„Das ist ihr Zyklus“

Nato-Soldaten in der Ukraine: Putin-Sprecher geht auf Konfrontation nach Macron-Aussage

  • Patrick Mayer
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Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron bringt erneut mögliche Nato-Truppen in der Ukraine in die Debatte ein. Eine Reaktion aus Moskau lässt nicht lange auf sich warten.

Update vom 3. Mai, 14.30 Uhr: Der Kreml scheint die Äußerungen Macrons ernst zu nehmen – und antwortet seinerseits mit einer Warnung. Der Vorschlag des französischen Präsidenten sei „sehr gefährlich“, zitiert die russische Nachrichtenagentur Tass Putin-Sprecher Dmitri Peskow. „Frankreich, vertreten durch das französische Staatsoberhaupt, spricht ständig von der Möglichkeit seiner direkten Beteiligung“, so Peskow. „Das ist ein sehr gefährlicher Trend.“

Erstmeldung: Paris – Emmanuel Macron hat es wieder getan. Der französische Präsident hat über eine mögliche Entsendung von Nato-Truppen in die Ukraine gesprochen, sollte die russische Invasionsarmee von Kreml-Autokrat Wladimir Putin an der östlichen Front durchbrechen und Kiew die Verteidigungsallianz um Hilfe in Form von Soldaten bitten.

Kremlsprecher Dmitri Peskow (l.) warnt Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron. Seine Äußerungen seien „sehr gefährlich“.

Macron schließt Nato-Soldaten in der Ukraine nicht aus

„Wenn die Russen die Frontlinien durchbrechen würden, wenn es eine ukrainische Bitte gäbe – was heute nicht der Fall ist – dann sollten wir uns die Frage berechtigterweise stellen“, sagte Macron der britischen Wochenzeitung The Economist: „Es von vornherein auszuschließen bedeutet, nicht aus den Lektionen der letzten zwei Jahre zu lernen.“

Das französische Staatsoberhaupt wies darauf hin, dass sich Nato-Mitglieder im Verlauf des Ukraine-Kriegs auch dazu entschlossen hätten, Kiew Panzer und Kampfflugzeuge zu liefern. Die Lieferung eben jener F-16-Kampfjets durch Dänemark und die Niederlande ist aktuell in Arbeit. Es ist der zweite Vorstoß Macrons zu möglichen Nato-Soldaten in der Ukraine, nachdem der 46-jährige Franzose schon Ende Februar von einer solchen Möglichkeit gesprochen hatte.

Ukraine-Vorstoß von Macron: Kanzler Scholz verneint Szenario klar

Sein Gedankenspiel stieß damals jedoch bei den meisten Nato-Partnern auf Ablehnung, insbesondere beim deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Beim Ukraine-Gipfel-Treffen in Paris habe man besprochen, „dass das, was von Anfang an untereinander und miteinander festgelegt worden ist, auch für die Zukunft gilt“, erklärte Scholz am 27. Februar. Damit sei gemeint, „dass es keine Bodentruppen, keine Soldaten auf ukrainischem Boden geben wird, die von europäischen Staaten oder von Nato-Staaten dorthin geschickt werden“, sagte der SPD-Politiker weiter.

Nato-Bodentruppen in der Ukraine? Macron bringt die Thematik erneut auf. Aus Russland kommt sofort eine Reaktion.

„Es gibt heute keinen Konsens darüber, offiziell Bodentruppen zu entsenden“, hatte indes Macron nach dem Ukraine-Treffen in der französischen Hauptstadt erklärt: „Aber in der Dynamik darf nichts ausgeschlossen werden. Wir werden alles tun, was nötig ist, damit Russland diesen Krieg nicht gewinnen kann.“ Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bekräftigte damals, dass das Verteidigungsbündnis keine Pläne habe, Soldaten in die Ukraine zu entsenden. Die Nato werde die Ukrainer anders bei ihrem Kampf gegen den „Aggressionskrieg Russlands“ unterstützen, erklärte er. Unter anderem hatte die Militär-Allianz Kiew 140 Kampfpanzer, viele Schützenpanzer, Flugabwehrsysteme zum Schutz der kritischen Infrastruktur und Artillerie-Haubitzen geschickt. Um nur ein paar Beispiele für die umfangreichen Waffen-Lieferungen zu nennen. Erst kürzlich hatte der amerikanische Kongress weitere 61 Milliarden Dollar für Militärhilfen freigegeben.

Ukraine-Gedanken Macrons: Putin-Sprecherin aus Moskau reagiert

Die ukrainische Armee musste sich in den vergangenen Wochen westlich von Awdijiwka im Donbass immer weiter zurückziehen. Putins Invasionstruppen kommen somit der Großstadt Kramatorsk mit ihren rund 150.000 Einwohnerinnen und Einwohnern gefährlich nahe. Dort befindet sich unter anderem das ukrainische Hauptquartier für den Osten des geschundenen Landes. Die ukrainischen Soldaten können auch dort nun zumindest wieder auf neu gelieferte Bradley-Schützenpanzer und auf zehn weitere Leopard-2-Panzer aus Spanien zurückgreifen. Dennoch sind die russischen Streitkräfte in der Offensive, was der Generalstab in Kiew betont.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Macrons Aussagen zu einer möglichen Truppenentsendung durch die Nato riefen indes eine Reaktion aus Moskau nach sich. Seine Ideen würden „irgendwie mit den Wochentagen zusammenhängen“, erklärte die Sprecherin des russischen Außenministers Sergej Lawrow, Maria Sacharowa, der staatlichen Nachrichtenagentur Tass: „Offenbar hat das etwas mit den Wochentagen zu tun, das ist ihr Zyklus.“

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