Friedensverhandlungen

Ukraine-Präsident Selenskyj enthüllt „Siegesplan“ in den USA

  • VonLisa Mahnke
    schließen

Präsident Selenskyj plant die Präsentation seines „Siegesplans“. Er soll den Frieden mit Russland schaffen – unterstützt von westlichen Partnern.

Kiew – Bei seinem Besuch in den USA will der ukrainische Präsident erstmals seinen lang erwarteten „Siegesplan“ vorstellen. Vor dem Hintergrund der Kursk-Offensive soll er die neugewonnene Motivation nutzen, nachdem laut Medienberichten bereits einige westliche Staaten auf Friedensverhandlungen gedrängt hatten. Der Plan soll den kompletten Frieden bringen, zu bestmöglichen Konditionen für die Ukraine.

Laut einer anonymen Quelle aus dem Umfeld des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gegenüber der Kyiv Independent zielt der „Siegesplan“ darauf ab, „solche Bedingungen und eine solche Atmosphäre zu schaffen, dass Russland nicht mehr in der Lage sein wird, die Friedensformel und den Friedensgipfel zu ignorieren“. Gemeint ist die Friedenskonferenz, die im Juni in der Schweiz stattgefunden hatte.

Selenskyj will seinen „Siegesplan“ in den USA vorstellen.

Dringlichkeit bei Selenskyjs Siegesplan: Ukraine im Lauf um die Zeit

Im Gegensatz zu dem früheren Zehn-Punkte-Plan des ukrainischen Präsidenten ist der Siegesplan eine abgespeckte Version. Es seien vier Punkte darin, über die mit Russland in beliebigen Formaten gesprochen werden solle. Viel ist zu dem Plan noch nicht bekannt – nur, dass es schnell gehen müsse.

„Der Siegesplan sieht schnelle und konkrete Schritte unserer strategischen Partner vor – in der Zeit vom heutigen Tage bis Ende Dezember“, sagte Selenskyj der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zufolge. Die Umsetzung sei von den Partnern der Ukraine abhängig. Der Plan solle die Brücke schlagen zu einem zweiten Friedensgipfel, an dem auch Russland teilnehmen solle, sagte er.

Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion. Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland.
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj kandidiert in der Ukraine
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig. Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland.
Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

William Taylor, der Vizepräsident für Europa und Russland am US Institute of Peace und ehemaliger US-Botschafter in der Ukraine laut Kyiv Independent mutmaßte: „Der Siegesplan nutzt eindeutig die Vorteile der bisher erfolgreichen Kursk-Operation.“ Auch deshalb soll es möglicherweise schnell gehen – bevor möglicherweise die ukrainischen Verluste überwiegen.

Selenskyj weicht nicht von Sieg ab – und will gute Bedingungen in den USA nutzen

Laut Selenskyj könne auch der US-Präsident Joe Biden bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt noch wichtige Entscheidungen treffen und so die Ukraine stärken. So wolle Selenskyj Biden auch erneut zur Gabe von Langstreckenwaffen drängen. Möglicherweise drängt der Plan auch zeitlich, um potenzielle Konsequenzen einer zweiten Trump-Amtsschaft zu vermeiden.

„Lassen Sie uns das alles heute tun, während all die Beamten, die den Sieg der Ukraine wollen, in offiziellen Positionen sind“, sagte Selenskyj laut Politico. Mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump wolle sich Selenskyj laut Interfax-Ukraine jedoch ebenfalls im September treffen.

„Es gibt und kann keine Alternative zum Frieden geben, kein Einfrieren des Krieges oder andere Manipulationen, die die russische Aggression nur auf eine neue Stufe stellen würden“, sagte Selenskyj in einer Abendansprache vom 18. September. Gleichzeitig machte Selenskyj deutlich, dass Moskau nicht an Friedensgesprächen interessiert sei. Moskau bemängelte indes in der Vergangenheit wiederholt, dass Selenskyj per Dekret Verhandlungen mit Russland untersagt habe und dieses Verbot erst aufgehoben werden müsse. (lismah)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/dpadpa-ENR-Pool | Christoph Soeder

Mehr zum Thema