Politik

Erdogan schießt quer: Türkei blockiert Ukraine-Geschenk – Minenräumschiffe hängen fest

Bereits 2014 hatten US-Kriegsschiffe den Bosporus in Richtung Schwarzes Meer durchquert. Im Bild der Zerstörer USS Ross.
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Die Hoheit über die Meerengen Bosporus und Dardanellen, die das Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer verbinden, hat die türkische Regierung inne. 
  • Babett Gumbrecht
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Britische Hilfe in Form von zwei Minenräumschiffen wird die Ukraine bis auf Weiteres nicht erreichen. Grund: Ankara blockiert den Seeweg.

Ankara – Die geplante Überführung von zwei gespendeten Minenräumschiffen der britischen Regierung an die Ukraine ist bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Denn die Spezialschiffe dürfen den Bosporus nicht durchqueren. Grund: Staatschef Recep Tayyip Erdogan verweigert die Durchfahrt. Laut Reuters beruft sich die türkische Regierung auf den Vertrag von Montreux. 

Vertrag von Montreux ermöglicht Türkei Hoheit über Schwarzes Meer

Das Abkommen aus dem Jahr 1936 wurde nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 von der Türkei ausgelöst. Es blockiert effektiv die Passage von Kriegsschiffen durch das Schwarze Meer. Die Hoheit über die Meerengen Bosporus und Dardanellen, die das Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer verbinden, hat nämlich die türkische Regierung inne. Gemäß dem Vertrag von Montreux haben Handelsschiffe in Friedenszeiten freie Fahrt, für Marineschiffe gelten jedoch Beschränkungen.

Nachdem im vergangenen Monat die britische Regierung angekündigt hatte, zwei Minenräumer der Royal Navy an die ukrainische Marine zu überführen, meldete sich Ankara zu Wort. Die türkische Regierung teilte ihren Nato-Verbündeten über die Nachrichtenplattform X mit, den Schiffen, solange der Krieg in der Ukraine andauert, keine Durchfahrt zu gewähren.

Der Vertrag sieht zwar Ausnahmen für Schiffe vor, die zu ihren Heimathäfen zurückkehren, bisher haben aber weder Moskau noch Kiew Kriegsschiffe durch die türkischen Meerengen ins Schwarze Meer geschickt. Kriegsschiffe nicht kriegführender Parteien wie beispielsweise der USA dürften laut Vertrag in Kriegszeiten die Meerengen mit Vorankündigung durchqueren. Aber das letzte Wort hat laut Abkommen immer noch die Regierung unter Erdogan. Sieht sich die Türkei in Gefahr, in den Krieg mit hineingezogen zu werden, kann die Durchfahrt von Schiffen abgelehnt werden.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Auch USA sind gescheitert: Entsendung von Kriegsschiffen für Putin Provokation

Auch in der Vergangenheit sind Versuche, Hilfen für die Ukraine in Form von Kriegsschiffen durch das Schwarze Meer zu entsenden, gescheitert. Im April 2021, kurz nach Ausbruch des Krieges, sagte die amerikanische Regierung unter Joe Biden die Entsendung von zwei Kriegsschiffen ins Schwarze Meer ab. Russland hatte damals der Nato erklärt, die Entsendung der Kriegsschiffe als Provokation zu verstehen. Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, sah die Regierung unter Biden damals von der Stärkung der ukrainischen Marine ab.

Gewässer als Gefahr: Minenräum-Schiffe eigentlich dringend benötigt

Dabei benötigt die Ukraine im Krieg gegen Russland vor allem bei den Seestreitkräften Unterstützung. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind vor allem die Gewässer wegen russischer Minen für alle Arten von Wasserfahrzeugen zur Gefahr geworden. Die geplanten britischen Minenräumschiffe sollten der Ukraine wieder ermöglichen, wichtige Exportrouten zu sichern.