Viele wundern sich

Es ist kein Saharastaub: Überraschendes Wetter-Phänomen lässt Himmel milchig werden – „Krass“

  • Armin T. Linder
    VonArmin T. Linder
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Milchiger Himmel, diesige Luft: Ein Wetter-Phänomen sorgt in Deutschland für Staunen. Es handelt sich dabei nicht um Saharastaub.

München – Viele Menschen wundern sich dieser Tage in Deutschland: Warum ist der Himmel so diesig? Und auch die Luft nahe dem Boden? Ist das Saharastaub? Nein, der Grund ist vielmehr ein deutlich verblüffenderer. Während man sich in diesen Breitengraden längst daran gewöhnt hat, dass ab und zu Saharastaub für eine Rotfärbung der Luft sorgt und sich auf die Autoscheiben legt, ist das Phänomen diesmal ein anderes.

Ein Foto aus Bad Wörishofen im Unterallgäu, aufgenommen am Dienstag.

Kein Saharastaub: Rauch von Kanada-Waldbränden macht Himmel milchig-grau

Es handelt sich vielmehr um Rauch von kanadischen Waldbränden. Das schreibt unter anderem der Deutsche Wetterdienst auf seiner Homepage. „Trotz häufig nicht vorhandener Wolken ist der Himmel deswegen gebietsweise milchig-grau statt blau“, heißt es dort von Meteorologe Thore Hansen. Der Rauch komme nicht gleichmäßig in Europa an, sondern in großen Rauchwolken, die mehrere hundert Kilometer groß seien. Eine solche liege seit Pfingstmontag über Deutschland.

Eine solche Rauchwolke könne sich unter Hochdruckeinfluss lange halten. Niederschläge könnten zu einer Auswaschung führen und Winde die Wolke vertreiben, doch die Wetter-Lage diese Woche sorgt wohl eher dafür, dass uns dieser merkwürdige Anblick noch eine Weile erhalten bleibt. Vom milchigen Schleier betroffen seien laut DWD Süddeutschland, Teile Frankreichs, der Schweiz, Österreichs und Italiens.

München auf Live-Rangliste zwischenzeitlich auf Platz 1

Laut Jan Schenk, Meteorologe und Leiter von The Weather Channel Germany, schlagen nicht nur die Feinstaub-Messstationen Alarm, man könne den Ruß mit bloßem Auge sehen. In München ist es wohl besonders drastisch: „Auf einer Live-Rangliste der Großstädte mit der höchsten Luftverschmutzung befand sich München am Dienstagnachmittag sogar auf Platz eins ~ noch vor der indischen Hauptstadt Delhi“, so Experte Schenk. Zwei Stunden lang habe München auf dem Spitzenplatz mit der höchsten Luftverschmutzung belegt.

Der ORF zitiert bei Facebook die Meteorologin Susi Lentner von der Geosphere Austria zur getrübten Fernsicht in Tirol. Auch ihren Aussagen gebe es keine Hinweise, dass es sich um Saharastaub handle. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es eher wahrscheinlich, dass der Staub aus Westen bzw. Nordwesten kommt. Und woher soll das sonst kommen, als von diesen hochreichenden Bränden, die sehr viel Staub aufwirbeln bis hoch in die Atmosphäre hinauf.“

Wetter in Deutschland: Viele Menschen staunen über seltsamen Anblick

Dass es sich nicht um Saharastaub handelt, sondern um Ruß von den Kanada-Waldbränden, spricht sich immer mehr herum. Und die Irritation ist bei vielen Menschen groß. „Krass, dachte zuerst an Saharastaub, aber das ist Rauch aus Kanada, der hier die Sonne vernebelt“, heißt es etwa in einem Beitrag bei Facebook. Die Betreiber eines Bauernhofs in der Steiermark schreiben bei Facebook: „Für mich ist ja Saharastaub schon immer sehr beeindruckend und irgendwie schwer vorstellbar. Dass jetzt aber Rauch aus Kanada unsere Luft trübt, ist ja noch eine Nummer krasser.“

Der Anblick wird Deutschland wohl noch eine Weile begleiten – und wiederkehren. Meteorologe Thore Hansen vom DWD schreibt: „Kurzfristig ist vor allem im Alpenraum nicht mit einem vollständigen Ausräumen des Rauchs zu rechnen. Mittel- und langfristig kann immer mal wieder Rauch aus Nordamerika Europa erreichen, solange die Brände dort weiter wüten und die Strömungsverhältnisse über dem Atlantik günstig sind.“ Es geht ungewöhnlich weiter: Eine Expertin warnt vor einem „Tropen-Sommer“. (lin)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Bernd FeilM.i.S.

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