Umsetzung nach der Wahl?

Brisante Trump-Aussagen zur Ukraine aus vertraulichem Gespräch – Bericht veröffentlicht

  • Stephanie Munk
    VonStephanie Munk
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Donald Trump solle eine offene Rechnung mit Selenskyj haben und darum die US-Hilfen für die Ukraine blockiert haben. Neue Aussagen machen hellhörig.

Update vom 23. April, 12.50 Uhr: Wie steht US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump zur Ukraine? Einen Einblick geben Äußerungen, die Trump offenbar in einem privaten Gespräch gemacht haben soll.

Die Washington Post berichtet, Trump habe gesagt, dass die Menschen in der Ukraine teilweise damit einverstanden wären, ein Teil Russlands zu werden. Die US-Zeitung bezieht sich dabei auf ein vertrauliches Gespräch, das Trump mit einer nicht näher benannten Person geführt haben soll. Trump soll dabei auch gesagt haben, er könne bei einer Wiederwahl als US-Präsident den Ukraine-Krieg beenden, indem er die Ukraine unter Druck setze, einige Gebiete aufzugeben.

Konkret solle Trump vorschweben, die Ukraine solle die Krim und einen Teil des Donbass freiwillig an Wladimir Putin abtreten. Dies wäre ein dramatisch anderer Ansatz als der, den der aktuelle US-Präsident Joe Biden in der Ukraine verfolgt: Er will Russland komplett aus der Ukraine zurückdrängen und setzt dafür auf die militärische Unterstützung der Ukraine.

Donald Trump und Wladimir Putin bei einem Treffen im Jahr 2018, als Trump noch US-Präsident war.

Erstmeldung: „Trump hasst die Ukraine“ – Ex-Präsident begleicht mit Blockade der US-Waffenhilfe angeblich alte Rechnung

Washington, D.C. – Panzer, Raketenwerfer und vor allem Munition: Die Ukraine erleidet an der Front derzeit massive Verluste und braucht dringend Nachschub an Waffen. Doch die Hilfe aus dem Westen stockt. Vor allem in den USA steckt im Repräsentantenhaus aktuell ein Milliardenpaket zur Finanzierung der militärischen Unterstützung für den Ukraine-Krieg fest. So verweigern die Republikaner dem US-Präsidenten Joe Biden die Zustimmung. Hinter der Blockade stecken vor allem die Hardliner um Donald Trump. Denn der frühere Präsident will angeblich dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj eine alte Rechnung heimzahlen.

Diesen Verdacht äußerte jetzt ein früherer Gefolgsmann des Ex-Präsidenten. „Trump hasst die Ukraine“, sagte Lev Parnas dem US-Magazin Politico. Der ukrainisch-amerikanische Geschäftsmann, der in den USA wegen Betrug und Ungereimtheiten bei Wahlkampffinanzierungen verurteilt worden ist, war einst als Vermittler für Trumps Anwalt Rudy Giuliani in der Ukraine tätig. Doch seiner Meinung nach glauben Trump „und die Menschen um ihn, dass die Ukraine die Ursache aller Probleme war“, so Parnas.

Trump blockiert Waffenhilfe: Missglücktes Telefonat mit Selenskyj soll Hass auf Ukraine geschürt haben

Dem Medienbericht zufolge ist ein Telefonat zwischen Trump und Selenskyj der Ursprung für den Zwist. Denn das Gespräch war einer der Auslöser für das erste Amtsenthebungsverfahren gegen den früheren US-Präsidenten. 2019 soll Trump den ukrainischen Präsidenten mitten im US-Wahlkampf gebeten haben, Ermittlungen gegen seinen Herausforderer Joe Biden und dessen Sohn Hunter einzuleiten. Das Trump-Team war sich sicher, dass Biden damals eine Entlassung eines ukrainischen Staatsanwaltes gefordert und mit der Blockade von US-Geldern gedroht haben soll. Der Staatsanwalt hatte zuvor eine Korruptionsuntersuchung gegen ein ukrainisches Gasunternehmen angestoßen, für das auch Hunter Biden tätig war.

