Ukraine-Krieg

Selenskyj äußert sich zum Ende des Ukraine-Kriegs: Putin „hat große Angst“ – Aufruf an Partner

  • VonHelmi Krappitz
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Auf seiner USA-Visite enthüllt der ukrainische Präsident seinen „Siegesplan“: Mit Hilfe aus dem Westen ist eine Lösung des Ukraine-Konflikts in Sicht.

Kiew – Bei seinem Besuch in der USA bittet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wiederholt um mehr westliche Unterstützung im Ukraine-Krieg. Er rief seine Verbündeten auf, die ukrainischen Streitkräfte zu stärken, denn der Krieg sei „dem Ende näher“, als viele glauben.

„Dem Ende nah“: Selenskyj fordert mehr Unterstützung gegen Putins Truppen

„Der Plan für den Sieg ist die Stärkung der Ukraine“, sagte Selenskyj in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC News. „Deshalb bitten wir unsere Freunde, unsere Verbündeten, uns zu stärken. Das ist sehr wichtig.“ Der ukrainische Präsident glaube, dass sie dem Frieden näher seien, als gedacht. Er fuhr fort: „Wir sind dem Ende des Krieges näher. Wir müssen nur sehr stark sein, sehr stark.“

Während seines Besuchs in den USA plante der ukrainische Präsident, erstmals seinen lang erwarteten „Siegesplan“ zu präsentieren. Vor dem Hintergrund der erfolgreichen Kursk-Offensive will er die neu gewonnene Dynamik nutzen, insbesondere da Berichten zufolge einige westliche Staaten bereits auf Friedensverhandlungen gedrängt haben. Der Plan zielt darauf ab, vollständigen Frieden unter den bestmöglichen Bedingungen für die Ukraine zu erreichen. Nun sei der richtige Zeitpunkt: Putin „hat große Angst“, sagte Selenskyj dem Sender. „Warum? Weil sein Volk gesehen hat, dass er sein gesamtes Territorium nicht verteidigen kann.“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj glaubt an ein Ende des Ukraine-Kriegs noch im nächsten Jahr.

„Siegesplan“: Selenskyj glaubt an ein zeitnahes Ende des Ukraine-Krieges

„Entschlossenes Handeln jetzt kann ein faires Ende der russischen Aggression gegen die Ukraine im nächsten Jahr beschleunigen“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X nach einem Treffen mit einer überparteilichen Delegation des US-Kongresses. „Jetzt, am Ende des Jahres, haben wir eine echte Chance, die Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten zu stärken.“ Er sei dem US-Kongress für ihr unbeirrbaren Engagement dankbar. „Unser Siegesplan wird dazu beitragen, Russland praktisch zum Frieden zu zwingen.“

Selenskyj hat die USA und Großbritannien mehrfach dazu aufgefordert, ihre Einschränkungen für Langstreckenraketen aufzuheben, die der Ukraine bereitgestellt wurden. Ukrainische Streitkräfte wollen die Erlaubnis, tiefer gelegene Ziele innerhalb Russlands anzugreifen. Gleichzeitig warnte der russische Präsident Wladimir Putin, dass der Einsatz westlicher Waffen gegen russische Ziele als bedeutende Eskalation des Konflikts und als direkte Herausforderung der Nato-Staaten gewertet werde.

Ukraine-Krieg vor dem Ende? Viele Experten fordern mehr westliche Hilfe – andere hoffen auf Verhandlungen

Ein zeitnahes Ende des Ukraine-Krieges halten die meisten jedoch für unrealistisch. Trotzdem erklärte Ex-Nato-Berater John Lough gegenüber Newsweek, dass die Ukraine mehr unterstützt werden müsse: „Der Westen ist noch immer mehr über die kurzfristigen Risiken einer Eskalation besorgt als über die langfristigen Folgen einer Kriegsniederlage der Ukraine.“ Experte Timothy Ash betonte gegenüber dem US-Nachrichtenmagazin, dass es gelte, Putin abzuschrecken: „Wir sollten einfach Vollgas geben und die Ukraine mit der gesamten konventionellen Ausrüstung versorgen, die sie zur Selbstverteidigung braucht.“ Russland würde einen konventionellen Krieg gegen die Nato schnell verlieren – deswegen seien Putins „rote Linien bei Nato-Waffenlieferungen an die Ukraine eigentlich sehr schwach.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Andere Experten schätzen die Situation anders ein als Selenskyj. Trotz militärischer Erfolge der Ukraine, wie der Kursk-Offensive, verändere sich das Kräfteverhältnis kaum, heißt es laut Modern War Institute. Beide Seiten mangle es an Ressourcen. Eine Verhandlungslösung werde zwar als moralisch schwierig erachtet, könnte jedoch notwendig sein, um den Konflikt zu beenden und weiteren Schaden zu verhindern. (hk)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa