetzen“, versichert die Europäische Zentralbank (EZB).
„Der digitale Euro wäre eine elektronische Form von Bargeld für die digitalisierte Welt. Mit ihm hätten Verbraucherinnen und Verbraucher die Möglichkeit, neben Banknoten und Münzen auch eine digitale Form von Zentralbankgeld zu nutzen.“ Nach dem Willen der EU-Kommission soll der digitale Euro zusätzlich zu Schein und Münze gesetzliches Zahlungsmittel werden, wie die „Deutsche Presse-Agentur“ erklärt.
Bezahlen mit digitalem Euro – kein Ersatz für Bargeld
Die Behörde in Brüssel will sogar per Gesetz sicherstellen, dass Bargeld in der Europäischen Union weiterhin breit akzeptiert wird und Verbraucher flächendeckend Zugang dazu haben. „Um den Status des Bargelds als gesetzliches Zahlungsmittel in der Praxis zu erhalten, muss der leichte Zugang zu Euro-Bargeld gewährleistet sein, denn wenn die Bürger keinen Zugang zu Bargeld haben, können sie nicht damit bezahlen, und der Status als gesetzliches Zahlungsmittel wird untergraben“, heißt es in einem Ende Juni 2023 vorgelegten Gesetzesvorschlag der EU-Kommission. Verbraucher sollen frei entscheiden können, ob sie bar oder unbar bezahlen.
Überwachung durch digitalen Euro möglich? Anonymität nur mit Bargeld möglich
Doch werden Verbraucher, die digital zahlen, überwacht? Klar ist: Vollkommen anonym bleibt nur, wer mit Bargeld zahlt. Die Bundesbank schreibt schon in ihrem Monatsbericht April 2021, „vollständige Anonymität von Zahlungen ohne jegliche digitale Spuren“ lasse sich „mit digitalem Geld nicht darstellen“. Das gilt allerdings auch für andere elektronische Formen des Bezahlens.
Beim digitalen Euro könnten wie bei anderen digitalen Bezahlvorgängen umfassende Informationen über einzelne Geschäftsaktivitäten gesammelt werden. Die Entwickler bemühen sich um Datenschutz und Wahrung der finanziellen Privatsphäre, wie Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz, der in das Projekt eingebunden ist, versicherte.
Digitaler Euro als bargeldlose Bezahlmöglichkeit
Ein Gerücht, dass sich rund um den digitalen Euro hält: Jeder Bürger muss dafür ein Konto bei der EZB haben. Das ist jedoch schlichtweg falsch. Die Finanzindustrie soll eine Schlüsselrolle spielen, wie Bundesbank-Vorstand Balz klarstellte. „Das Eurosystem wird keine Geschäftsbank für die Bürgerinnen und Bürger Europas. Das Eurosystem würde den digitalen Euro zwar ausgeben, aber nicht selbst an die Endnutzer verteilen“, sagte Balz in einer Rede Ende November in Berlin.
„Beaufsichtigte Intermediäre sollen in ihrer gewohnten Rolle an der Schnittstelle zum Kunden agieren.“ Damit sind zum Beispiel Banken gemeint. Diese könnten den digitalen Euro wie Bargeld von den Notenbanken beziehen, Verbraucher bekämen ihn dann in einer digitalen Geldbörse, einer sogenannten Wallet zur Verfügung gestellt.
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