Dänemark liefert bald

Putins Angst vor F-16-Kampfjets: Russland läuft in der Ukraine die Zeit davon

  • Michael Kister
    VonMichael Kister
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Wladimir Putins Armee erhöht an der gesamten Front den Druck – weil ihr die Zeit davonläuft. Das glaubt jedenfalls der ukrainische Oberkommandierende.

Kiew – Russland intensiviert seine Offensivoperationen im Ukraine-Krieg entlang der ganzen Ostfront zwischen Charkiw und Cherson. Als vor allem die USA, aber auch die EU, sich gegen Ende 2023 in langen Diskussionen über neue Ukraine-Hilfen verloren, sah Wladimir Putin Fachleuten zufolge seine Chance. Es sei sein Kalkül gewesen, analysiert das Institute for the Study of War (ISW), zum einen die Materialknappheit der Ukraine auszunutzen. Zum anderen habe er diese Knappheit verlängern wollen, indem taktische Erfolge seiner Truppen die Bereitschaft des Westens zu neuen Waffenlieferungen so weit wie möglich schmälern.

Die Initiative liegt in der Ukraine aktuell immer noch bei Russland, das erkennt auch der Oberkommandierende von Kiews Streitkräften, Oleksandr Syrskyj, an. So umfangreich waren die russischen Gebietsgewinne im Angesicht ständiger ukrainischer Gegenangriffe bisher allerdings nicht, dass sie den westlichen Unterstützungswillen nachhaltig geschädigt hätten. Syrskyj schreibt auf Telegram, Russland sei „sich darüber im Klaren“, „dass durch den schrittweisen Erhalt einer beträchtlichen Menge an Waffen und militärischer Ausrüstung von unseren Partnern und die Ankunft der ersten F-16, die unsere Luftabwehr verstärken werden, die Zeit zu unseren Gunsten spielt und seine Erfolgschancen sinken werden“.

Eine türkische F-16 in zur NATO Luftwaffenübung Tiger Meet passender Optik startet vom deutschen Fliegerhorst Schleswig-Jagel.

Oberkommandierender der Ukraine: Die Zeit im Krieg spielt gegen Russland

Deswegen bemüht sich die Ukraine, Stand zu halten, bis vor allem die F-16 ihr neue Kapazitäten verleiht. Der Oberkommandierende sprach in diesem Zusammenhang von der Luftabwehr – es geht hier um das Abschießen von russischen Drohnen und Raketen –, doch als Mehrzweckkampfflugzeug ist die F-16 auch zu Bodenangriffen in der Lage. Ausgerüstet mit westlichen Marschflugkörpern könnten ukrainische Piloten mit ihren „Fighting Falcons“ im ukranischen Luftraum bleiben und auf Ziele in Russland feuern. Diese Taktik wendet die russische Luftwaffe schon lange an, bloß eben in der anderen Richtung.

Da es nur eine Frage der Zeit sei, so General Syrskyj weiter, unternehme „die russische Militärführung derzeit alle Anstrengungen, um die Intensität zu erhöhen und die geografische Ausdehnung der Feindseligkeiten auszuweiten, um unsere Truppen so weit wie möglich zu dezimieren, die Ausbildung der Reservisten zu stören und den Übergang zu aktiven Offensivoperationen zu verhindern.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Erste F-16-Lieferungen für die Ukraine stehen unmittelbar bevor

Vielleicht muss die Ukraine aber nicht mehr lange durchhalten, denn mindestens bis die ersten F-16 in der Ukraine eintreffen, dürfte es nicht mehr lange dauern. Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen versicherte Wolodymyr Selenskyj beim jüngsten Friedensgipfel in der Schweiz, dass ihr Land in „naher Zukunft“ die versprochenen Kampfjets an die Ukraine liefern werde.

Dem schloss sich die niederländische Verteidigungsministerin Kajsa Ollongren im Gespräch mit European Pravda an. Sie korrigierte die zunächst genannte vage Zeitangabe einer ersten Lieferung im Herbst und sagte, man wolle die ersten F-16 bereits im Sommer liefern. „Dänemark wird das erste Land sein, das Flugzeuge zur Verfügung stellt“, so Ollongren, „und wir werden Dänemark folgen, aber es ist eine gemeinsame Anstrengung.“

Ukraine zielt derweil auf russische Flugzeuge und Luftabwehrstellungen

Die Ukraine versucht inzwischen, auf dem Boden so viele russische Kampfjets auszuschalten wie nur möglich, um optimale Bedingungen für den baldigen Einsatz der F-16 herzustellen. Die Luftwaffenbasis Morosowsk, etwa 100 Kilometer hinter der Grenze in Russland gelegen, wurde im Juni zum zweiten Mal Ziel eines verheerenden ukrainischen Drohnenangriffs. Weniger russische Jagdflugzeuge in der Luft bedeuten ein geringeres Risiko und mehr Spielraum für die ersehnten F-16. Aus demselben Grund nehmen die Ukrainer vorsorglich auch vermehrt russische Luftabwehrsysteme bei Raketenangriffen ins Visier. (Michael Kister)

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