Endspurt im US-Wahlkampf

TV-Duell mit Trump wird Desaster: Biden-Lager ruft nach anderen Kandidaten

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  • Felix Busjaeger
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Trump gegen Biden: Die erste TV-Debatte vor der US-Wahl ist vorbei. Doch wer ist Gewinner, wer Verlierer? Die MAGA-Bewegung versucht, den Gegner zu diffamieren.

Update vom 29. Juni, 10.50 Uhr:  Nach seinem desaströsen Auftritt beim TV-Duell gegen Donald Trump steht Joe Biden schwer unter Druck. Auch die einflussreiche Zeitung New York Times hat den US-Präsidenten in ihrem Leitartikel zum Rückzug seiner Kandidatur aufgefordert. Der größte Dienst, den Biden leisten könne, hieß es dort, „wäre die Ankündigung, dass er bei der Wahl nicht mehr antreten wird“. Biden selbst weist aber alle Forderungen nach einem alternativen Kandidaten von sich. 

Fragen zu seiner Kandidatur will der 81-Jährige nicht beantworten.

Update vom 28. Juni, 13.56 Uhr: Das Rennen um die US-Präsidentschaft war vor dem ersten TV-Duell von Donald Trump und Joe Biden denkbar knapp. Bei der Debatte konnte der amtierende US-Präsident allerdings wenige Monate vor der US-Wahl 2024 nicht überzeugen und zeigte eine desaströse Leistung. Insgesamt fiel Biden mit mehreren Patzern im TV-Duell auf.

Update vom 28. Juni, 10.40 Uhr: Nach dem ersten TV-Duell zwischen Biden und Trump herrscht bei den Demokraten Panik. Teilweise werden Bidens Rücktritt und ein Nachfolger gefordert. Doch für die Partei entsteht dadurch wenige Monate vor der US-Wahl 2024 eine große Gefahr, die zur Wahlniederlage führen könnte.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Verlierer im TV-Duell: Umfrage sieht Niederlage für Joe Biden

Update vom 28. Juni, 8 Uhr: Das erste TV-Duell zwischen Joe Biden und Donald Trump ist zu Ende. Wenige Stunden nach der Debatte vor der US-Wahl 2024 scheint es so, als wäre Biden der große Verlierer des Abends. Zu schwach war sein Auftritt – zudem leistete er sich zu viele Fehler, die nun von seinen Gegnern gnadenlos thematisiert werden.

Während des TV-Duells ließ Trump den US-Präsidenten Biden alt aussehen. Vor allem im Lager der Demokraten macht sich vor der US-Wahl Panik breit.

Reaktionen auf TV-Duell: Kritik an Biden wächst – Trump triumphiert

Update vom 28. Juni, 6.15 Uhr: Alyssa Farah Griffin, die im Weißen Haus unter Donald Trump gearbeitet hat, heute aber eine große Trump-Kritikerin ist, hat sich ebenfalls zum TV-Duell geäußert. Sie habe von unzähligen Leuten aller politischen Richtungen gehört, dass Biden ersetzt werden müsse: „Es ist schlimmer, als sich die meisten Leute vorgestellt haben.“

Update vom 28. Juni, 5.04 Uhr: Das erste TV-Duell vor der US-Wahl 2024 von Donald Trump und Joe Biden ist vorbei. Im Anschluss haben sich US-Politkommentatoren in ersten Einschätzungen zur Debatten-Leistung von Präsident Joe Biden entsetzt geäußert. Beim Sender CNN warfen mehrere Experten dem 81-Jährigen unklare Aussagen und verwirrtes Verhalten vor. „Es wird Diskussionen darüber geben, ob er weitermachen wird“, sagte David Axelrod, Chefstratege von Barack Obamas Präsidentschaftskampagnen kurz nach dem Ende von Bidens Debatte mit Herausforderer Donald Trump in Atlanta am Donnerstag (Ortszeit). Bereits zuvor hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, dass Biden im Schlussspurt des Wahlkampfes als Kandidat ausgetauscht werden könnte.

TV-Duell mit Trump vor der US-Wahl 2024: Bidens Auftritt löst „aggressive Panik“ bei den Demokraten aus

Der Experte John King hatte die Analyse mit der Aussage eröffnet, dass das erste TV-Duell zwischen Trump und Biden vor der US-Wahl 2024 „eine tiefe, breite und sehr aggressive Panik in der Demokratischen Partei“ ausgelöst habe. „Bidens Antworten waren in vielen Fällen ohne Zusammenhang“, ergänzte Politikjournalistin Abby Phillip. Die Reaktionen überraschen. Denn noch vor Beginn des Debatten-Duells hatte sich im Trump-Lager Panik breit gemacht.

