Ende der Eisheiligen

„Kalte Sophie“ kommt: Wird die alte Bauernregel dieses Jahr gebrochen?

  • Michaela Ebert
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Die alte Bauernregel „Kalte Sophie“ – das Ende der Eisheiligen – könnte dieses Jahr auf die Probe gestellt werden. Die Kältephase hat verfrüht begonnen – doch endet sie auch eher?

„Pflanze nie vor der Kalten Sophie“ besagt eine alte Bauernregel. Denn landläufig gilt dieser spezielle Lostag als Ende der Eisheiligen – einer Kälteperiode, die meist Mitte Mai einsetzt und für Frost und Frische sorgt. Aus Sicht der langjährigen Wetterbeobachtungen rauschen die Temperaturen in ebendiesem Zeitraum in den Keller. Doch in diesem Jahr hat die Frühlingsfrische bereits einige Tage verfrüht eingesetzt – trifft das jetzt auch für die Kalte Sophie zu?

Wetterkapriolen im Mai: Eisheilige beginnen früh, aber enden sie auch zeitiger?

Tatsächlich finden die Eisheiligen jedes Jahr im selben Zeitraum statt, vom 11. Mai bis zum 15. Mai. Dabei wird jeder Tag einem anderen Eisheiligen gedacht. Am letzten Tag dieser meteorologischen Beobachtung trifft dies auf die Kalte oder auch Nasse Sophie zu. In manchen Regionen ist der Tag auch als „Sophie in Rom“ bekannt.

Sophia von Rom ist eine der fünf Eisheiligen

Die Kalte Sophie, auch Sophia von Rom genannt, ist die letzte der fünf Eisheiligen. „Sie starb um 304 n. Chr. als frühchristliche jungfräuliche Märtyrerin. Papst Sergius II. ließ um 845 einen Teil ihrer Reliquien unter dem Hochaltar der Kirche San Martino ai Monti in Rom beisetzen, andere Reliquien brachte Bischof Remigius von Straßburg in die Abtei Eschau“, erklärt eisheilige.info.

Zwar lassen sich die Eisheiligen als wiederkehrende Kälteperiode aus wissenschaftlicher und meteorologischer Sicht nicht bestätigen, dennoch gibt es eine Erklärung für den typischen Temperatursturz in der Mitte des Wonnemonats. Oftmals wird der Kälteeinbruch in der zweiten Maihälfte durch den Kollaps des Polarwirbels bestimmt, der zum Ende eines jeden Winters zerfällt. Dadurch werden arktische Luftmassen bis nach Deutschland gedrückt, wodurch besonders nachts Frost und Bodenfrost drohen.

Eisheilige enden mit „Kalter Sophie“ – Polarwirbel-Kollaps könnte Bauernregel erklären

Durch diesen typischen Verlauf leitet sich auch die unterschiedliche Dauer der Eisheiligen in verschiedenen Regionen her. Besonders im Norden von Deutschland sind die ersten Tage der Eisheiligen entscheidend. Im Süden und Südosten Deutschlands gilt jedoch die „Kalte Sophie“ als einer der wichtigsten Tage. Dies lässt sich durch den natürlichen meteorologischen Verlauf der arktischen Luftmassen begründen, die sich durch den Polarwirbel-Kollaps langsam von Norden nach Süden ausbreiten.

In diesem Jahr hat eine solche Frostperiode jedoch bereits frühzeitig eingesetzt, nachdem der Mai bereits mit knapp 30 Grad gestartet war. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Eisheiligen auch frühzeitig enden. Im Gegenteil. Laut Wetterexperte Dominik Jung setzt sich die stabile Hochdruckwetterlage noch einige Tage über Deutschland fest. Nachts können die Temperaturen noch bis Mitte des Monats unter den Gefrierpunkt fallen. Tagsüber werden maximal 23 Grad erwartet, was im Vergleich zu den frühsommerlichen Verhältnissen am Monatsbeginn deutlich frischer ist.

Nicht nass, aber kalt: Eisheilige enden mit frischen Nächten im Mai

Laut dem Wetterportal wetter.com werden beispielsweise in Heilbronn am Donnerstag, dem 15. Mai, höchstens 18 Grad Celsius erwartet – nachts nur sieben Grad. Eins ist jedoch sicher: Nass wird die Sophie in diesem Jahr nicht. Laut dem Europäischen Wettermodell bleibt es bis zur Monatsmitte viel zu trocken.

Auch in den folgenden Tagen bleiben die Wetterverhältnisse demnach annähernd gleich. Tagsüber klettert das Thermometer laut wetter.com auf maximal 25 Grad Celsius. Die Nächte hingegen scheinen nach der Kalten Sophie deutlich milder zu werden. Ab dem Ende der Eisheiligen bleiben die Temperaturen im zweistelligen Bereich.

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