Tageslichtprojektoren

9 Dinge, die Deutschland digitalisieren sollte, bevor es an den digitalen Euro geht

  • Jana Stäbener
    VonJana Stäbener
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Die EU-Kommission will den digitalen Euro – also eine virtuelle Version der Gemeinschaftswährung. Deutschland würde das wohl überfordern.

Wenn es nach der EU-Kommission geht, sollen Verbraucher in Europa bald nicht nur mit Euro-Münzen und -scheinen, sondern auch mit einem digitalen Euro bezahlen können. So soll eine „weithin akzeptierte, kostengünstige, sichere und widerstandsfähige“ digitale Version der Gemeinschaftswährung geschaffen werden. Dies geht aus einem am Mittwoch, 28. Juni 2023, vorgestellten Gesetzesvorschlag der Brüsseler Behörde hervor.

Mit dem Vorschlag wird der Rechtsrahmen für den digitalen Euro geschaffen – ob und wann er ausgegeben wird, entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB). Der digitale Euro soll nach dem Willen der Kommission wie eine digitale Geldbörse funktionieren. Bürger und Unternehmen sollen ihn kostenfrei sowohl für Online- als auch für Offline-Zahlungen nutzen können – also, auch wenn keine Internetverbindung besteht, wie etwa in entlegenen Gebieten oder Tiefgaragen.

Digitaler Euro: 9 Dinge, die zuerst digitalisiert werden müssen

Wenn der digitale Euro sogar ohne Internet funktioniert, dürfte er im „hoch-digitalisierten“ (Achtung Ironie) Deutschland ja zum Glück gut ankommen. Andererseits fragt man sich, ob solch eine Version des bargeldlosen Bezahlens, auf das viele nicht verzichten könnten, in Deutschland nicht Perlen vor die Säue wäre.

Schließlich gibt es hier auch ohne virtuelle Währung einige Baustellen, bei denen die Digitalisierung ruhig zuerst dran sein könnte. In deutschen Schulen beispielsweise.

Hier neun Dinge, die Deutschland digitalisieren sollte, bevor es sich an den digitalen Euro der EU wagt:

1. Das Buchungssystem der Deutschen Bahn:

2. Einfach mal überhaupt Kartenzahlung anbieten?!

3. Das Bafög-Amt:

Studierende, die auf Bafög angewiesen sind, können seit September 2021 online ihren Erstantrag stellen. Viele von denen, die das getan haben, mussten jedoch monatelang auf ihr Geld warten, berichtete funk. Der Grund dafür: Die Anträge werden zur Bearbeitung in den Bafög-Ämtern der Studierendenwerke ausgedruckt.

Das Drucken nehme so einen enormen Aufwand ein, dass dafür eigenes Personal eingestellt worden sei, teilte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Matthias Anbuhl, gegenüber funk mit. BuzzFeed News sammelte hier elf herzzerreißende Tweets von Studierenden, die monatelang auf ihr Bafög warten.

4. Und alle anderen Ämter gleich mit dazu:

4. Dokumente für mögliche Impfpflichten:

Denn daran hapert es ja angeblich, stellten die Krankenkassen im März 2022 fest. Sie gaben bekannt, dass sie nicht genug Papier für die Umsetzung einer Corona-Impfpflicht hätten, über die damals diskutiert wurde. Mit genialen Memes werden die Krankenkassen im Netz für diesen #Papiermangel verspottet.

5. Deutsche Schulen:

Auch Tageslichtprojektoren sollen noch nicht ausgestorben sein, hört man.

Hier fünf Dinge an Schulen, die genauso sanierungsbedürftig sind wie bayrische Turnhallen

6. Die Buchungs-Website beim deutsch-französischen Freundschaftspass:

Danke für nichts.

Zur Feier des 60. Jahrestages der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags, konnten sich junge Menschen bis 27 den Deutsch-Französischen Freundschaftspass holen, also ein Gratis-Ticket, mit dem man von Juli bis Dezember 2023 kostenfrei nach Frankreich fahren kann.

Einen Haken hatte die Sache aber: Die Seite, über die man sich nach dem First-come-first-serve-Prinzip anmelden konnte, war nämlich schon nach kurzer Zeit komplett überlastet. Deswegen haben wir hier 15 Tweets zu den Gratis-Bahntickets nach Frankreich gesammelt, wenn die Seite bei dir auch gerade hängt.

7. Das ganze Netz:

Die Digitalisierung und der Ausbau des Mobilfunknetzes in Deutschland schreitet im Vergleich zu anderen Ländern eher schleppend voran, was man auch am schlechten Internet in den Zügen der Deutschen Bahn immer wieder spürt. Wer in den eigenen vier Wänden nicht schnell genug streamen kann, muss sich etwas einfallen lassen. Manche fordern das ganze Haus auf, einfach nicht mehr ins Internet zu gehen – so wie ein Nachbar, der per Zettel fordert, sich deswegen beim Streaming abzuwechseln.

8. Deutsche Vereine, die Links auf Papier drucken:

Der Stand der Digitalisierung in Duetschland
by u/Cr4yz33 in de

9. Die Mitteilungsblätter deutscher Kleinstädte:

Die kennt doch jeder, oder? Zumindest für den Verein (siehe oben) bestimmt Nummer eins unter den Kommunikationsmitteln. Digital geht anders.

Mehr über das „kompetente Deutschland“: Sieben Produkte, bei denen Deutschland ohne das Ausland aufgeschmissen wäre

(Mit Material der dpa)

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