Rhetorik im US-Wahlkampf

„Größter Drückeberger“: Ex-Gouverneur Ventura greift Trump öffentlich an

  • Fabian Hartmann
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Ex-Gouverneur Jesse Ventura kritisiert Donald Trump scharf. Zuvor griffen die Republikaner Kamala Harris‘ Vize Tim Walz für seine militärische Vergangenheit an.

Washington, D.C. – Wenige Monate vor der US-Wahl im November arbeiten sich das republikanische und demokratische Lager weiter gegenseitig rhetorisch aneinander ab. Seit Joe Bidens Rücktritt vom Wahlkampf sind die Republikaner gezwungen, ihre Wahlkampagne den neuen demokratischen Konkurrenten Kamala Harris und ihrem Vize Tim Walz (Gouverneur von Minnesota) anzupassen – und damit auch ihre rhetorischen Angriffe in Richtung der Demokraten zu verändern.

So wurde der Militärdienst der Kandidaten in der Vorwoche zu einem brisanten Thema im Wahlkampf zu stilisieren versucht. Harris’ Vizepräsidentschaftskandidat Walz wurde wegen seiner militärischen Vergangenheit von Trumps Running Mate J.D. Vance (Senator von Ohio) angegriffen. Nun meldete sich auch Jesse Ventura, Ex-Gouverneur Minnesotas, mit einem öffentlichen Seitenhieb in Donald Trumps Richtung zu Wort.

Ventura: „Vance erweist sich selbst und dem United States Marine Corps einen schlechten Dienst“

Während eines Fernsehauftritts beim US-Sender CNN am Freitagabend (Ortszeit) machte Ventura die Herkunft Trumps sowie sein mangelndes privates Engagement für das US-Militär in der Vergangenheit zu Hauptanliegen seiner Kritik. Auch verurteilte Ventura den republikanischen Präsidentschaftsanwärter und seinen Vizepräsidentschaftskandidaten Vance grundlegend für die Werte, die sie politisch vertreten.

Im rhetorischen Schlagabtausch zwischen Demokraten und Republikanern im US-Wahlkampf ging es zuletzt auch um den militärischen Werdegang der Kandidaten. Zunächst musste sich Tim Walz (hinten) Kritik gefallen lassen, jetzt teilte Ex-Gouverneur Jesse Ventura gegen Donald Trump aus. (Archivbild)

So bezeichnete Ventura Präsidentschaftsanwärter Trump nicht nur als „reichen weißen Jungen“, sondern auch als „größten Drückeberger“ überhaupt, wie er vom US-Nachrichtendienst Newsweek zitiert wird. Ventura, der während des Vietnamkriegs selbst in der US-Marine diente, betonte: „Vance erweist sich selbst und dem United States Marine Corps einen schlechten Dienst. Ich kenne eine Menge großartiger Marines, und Marines zeigen Respekt. Vance zeigt allerdings keinen Respekt.“

Republikaner suchen biografische Schwachstellen bei Harris‘ Vize Walz

Zuvor hatte Trumps Running Mate im US-Wahlkampf, der Irak-Kriegsveteran J.D. Vance, bei einem Auftritt in Ohio Fragen über Walz‘ Militäreinsätze aufgeworfen. Walz, der 24 Jahre lang verschiedene Funktionen innerhalb der US-Nationalgarde ausgeübt hatte, wird von Republikanerinnen und Republikanern vor allem für das Ende seiner Dienstzeit im Jahr 2005 kritisiert. Die Einheit, der Walz damals angehörte, hatte zu jenem Zeitpunkt für einen Einsatz im Irak mobilisiert werden sollen – zeitgleich kandidierte Walz aber noch für das Repräsentantenhaus.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
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Luke Schroeder, ein Sprecher von Senator Vance, teilte Newsweek am Samstag per E-Mail mit: „Tim Walz hat gelogen, dass er in einem Krieg eine Waffe tragen würde, und hat seine Einheit im Stich gelassen, als sie sich auf den Kriegseinsatz vorbereitete“, wie das US-Nachrichtenportal mitteilt. Auch Ventura meldete sich bereits im Anschluss an Vance mit kritischen Worten in Richtung Walz. Die Aussagen von Vance nannte Ventura gegenüber CNN „verachtenswert“.

Trump und Ventura kennen sich seit 2000 – nun trennt sie eine lange Bruchlinie

In seinem Gespräch mit CNN-Moderatorin Laura Coates ging Ventura am Freitagabend auch auf seine eigene Vergangenheit beim US-Militär ein: „Ich komme aus dem Süden von Minneapolis. Meine Freunde und ich sind da nicht weggekommen. Entweder wurden wir eingezogen oder wir haben uns verpflichtet.“ Er fügte hinzu: „Donald Trump war der typische weiße reiche Junge, der nicht in Vietnam dienen musste, weil er sich freikaufen konnte. Das ist der Typ, mit dem Vance zusammenarbeitet.“

Dabei blicken Ventura und Trump mittlerweile auf eine über zwanzigjährige Vergangenheit zurück. Im Jahr 2000 bekundete Ventura seine Unterstützung für Trump und sagte, dass er als potenzieller Präsidentschaftskandidat der Reformpartei absolut seine „volle Aufmerksamkeit“ erhalte. Während dieses Gesprächs bezeichnete Trump Ventura als Freund und stellte klar: „Ich bin ein großer Unterstützer von Jesse“.

In den vergangenen Jahren hat sich Ventura jedoch immer häufiger öffentlich gegen Trump ausgesprochen. So war im Jahr 2016 ein Artikel von Ventura im Time Magazine erschienen, in dem er beteuerte, mit Vorfreude darauf zu warten, dass Donald Trump der Republikanischen Partei (GOP) durch sein politisches Engagement den Untergang bereitet. (fh)

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Ventura habe Trump als „größten Wehrdienstverweigerer“ bezeichnet. Die Übersetzung war nicht korrekt. Ventura nannte Trump einen „draft dodger“, was im Militärwesen einen „Drückeberger“ kennzeichnet. Wir haben den Artikel entsprechend angepasst.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Glen Stubbe