TV-Duell mit Biden: Im Trump-Lager macht sich Panik breit

Erstmeldung: Washington, D.C. – Fans des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump scheinen kurz vor dem ersten TV-Duell im US-Wahlkampf 2024 nervös zu werden. Am 27. Juni wird der 78-Jährige im TV-Sender CNN seinem 81-jährigen Kontrahenten Joe Biden gegenübertreten – die MAGA-Bewegung versucht im Vorfeld mit allen Mitteln, den politischen Gegner zu diffamieren. MAGA steht für „Make America Great Again“ (auf Deutsch: Macht Amerika wieder großartig). 

Dazu gehört laut Newsweek die Andeutung, dass Biden während der 90-minütigen Debatte Medikamente einnehmen wird, um seine Energie zu verbessern. Der Repräsentant von Texas, Ronny Jackson, der Trumps Arzt und medizinischer Berater im Weißen Haus war, forderte Biden auf, vor dem Duell einen Drogentest zu machen. Er unterstellte dem amtierenden Präsidenten, bereits im März bei seiner Rede zur Lage der Nation leistungssteigernde Medikamente eingenommen zu haben.

Biden trifft im TV-Duell auf Trump: Sprecher des Weißen Hauses sieht Republikaner eingeschüchtert

Der Sprecher des Weißen Hauses, Andrew Bates, wies zuvor Behauptungen zurück, Biden habe vor seiner Rede zur Lage der Nation Drogen genommen. Biden erhielt großes Lob für die Rede, die als entscheidender Moment in seinem Wiederwahlkampf angesehen wurde. „Es ist bezeichnend, dass republikanische Beamte nicht aufhören können zu verkünden, wie eingeschüchtert sie von der Leistung des Präsidenten zur Lage der Nation bleiben“, sagte Bates gegenüber Politico.

Das MAGA-Lager hält an den Anschuldigungen fest. „Wenn Präsident Biden leistungssteigernde Medikamente einnehmen muss, um an der Debatte dieser Woche teilzunehmen, dann ist es zwingend erforderlich, dass er und sein Arzt dies dem amerikanischen Volk offenlegen“, sagte Jackson. Auch der ehemalige Trump-Berater im Weißen Haus, Stephen Miller, zweifelte in einem X-Post daran, dass der demokratische Spitzenkandidat im TV-Duell ohne Hilfe bestehen kann. Er schrieb: „Welche leistungssteigernden Medikamente wird Biden für die Debatte heranziehen? Es gibt einen Grund, warum Biden einem Drogentest nicht zustimmt. Kolossaler Dopingskandal.“  

US-Wahlen: Bilder zeigen denkwürdige Momente in den TV-Duellen der Kandidaten

US-Wahl 2024: Trump ändert Meinung über Biden kurz vor TV-Duell

Außerdem behaupten Stimmen aus dem republikanischen Lager, CNN habe möglicherweise Fragen an das Team des Präsidenten weitergegeben. Richard Grenell, der zuvor unter Trump amtierender Direktor des nationalen Geheimdienstes war, sagte, dass bereits im Wahlkampf 2016 Debattenfragen des CNN an Hillary Clinton durchgesickert seien.

Die Behauptungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Trump selbst seine Meinung über Bidens Chancen bei der CNN-Debatte geändert hat. Nachdem er ihn früher als den „schlimmsten Debattierer, dem ich je gegenüberstand“ bezeichnet hatte, sagte Trump kürzlich im All-In Podcast, dass der Präsident ein „würdiger Debattierer“ sein werde und dass er Biden nicht unterschätzen wolle.

TV-Duell zwischen Biden und Trump: „Die Republikaner geraten in Panik“, sagt US-Veteran Jared Ryan

Stimmen aus dem demokratischen Lager sehen die Angriffe auf Joe Biden im Vorfeld zum TV-Duell als Zeichen der Verunsicherung bei den Republikanern. So deutete der Reporter Aaron Rupar die verzweifelten Vorwürfe als Zeichen dafür, dass die Republikaner vor dem Zusammenbruch stehen. „Wenn Sie wirklich glauben würden, dass Trump mit ‚Sleepy Joe‘ den Boden aufwischen würde, würden Sie nicht die ganze Woche vor der Debatte damit verbringen, den Moderator zu beschimpfen und Biden vorsorglich vorzuwerfen, dass er leistungssteigernde Drogen nimmt“, schrieb er auf X.

Der Veteran Jared Ryan sieht die Angriffe als klares Zeichen der Schwäche und schreibt, ebenfalls auf X: „Die Republikaner geraten in Panik. Angesichts der Tatsache, dass Trump im Vorfeld der ersten Debatte immer inkohärenter wird, suchen sie nach Ausreden für Trump, bevor die Debatte überhaupt begonnen hat.“ (Laura May)

Rubriklistenbild: © Jacquelyn Martin/AP