Wegen Putins Drohungen

Pistorius warnt Deutschland vor Krieg mit Russland in „fünf bis acht Jahren“

  • Nils Thomas Hinsberger
    VonNils Thomas Hinsberger
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Die Kriegsgefahr in Europa ist durch den Ukraine-Krieg so hoch wie lange nicht mehr. Laut Verteidigungsminister Pistorius laufen schon Vorbereitungen.

Berlin – Drohungen aus Russland gegen „den Westen“ sind seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs nichts Neues. Das weiß auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Deshalb halte er eine kriegerische Auseinandersetzung Russlands mit der Nato nicht mehr für ausgeschlossen, erzählte Pistorius im Interview mit dem Tagesspiegel.

„Wir haben es in Europa wieder mit einer militärischen Bedrohungslage zu tun, die es so 30 Jahre lang nicht mehr gab“, sagte Pistorius. Akute Kriegsgefahr herrsche im Moment aber nicht. Szenarien für einen Kriegsfall würden aber trotzdem durchgespielt werden.

Schutz der Ukraine ist Schutz vor Krieg mit Russland

Deutschland sei der größte Unterstützer der Ukraine in Europa. Im weltweiten Vergleich würden nur die USA mehr liefern, so Pistorius. Dass sich der Kanzler bei der Frage, ob Deutschland Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine liefern soll, noch nicht entschieden hat, liege an einem ständigen Abwägen der Konsequenzen. Die Regierung müsse sich immer die Frage stellen, „welche Wirkung die Lieferung hätte oder wie sie unsere Rolle in diesem Krieg verändert“, sagte der Verteidigungsminister. Grundsätzlich gelte jedoch: „Wenn Putin diesen Krieg gewinnt und die Ukraine besetzt, steigt natürlich auch die Gefahr für das Bündnisgebiet.“

Verteidigungsminister Boris Pistorius vor einem Leopard-Panzer (Archivbild). Experten des Verteidigungsministeriums rechnen in „fünf bis acht Jahren“ mit Krieg gegen Russland.

Diese Gefahr spüren auch andere Staaten. Schweden habe vor kurzem die Bevölkerung aufgerufen, sich für einen Krieg zu wappnen, schreibt der Tagesspiegel. „Aus der skandinavischen Perspektive“ sei das auch verständlich, so Pistorius. Schweden sei geografisch in einer ernsteren Situation. „Aber auch wir müssen wieder mit der Gefahr leben lernen und uns vorbereiten“, warnt der Verteidigungsminister.

Vorbereitungen auf einen Krieg mit Russland laufen bereits

Das Verteidigungsministerium spiele verschiedene Szenarien über einen „Worst Case“ durch. Es gelte herauszufinden, wo die deutsche Bundeswehr Defizite und Verbesserungspotenzial habe. Gleichzeitig plädiert Pistorius für ein Programm zum stärkeren Zivilschutz, vor allem gegen Angriffe auf die Infrastruktur, wie die Stromversorgung.

Erst kürzlich wurde mitgeteilt, dass die Nato ein Großmanöver zur Abschreckung Russlands plane, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) mitteilte. Die Übung „Steadfast Defender“ soll im Februar beginnen und stellt die größte Truppenübung seit dem Kalten Krieg dar. Auch Deutschland beteilige sich an dem Manöver mit 12.000 Soldaten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Pistorius gegen Schuldenbremse, um „schadlos durch die Krise“ zu kommen

Die Schuldenbremse, an der die Ampel-Koalition weiter festhalten will, sei eine Bremse für notwendige Investitionen, so Pistorius im Interview mit dem Tagesspiegel. „Die Schuldenbremse stammt aus einer Zeit, als noch nicht im Ansatz etwas von den schweren Krisen dieser Zeit erkennbar war.“ Das Geld reiche nicht aus, um die aktuellen Krisen schadlos zu überstehen. (nhi)

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