Leistung für Familien
Kürzung beim Elterngeld: Welche Familien ab April leer ausgehen
- VonVanessa Lutzschließen
Die Hürden für das Elterngeld werden ab dem 1. April höher. Zahlreiche Mütter und Väter erhalten dann kein Geld mehr. Wer betroffen ist und was dahintersteckt.
Heftige Debatten, eine Online-Petition und Zoff in der Ampelkoalition: All das hat die geplante Kürzung beim Elterngeld nach Bekanntwerden des Vorhabens ausgelöst. Bereits im April 2024 folgten Änderungen bei den Regelungen: Damals war die Einkommensgrenze auf 200.000 Euro gesunken. Zum 1. April 2025 wird das Limit noch einmal weiter herabgesetzt – sodass ein größerer Kreis von Müttern und Vätern bald kein Elterngeld mehr bekommt. Wie viele sind von der neuen Regelung betroffen und was sind die Gründe? Ein Überblick.
Seit wann es das Elterngeld in Deutschland gibt
Das Elterngeld als finanzielle Unterstützung nach Geburt eines Kindes gibt es seit 2007 in Deutschland. Wie hoch das Elterngeld ausfällt, ist laut dem Bundesfamilienministerium individuell.
Es hängt unter anderem davon ab, wie hoch das Netto-Einkommen vor der Geburt war. Dafür wird ein Zeitraum von zwölf Monaten vor der Geburt betrachtet. Wer Elterngeld beantragen möchte, kann das bei der zuständigen Elterngeldstelle oder digital tun.
Wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, haben 2023 etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland Elterngeld beantragt. Das sind weniger als im Jahr zuvor – ein Rückgang von 4,3 Prozent. Von den 1,8 Millionen Beziehern waren 1,3 Millionen Frauen. Laut einer Studie ist die Kaufkraft des Elterngelds darüber hinaus um 38 Prozent gesunken.
Neue Regelung: Wer ab April kein Elterngeld mehr bekommt
Zahlreiche Familien in Deutschland könnten ab dem 1. April beim Elterngeld nun leer ausgehen: Die Einkommensgrenze für den Anspruch auf die finanzielle Unterstützung sinkt dann auf 175.000 Euro. Dies gilt für Geburten ab dem 1. April. Betroffen von der neuen Regelung sind sowohl Paare als auch Alleinerziehende. Wer also mit seinem zu versteuernden Einkommen über dieser Grenze liegt, hat keinen Anspruch auf Elterngeld mehr.
Die Änderung beim Elterngeld trifft also insbesondere besserverdienende Paare oder Alleinstehende mit Kind in Deutschland. Das Bundesfamilienministerium schätzt, dass etwa 20.000 Paare von der Absenkung der Einkommensgrenze beim Elterngeld betroffen sein werden, berichtet der MDR. Für 2026 gehe man von 30.000 betroffenen Paaren aus.
Tausende Familien erhalten ab 1. April kein Elterngeld mehr – das sind die Gründe
Warum aber werden die Hürden für den Bezug des Elterngeldes in Deutschland höher? Dahinter steckt eine Sparmaßnahme der früheren Ampel-Koalition. Der damalige Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte 2023 fast Minister aufgefordert, in ihren Häusern zu kürzen. Familienministerin Lisa Paus (Grüne) hatte sich für Kürzungen beim Elterngeld entschieden, da dies den größten Posten ihres Haushalts ausgemacht hatte.
Laut Schätzungen des Bundesfamilienministeriums könnten durch die Maßnahme im Jahr 2025 etwa 150 Millionen Euro beim Elterngeld eingespart werden. Für 2026 gehe das Ministerium von 30.000 betroffenen Paaren und 250 Millionen Euro aus, die gespart werden könnten.
Kommen auf Familien weitere Änderungen beim Elterngeld zu?
Aber bleibt es bei der ab 1. April 2025 geltenden Grenze von 175.000 Euro? Ein Sprecher des Familienministeriums sagte zwar kürzlich auf MDR-Anfrage: „Eine weitere Absenkung der Einkommensgrenzen ist derzeit nicht geplant.“ Allerdings befinden sich aktuell die Union und die SPD in Koalitionsverhandlungen. Diese stehen womöglich vor schwierigen Entscheidungen: Um die Verteidigung zu stärken, könnten in vielen anderen Bereichen weitere Kürzungen drohen. Ob auch das Elterngeld davon betroffen sein wird, ist derzeit unklar.
Führende Experten stehen dem Elterngeld allerdings kritisch gegenüber. Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, plädiert etwa für die vollständige Abschaffung des Elterngeldes. Er erklärte der Welt am Sonntag: „Es ist ein klassischer Fall von nice-to-have, aber nicht prioritär“. Laut ihm profitieren vor allem Besserverdiener davon. Eine Reduzierung um 50 Prozent sieht er als Alternative, falls Union und SPD die komplette Streichung vermeiden wollen.
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