Ein Video sollte die Behauptung beweisen. Doch Selenskyj tat erst einmal nichts – und brachte damit angeblich Trump dauerhaft gegen sich auf. Denn Pech für Trump: Im Rahmen einer Abhöraktion gegen seinen alten Wahlkampfmanager Paul Manafort wurde das Trump-Selenskyj-Gespräch bekannt – und plötzlich stand der Vorwurf im Raum, dass Trump die Ukraine zur Einmischung in den US-Wahlkampf aufstacheln wollte. „Jetzt hasst Trump Selenskyj aus tiefstem Herzen“, sagte Parnas laut Politico. „Und Selenskyj weiß das.“ 

Krieg gegen Russland: Ukraine braucht dringend Panzer und Munition für Front

Für die Ukraine wird das zunehmend zu einem Problem im Krieg gegen Russland. Denn zuletzt verzeichneten die Verteidiger harte Rückschläge an der Front. Nach mehr als zwei Jahren im Krieg gehen Munition und Waffen aus. Zuletzt waren die USA unter der Federführung von Trump-Nachfolger Biden der Hauptlieferant von Nachschub. Doch das könnte sich jetzt ändern. Mithilfe der Republikaner-Hardliner im US-Repräsentantenhaus ließ Trump bereits im Februar ein 95-Milliarden-Dollar-Paket blockieren, mit dem weitere Unterstützungsleistungen finanziert werden sollen. Seitdem gibt es Streit.

US-Repräsentantenhaus entscheidet erneut über Waffenpaket für die Ukraine

Am kommenden Samstag soll erneut über die Waffenhilfe im US-Kongress abgestimmt werden. Dies kündigte der Vorsitzende im Repräsentantenhaus, Mike Johnson, am Donnerstag (18. April) laut der Nachrichtenagentur AFP an. Dieses Mal sollen vier einzelne Gesetzesvorlagen vorgelegt werden – unter anderem zur Unterstützung von Israel, der Ukraine, zu Taiwan und zum US-Grenzschutz. Im Februar waren alle Maßnahmen in einem Paket vereint. Während drei der jetzt vorgelegten Beschlüsse wohl unstrittig sind, bleibt bei dem Ukraine-Paket weiterhin unklar, ob es die Kammer passieren wird. Während gemäßigte Republikaner auf ein Ja drängen, stellen sich die Hardliner in der Partei weiterhin quer.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock deutete die erneute Vorlage des Ukraine-Pakets durch den republikanischen Sprecher als hoffnungsvolles Zeichen. Dies sei ein wichtiges Signal „in stürmischen Zeiten“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Doch ob es am Ende auch so kommt. Der Widerstand aus den Reihen der Trump-Unterstützer bleibt groß. So forderte die Abgeordnete Marjorie Taylor Greene unmittelbar nach Bekanntwerden des Gesetzentwurfs Johnson zum Rücktritt auf. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses habe die republikanische Partei „ins Chaos gestürzt, indem er sich den Demokraten angedient und Bidens Agenda übernommen“ habe. „Jetzt wird er Kriege im Ausland finanzieren“, erklärte Greene, die Ex-Präsident Donald Trump nahesteht. 

Ende vom Ukraine-Krieg: Trump droht mit Putin-Deal

In der Ukraine beobachtet man das Treiben von Trump jedenfalls mit Argusaugen. Die Aussicht, dass Trump bei der US-Wahl im November erneut an die Macht kommen könnte, dürfte niemandem in Kiew gefallen. Denn aus seiner Haltung zur Ukraine machte Trump selber zuletzt keinen Hehl mehr. Die Ukraine sei eigentlich ein Teil Russlands, ließ er kürzlich alle wissen. Zuvor hatte er schon damit geprahlt, dass er den Krieg in Osteuropa innerhalb von 24 Stunden beenden könne. Niemand in der Ukraine zweifelte daran, dass Trump bei Verhandlungen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin für ein Einfrieren des Konflikts werben würde. (jkf)

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