„Schwere Sabotage“
Neue Wende nach Schaden an Ostsee-Kabel: Schiff mit russischer Besatzung festgesetzt
VonPatrick Huljinaschließen
Erneut sind Unterseekabel in der Ostsee beschädigt worden. Erneut besteht der Verdacht auf Sabotage. Ein Boot mit russischer Crew wurde nun festgesetzt.
Tromsö – Die Ermittlungen wegen möglicher Sabotage laufen. Am vergangenen Sonntag (26. Januar) waren nach einer Reihe ähnlicher Vorfälle in der Ostsee Schäden an einem Unterseekabel zwischen Lettland und Schweden aufgetreten. Nun gibt es eine neue Wende in dem Fall: In Norwegen ist ein verdächtiges Schiff – die „Silver Dania“ – mit russischer Besatzung festgesetzt worden.
Ermittlungen wegen „schwerer Sabotage“ in Ostsee: Schiff mit russischer Besatzung festgesetzt
„Es besteht der Verdacht, dass das Schiff an schweren Beschädigungen eines Glasfaserkabels in der Ostsee zwischen Lettland und Schweden beteiligt war“, teilte die Polizei am Freitag (31. Januar) im nordnorwegischen Tromsö mit. Beamte befinden sich demnach nun an Bord des Schiffes, um Durchsuchungen und Vernehmungen vorzunehmen und Spuren zu sichern. Sowohl die Besatzung als auch der Besitzer des Schiffs seien kooperativ, hieß es weiter.
Den Angaben zufolge handelt es sich bei der „Silver Dania“ um einen Frachter der norwegischen Reederei Silver Sea. Das Schiff ist nach Polizeiangaben in Norwegen registriert. Es hat demnach auch einen norwegischen Eigentümer, verkehrt aber zwischen den russischen Städten St. Petersburg und Murmansk. Die gesamte Crew ist den Angaben zufolge ebenfalls russisch. Das Schiff war am Donnerstagabend von der norwegischen Küstenwache festgesetzt und in den Hafen von Tromsö im Norden Norwegens gebracht worden.
Beschädigte Ostsee-Kabel: Reederei bestreitet Beteiligung – „Haben nichts falsch gemacht“
Die Schäden waren am Sonntag an einem Datenkabel zwischen der schwedischen Insel Gotland und der Hafenstadt Ventspils in Lettland aufgetreten, das vom lettischen Rundfunk- und Fernsehzentrum (LVRTC) genutzt wird. Die schwedischen Behörden setzten daraufhin ein anderes Schiff mit einem bulgarischen Eigentümer fest und nahmen Ermittlungen wegen möglicher „schwerer Sabotage“ auf. Der Eigentümer wies einen Sabotage-Vorwurf allerdings zurück.
Die „Silver Dania“ soll das Kabel etwa zum selben Zeitpunkt passiert haben. Die Reederei Silver Sea bestritt jedoch jegliche Beteiligung an dem Vorfall. Das Schiff habe keinen Anker geworfen. „Wir haben nichts falsch gemacht“, erklärte der Chef der Reederei, Tormod Fossmark, auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP. Die norwegischen Behörden hätten das Schiff in einen Hafen gebracht, „um unsere Beteiligung auszuschließen“.
Sabotage in der Ostsee? Vorfälle nehmen zu – Putins Schattenflotte im Visier
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 sind in der Ostsee bereits mehrfach wichtige Telekommunikations- und Stromkabel beschädigt worden. Ob hinter den Kabelbrüchen Sabotage steckt, ist in allen Fällen bislang unklar. Es besteht jedoch der Verdacht, dass teils die sogenannte russische Schattenflotte dahinterstecken könnte.
Damit sind Tanker und andere Frachtschiffe mit undurchsichtigen Eigentümerstrukturen gemeint, die Russland benutzt, um Sanktionen infolge seines Angriffskriegs gegen die Ukraine etwa beim Öltransport zu umgehen. Gegen Dutzende Schiffe von Putins Schattenflotte hat die EU Sanktionen erlassen, doch ihr tatsächlicher Umfang dürfte weitaus größer sein.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten




Zuletzt waren am ersten Weihnachtstag vier Telekommunikationskabel und ein Stromkabel in der Ostsee zwischen Finnland und Estland beschädigt worden. Die finnischen Behörden vermuten, dass der Anker eines vom russischen St. Petersburg aus gestarteten Öltankers die am Boden der Ostsee verlaufenden Kabel beschädigt hat. Die finnischen Behörden ermitteln ebenfalls wegen des Verdachts der „schweren Sabotage“. (ph/dpa/afp)
Rubriklistenbild: © Rune Stoltz Bertinussen/dpa

