Große Unterschiede

Steigendes Vermögen – ungleiche Verteilung: Hier besitzen die Deutschen das meiste Geld

  • Adrian Kilb
    VonAdrian Kilb
    schließen

Steigende Gehälter haben zuletzt dafür gesorgt, dass die Deutschen mehr Geld besitzen. Doch das Vermögen ist extrem ungleich verteilt. Wo es am meisten gibt:

Das Vermögen steigt in Deutschland seit Jahren. Zum Aufbaue beigetragen haben unter anderem höhere Gehälter, die auch 2023 für Beschäftigte in Deutschland stärker gestiegen sind als in den vorherigen Jahren – nicht zuletzt aufgrund höherer Tarifabschlüsse. Zur Kehrseite gehört allerdings, dass wegen der Inflation die Bürger in vielen Fällen trotzdem nicht mehr Kaufkraft besitzen.

Zudem ist das Vermögen noch immer ungleich verteilt, besonders zwischen Ost- und Westdeutschland. Das geht aus dem Sozialbericht 2024 hervor, den das Statistische Bundesamt mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) veröffentlichte.

Große Unterschiede beim Vermögen: Wo Deutsche mehr Geld besitzen

Vor allem die stark gestiegenen Immobilienpreise haben in den vergangenen Jahren für eine deutliche Erhöhung des Haushaltsnettovermögens gesorgt. Zwischen 2010/11 und 2021 ist das Vermögen der Haushalte in Deutschland demnach durchschnittlich um 62 Prozent angestiegen – von 195.200 Euro auf 316.500 Euro. Die Inflation eingerechnet, bleibt ein Zuwachs von 39 Prozent. 

Ostdeutsche Haushalte verfügten allerdings mit durchschnittlich 150.900 Euro über ein deutlich geringeres Vermögen als westdeutsche Haushalte mit 359.800 Euro durchschnittlich. Das Nettovermögen setzt sich aus allen Sach- und Finanzwerten abzüglich bestehender Kredite und anderer Verbindlichkeiten zusammen. 

Experte erklärt: Diese Faktoren erschweren Vermögensaufbau in Ostdeutschland

Die Ursachen für die Schieflage zwischen Ost und West liegen laut dem WZB-Experten Philip Wotschack zum einen in dem weiterhin geringeren Lohnniveau in Ostdeutschland, das einen Vermögensaufbau erschwere. Der Immobilienmarkt im Osten weise zudem durch den Bevölkerungsrückgang keine oder geringere Wertsteigerungen auf. 

Als dritte Ursache sieht Wotschak die historisch sehr beschränkten Möglichkeiten zum privaten Vermögensaufbau in der DDR. Betriebsvermögen waren nicht erwünscht und Aktien- und Finanzanlagen nicht möglich gewesen. Privates Immobilieneigentum sei nur gering verbreitet gewesen.

Auch in Deutschland insgesamt gibt es sehr ungleiche Vermögensverteilung

Generell gilt das Vermögen bundesweit als sehr ungleich verteilt: So verfügten 2021 allein die obersten zehn Prozent der Haushalte über 56 Prozent des Gesamtvermögens. Deutschland zählt dem Bericht zufolge damit im europäischen Vergleich zu den Spitzenreitern, was die Ungleichheit angeht. Nur in Estland sei das Vermögen noch ungleicher verteilt. Dort besitzen die obersten zehn Prozent demnach 59 Prozent des Gesamtvermögens. 

Eine wichtige Ursache dafür, dass Vermögensunterschiede in Deutschland über Generationen hinweg bestehen bleiben, sind dem Bericht zufolge Schenkungen und Erbschaften.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Wolfilser