Brisanter Bericht

Ohne „rote Linien“: Macron plant wohl neuen Vorstoß bei Nato-Bodentruppen

  • Felix Durach
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Die Nato stellt sich auf Trump ein. Macron zieht dafür möglicherweise einen alten Plan in Betracht: die Entsendung von Bodentruppen im Ukraine-Krieg.

Frankfurt – Zu Beginn des Jahres sorgte der französische Präsident Emmanuel Macron mit einem Vorstoß für Aufregung. Der Staatschef forderte öffentlich, dass die Nato die Entsendung von Bodentruppen im Rahmen des Ukraine-Kriegs nicht ausschließen solle. Der Aufschrei war daraufhin groß – auch aus Berlin. Doch danach wurde es ruhig um die Pläne für den Einsatz von Bodentruppen in der Ukraine. Bis jetzt. Einem Medienbericht zufolge sollen Frankreich und das Vereinigte Königreich etwaige Pläne erneut diskutieren. Der Vorstoß ist auch eine Antwort auf den bevorstehenden Amtsantritt von Donald Trump.

Frankreich und Großbritannien sollen Medienberichten zufolge erneut über die Abstellung von Bodentruppe in die Ukraine diskutieren. (Symbolbild)

Nato-Bodentruppen im Ukraine-Krieg: Brisanter Bericht über Pläne von Macron und Starmer

Einem Bericht der französischen Zeitung Le Monde zufolge, sollen die Pläne seit einem Treffen zwischen Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer Anfang November wieder verstärkt diskutiert werden. „Zwischen Großbritannien und Frankreich finden derzeit Gespräche über eine Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich statt, insbesondere im Hinblick auf die Schaffung eines harten Kerns von Verbündeten in Europa, der sich auf die Ukraine und die allgemeinere europäische Sicherheit konzentriert“, zitiert das französische Medium eine Quelle im britischen Militär. Bei den Gesprächen soll es demnach auch um Bodentruppen gehen.

Der Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Pläne sei dabei kein Zufall. Macron und Starmer würden sich durch den Schritt auf den Amtsantritt von Donald Trump am 20. Januar 2025 vorbereiten. Der gewählte US-Präsident könnte nach seinem Einzug ins Weiße Haus die Militärhilfen für die Ukraine erheblich kürzen oder sogar komplett einstellen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Vorbereitung auf Trump: Möglicher Einsatz von Nato-Bodentruppen – keine „roten Linien“

In diesem Fall würden die europäischen Mitglieder der Nato die ausbleibende Unterstützung der USA ausgleichen müssen. Dem Bericht von Le Monde zufolge, könnte das unter anderem auch mit dem Einsatz von Bodentruppen kompensiert werden. Auch der Militärexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr in München brachte zuletzt den Einsatz von Bodentruppen als mögliche Rückfalloption für den Fall ins Spiel, dass Trump die Militärhilfen für die Ukraine einstellen sollte.

Frankreichs Außenminister Jean-Noel Barrot hatte erst am Wochenende in einem Interview mit der BBC gefordert, dass es keine „roten Linien“ für die Unterstützung der Ukraine geben dürfe. Angesprochen auf den möglichen Einsatz von französischen Bodentruppen in der Ukraine sagte Barrot weiter: „Wir schließen keine Option aus.“ Eine offizielle Freigabe für die Entsendung von Bodentruppen der französischen Armee oder von privaten Militärfirmen gibt es derzeit nicht, doch laut Le Monde liegen die Vorschläge bereits seit Monaten auf dem Tisch.

Welche Rolle die Bodentruppen in den Plänen der französischen und britischen Regierungen genau spielen, ist bislang nicht bekannt. Denkbar wäre unter anderem die Ausbildung von ukrainischen Soldaten oder die Wartung von westlichen Waffensystemen durch französischen Soldaten vor Ort in der Ukraine.

Erneuter Vorstoß von Macron: Deutschland bislang gegen Einsatz von Bodentruppen in der Ukraine

Macrons Vorstoß im Februar hatten Beobachter vor allem auch als Versuch interpretiert, die Partner in der Nato aufzurütteln und Russlands Staatschef Wladimir Putin im Ungewissen zu lassen. Letzteres könnte auch das Ziel von Barrots geäußerter Forderung sein, keine roten Linien im Krieg festzusetzen. Die Bundesregierung wollte sich im Februar nicht an dieser Strategie beteiligen und stellte kurz nach Macrons Forderung klar, dass Bodentruppen keine Option für Berlin seien. „Auch für die Zukunft gilt, dass es keine Bodentruppen, keine Soldaten auf ukrainischem Boden geben wird“, stellte Kanzler Olaf Scholz damals öffentlich klar.

Klar ist dennoch, dass der bevorstehende Amtsantritt von Donald Trump die Lage mit Blick auf den Ukraine-Krieg grundlegend ändern könnte. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat am Montag auch mit Blick auf Trump bekräftigt, die Ukraine angesichts der jüngsten Entwicklungen im russischen Angriffskrieg weiter stärken zu wollen. „Unser Ziel: Die Ukraine muss aus einer Position heraus der Stärke heraus agieren können“, sagte Pistorius nach einem Treffen im sogenannten Fünferformat mit Kollegen aus den Nato-Staaten Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen. (fd)

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